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Mein Herz für Serie

Das Böse hinter der Idylle - Top of the Lake

20.12.2013 - 08:50 UhrVor 7 Jahren aktualisiert
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Top of the Lake
© See-Saw Films
Top of the Lake
Die Gegend ist wirklich malerisch, aber unter der Oberfläche einer neuseeländischen Berglandschaft verbirgt sich so manches dunkle Geheimnis. Mein Herz für Serie geht heute an Top of the Lake, eine Miniserie von Filmemacherin Jane Campion.

Die Grundkonstellation von Top Of The Lake erinnert an Twin Peaks von David Lynch. Ein zwölfjähriges Mädchen steht im kalten Wasser, will sich scheinbar umbringen. Wie sich herausstellt, wurde es missbraucht und ist im fünften Monat schwanger. Ein anderes Mädchen wurde schon vor Monaten tot am Straßenrand gefunden. Die Polizei geht von Selbstmord aus, auch wenn – wie sich später zeigt – Kokain in ihrer Vagina gefunden wurde. Überhaupt passieren in Southern Lakes, Neuseeland einige Unfälle. Da wird ein Immobilienmakler aus dem See geborgen, ein anderer Mann am Baum hängend gefunden. Die Polizei um Chief Al Parker (David Wenham) wirkt nicht besonders professionell bei den Ermittlungen: Irgendetwas stimmt da nicht.

Robin Griffin (Elisabeth Moss), Kriminalistin und Spezialistin für Kindesmissbrauch, ist zufällig zurückgekehrt in ihre Heimatstadt Queenstown, weil ihre Mutter an Krebs erkrankt ist. Sie wird zum Fall der kleine Tui Mitcham (Jacqueline Joe) herangezogen, muss aber unverrichteter Dinge das Mädchen wieder bei ihrem Vater Matt Mitcham (Peter Mullan) abliefern, ohne zu wissen, wer Tui das angetan hat. Matt Mitcham ist der örtliche Drogenboss und hat die Gegend mit Geld und Gewalt in seiner Hand. Als er auch noch erfährt, dass ein von ihm begehrtes Landstück, genannt Paradise, verkauft wurde, ist er gar nicht gut gelaunt. Paradise wird nun von Frauen bewohnt, die notdürftig in Containern hausen und sich in therapeutischen Gruppengesprächen von ihren traumatischen Erlebnissen – vorzugsweise mit Männern – lösen wollen. Angeführt werden sie von GJ (Holly Hunter), die über echte Guru-Qualitäten verfügt und jedem, der es wissen will, einsilbige, kluge, pragmatische Lebenshinweise gibt.

Tui verschwindet spurlos. Während einige an ihren Tod glauben, behaupten andere, sie wolle im Wald allein ihr Kind zur Welt bringen, um es vor ihrem tyrannischen Vater zu schützen. Wie auch immer es sich verhält: Die Zeit drängt, denn der Geburtstermin rückt näher und draußen in der kalten Wildnis der neuseeländischen Berge ist das zwölfjährige Mädchen auf sich allein gestellt. Robin, die selbst mit ihrer Vergangenheit zu kämpfen hat, setzt alles daran, das Mädchen zu finden.

Die Miniserie Top of the Lake ist ein wahrer Augenschmaus. Die Landschaft Neuseelands wird in berauschenden und poetischen Bildern eingefangen (Kamera: Adam Arkapaw). Doch in der Idylle von Paradise werden menschliche Abgründe sichtbar. Missbrauch, Gewalt und Drogenhandel sind an der Tagesordnung. Um die komplexen Verwicklungen aufzudecken, bedarf es eines geduldigen Kriminalisten, der die Opfer nicht aus den Augen lässt und sich in dem Gefüge der Gemeinschaft auskennt. Robin Griffin ist genau das. Sie kehrte einst dem Ort den Rücken, weil sie Ähnliches erlebte wie Tui und ihre Vergangenheit spiegelt sich in den Ermittlungen.

Der neuseeländischen Oscarpreisträgerin Jane Campion (Das Piano, Portrait of a Lady) ist mit Top of the Lake eine Crime-Mystery-Serie gelungen, die zurecht von den Kritikern gefeiert wurde. Auch wenn die Auflösung der Geschichte in der letzten Folge der sechsteiligen Serie etwas zu hastig über die Bildschirme flimmert, überzeugt Top of the Lake mit Spannung und Witz und einem gehörigen Schuss Skurrilität. Feinfühlig werden die Hauptfiguren porträtiert. Die Düsternis der Geschichte und die Abgedrehtheit einiger Figuren scheint dem David Lynch-Universum entlehnt, ohne als Abklatsch daher zu kommen. Genau wie ihr Kollege schaut Jane Campion hinter die Idylle, deckt den Schein und die düsteren Geheimnisse so mancher Existenz auf.

Top of the Lake ist großes Fernsehen und viel mehr. Wer die Miniserie in einem Zug schaut, wird einen langen, hervorragend fotografierten Spielfilm entdecken, der sich einfach die Zeit nimmt, die er braucht, um eine komplexe Geschichte zu erzählen.

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