Mulholland Drive auf Amazon: Diese verstörende Szene werdet ihr nie vergessen

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© Concorde/Arthaus
Mulholland Drive
20.06.2020 - 11:00 UhrVor 4 Monaten aktualisiert
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David Lynchs Meisterwerk Mulholland Drive streamt aktuell auf Amazon Prime. Vor allem ein Bild brennt sich so tief ins Gedächtnis, dass man es nie wieder vergessen kann.

Mulholland Drive von David Lynch ist ein Film, in dem man sich wirklich verlieren kann. Bereits die ersten Aufnahmen entführen in ein nächtliches Los Angeles, das zwischen Traum und Realität schwankt. Unmöglich ist es, die verschiedenen Ebenen, die Lynch im Lauf der Geschichte eröffnet, sauber voneinander zu trennen. Früher oder später laufen alle Bilder ineinander und ziehen einen immer tiefer in den Schlund des Films.

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Dennoch gibt es ein Bild, das heraussticht und sich wie kein zweites ins Gedächtnis brennt. Hat man den Moment einmal gesehen, kann man ihn nie wieder vergessen - und das, obwohl er nicht einmal mit dem Hauptteil der Handlung verbunden ist. Vielmehr wagt sich David Lynch hier in eine Seitenstraße seines sonnigen, aber auch düsteren Los Angeles. Das Grauen lauert eben überall, auch hinter unscheinbaren Ecken.

Doch der Reihe nach: Von welcher Szene reden wir hier überhaupt?

David Lynch entführt in ein unheimliches Hollywood

Mulholland Drive erzählt eigentlich von der jungen Betty (Naomi Watts), die nach Los Angeles kommt, um Schauspielerin zu werden - eine klassische Hollywood-Geschichte in Hollywood. Kaum erreicht sie das Apartment ihrer Tante, findet sie dort jedoch eine mysteriöse Frau vor, die sich - nach einem Bild der Schauspielerin Rita Hayworth - Rita (Laura Harring) nennt und wenige Stunden zuvor einem Autounfall überlebt hat.

Schaut den Trailer zu Mulholland Drive:

Mulholland Drive - Trailer (Deutsch)
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Darüber hinaus stellt uns David Lynch weitere Figuren vor, die in diesem Los Angeles ihr Unwesen treiben. Ziemlich früh im Film treffen sich etwa Dan (Patrick Fischler) und Herb (Michael Cooke) in einem Winkie's am Sounset Boulevard. Was auf den ersten Blick wie ein völlig normales Gespräch zwischen zwei Personen wirkt, verwandelt sich von Minute zu Minute in eine eindringlichere und verstörende Erfahrung.

Mullholland Drive beschwört auf Amazon das pure Grauen

Dan berichtet nervös von einem wiederkehrenden Albtraum, in dem er auf eine angsteinfößende Gestalt trifft. Niemals will er dieser Gestalt außerhalb seines Traums begegnen, so sehr fürchtet er sich vor ihr. Trotzdem kann er ihre Präsenz im Hinterhof des Diners ausmachen, was die Frage aufwirft, ob wir uns hier gerade in der Wirklichkeit oder einer der vielen Traumwelten des Films bewegen.

Diesige Kamerabewegungen untermauern die Ungewissheit des Augenblicks, während David Lynch ebenfalls geschickt mit der Umgebung spielt: Die Sonne scheint und die Menschen gehen ein und aus im Winkie's - nichts deutet darauf hin, dass wir uns hier an einem unwirklichen Ort befinden und dennoch legt sich ein bedrohlicher Schatten über die Sequenz, der von einem großen, unvermeidlichen Unheil kündet.

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Besonders faszinierend gestaltet sich der Umstand, dass uns David Lynch bereits im Dialog der beiden Figuren alles schildert, was danach eintreten könnte. Damit nimmt er gewissermaßen auch den späteren Besuch im Club Silencio vorweg, in dem sämtliche Darbietungen vorher aufgezeichnet wurden und nur von einer Schein-Performance begleitet werden, die mitunter verblüffend echt ausfällt, im Bruch dafür umso mehr schockiert.

Das Grauen in Mulholland Drive lässt sich nicht fassen

Schockierend gestaltet sich auch der Moment, wenn sich Dan und Herb in den Hinterhof des Diners wagen. Als Zuschauer wissen wir theoretisch genau, was passieren wird, immerhin hat es Dan gerade in aller Ausführlichkeit erklärt. Gleichzeitig befinden wir uns hier in einer Szene am helllichten Tag - alles wirkt durchschaubar. Die Anspannung ist aber unerträglich, je näher wir der entscheidenden Ecke kommen.

Und dann entfesselt David Lynch für den Bruchteil einer Sekunde das Grauen, das sich im Endeffekt seit Beginn durch die unheimliche, rätselhafte Atmosphäre des Films ankündigt. Lange Zeit wissen wir nicht, mit was wir es in Mulholland Drive genau zu tun haben. Die plötzliche Erscheinung der albtraumhaften Gestalt ist eines der wenigen konkret benennbaren Ereignisse - und lässt sich trotzdem kaum fassen.

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Die Gestalt schiebt sich ins Bild und bringt den gesamten Film ins Wanken. Bis wir überhaupt realisieren, was gerade geschehen ist, ist sie schon wieder verschwunden. Zurück bleibt ein mulmiges Gefühl, als hätte David Lynch soeben die Tür einen Spalt breit geöffnet und eine Kreatur aus einer anderen Dimension in die Stadt der Engel gelassen. Dort lauert sie nun und steht für alles, was man nicht auszusprechen wagt.

Völlig unabhängig davon, was hinter der Erscheinung wirklich steckt und ob wir uns in einem Traum befinden oder nicht: Fortan beschleicht einen dauernd das Gefühl, dass da etwas Unheimliches schlummert und einen jeden Augenblick überrumpeln kann. Die davon ausgehende Unsicherheit begleitet einen über den ganzen Film hinweg - und hallt auch danach noch als schauriges Echo im Kopf nach.

Mulholland Drive streamt aktuell auf Amazon Prime.

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Wie habt ihr diese Szene in Mulholland Drive wahrgenommen?

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