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Der Trash-Papst wird 80


Wenn es ein Land des B-Films gibt, dann ist Jesús Franco sein König. Provokanter und produktiver als die meisten seiner Kollegen hat der spanische Filmemacher das europäische Kino geprägt. Publikum und Filmbehörden ist unter er unter einigen Namen bekannt, aber vor allem einer spukt jetzt seit über vier Jahrzehnten umher. Die Rede ist natürlich vom einzig wahren Jess Franco. Morgen feiert der Mann, dem weit mehr als 200 Streifen zugeschrieben werden, seinen 80. Geburtstag. Wir wünschen ihm jetzt schon alles gute und präsentieren euch dieses kleine Portrait.

Geboren wurde Jesús Franco am 12. Mai 1930 in Madrid. Schon in den Kinderschuhen offenbarte er enorme künstlerische Fähigkeiten. Seine Eltern förderten zunächst sein musikalisches Talent. Auch seine späteren Studienfächer ließen bereits erahnen, dass dem guten Jess keine bürgerliche Laufbahn reizen würde. In Paris und Madrid widmete er sich unter anderem der Philosophie, der Literatur und dem Jura-Wesen. Der Liebe zum Film folgte Jesús Franco schließlich, weil er sich ein Leben allein als Jazzmusiker nicht vorstellen konnte.

Nach einigen weniger beachteten Produktionen inszenierte er 1961 mit The Awful Dr. Orloff seinen ersten Horror-Film. Das war der eigentliche Startschuss seiner Karriere. Fortan zeichnete er für eine ganze Horde von Bösewichten und Psychopathen verantwortlich. Seiner Fantasie setzte Jesús Franco niemals Grenzen. Vor allem dank der gezeigten ausufernden Sex-Praktiken und nicht selten damit verbundenem Sadismus machte er schnell von sich Reden. Seine Filme brachen bewusst damalige Tabus, ob in Form lesbischer Figuren wie in Vampyros Lesbos, grausamer Folter-Morde oder blutiger Details. Einen kommerziellen Film würde Jesús Franco, nach eigener Aussage, nur aller fünf Jahre drehen. Aber Hollywood zeigte schnell Interesse am Spanier. Orson Welles verpflichtete ihn als Regie-Assistent, einer Empfehlung von Roger Corman verdankte er die Zusammenarbeit mit Christopher Lee. Zwei Mal, für die Der Todeskuss des Dr. Fu Man Chu und Die Folterkammer des Dr. Fu Man Chu schlüpfte der Brite für Jesús Franco in die Rolle des diabolischen Bösewichts. Und in Nachts, wenn Dracula erwacht, auch erneut in die seines Lebens.

Auch Klaus Kinski gehört zu den wenigen großen Namen, die sich ins bizarre Universum von Jesús Franco begaben. Als Jack the Ripper – Der Dirnenmörder von London oder in Marquis de Sade – Justine, durfte sich der exzentrische Mime austoben. In den meisten Fällen wurden jedoch vorrangig junge Sternchen in diesen Filmen verheizt. Vornehmlich sexy dürfen sie sein. Kein Wunder, dass sich dem Titel nach häufig Jungfrauen in den Klauen von Frankenstein, Zombies oder Kannibalen wiederfanden. Auch die Frauen-Gefängnis-Welle leitete Jesús Franco dank Filmen wie Frauen für Zellenblock 9 mit ein. Gehaltvolle Unterhaltung ist nicht das Ziel von Jesús Franco. Seinem Credo nach ist ein B-Film nichts schlechtes und so zelebriert ausgiebig Sexploitation, Horror und absurde Crime-Storys. Die Vielzahl an Produktionen wurde dabei oft von Geldgebern wie Erwin C. Dietrich oder auch Artur Brauner abgedeckt, die de Zuschauer-Bedarf nur zu gern abdeckten. Schließlich begann Jess damit, Pseudonyme zu verwenden, was sein Werk noch etwas unübersichtlicher macht.

Aber Mitte der Siebziger Jahre verloren die Filme von Jesús Franco zunehmend an Faszination. Immer häufiger sprang der Regisseur auf den Zug billiger Schock-Momente des Slasher- oder Kannibalen-Films auf. Filme wie Oase der Zombies, Mondo Cannibale 3 – Die blonde Göttin der Kannibalen oder die Die Säge des Todes beschäftigten zwar die Zensur, aber ein Publikum fanden sie nicht mehr wirklich. Die ehemals reißerische Nacktheit seiner Figuren machte zunehmend Platz für platte Sex-Filme. Für manchen Kritiker war Jesús Franco damit dort angelangt, wo er schon immer hingehörte.

Der alte Meister muss sich aber niemanden beweisen. Trotz schwerer Krankheit und mittlerweile im Rollstuhl führt Jesús Franco auch heute noch seine Arbeit fort, so lange es eben geht. Wir ziehen vor soviel Eifer heute schon den Hut und präsentieren euch einen Ausschnitt aus einer Doku über Werk und Leben des Filmemachers. Sagt uns eure Meinung zum Video und Jesús Franco natürlich auch.

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