Club der Roten Bänder im Kino: Niemand braucht dieses Prequel

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Club der roten Bänder
19.02.2019 - 13:20 UhrVor 3 Jahren aktualisiert
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Ob langjähriger Fan oder interessierter Neueinsteiger: Club der roten Bänder - Wie alles begann macht niemanden glücklich. Wir haben uns angeschaut, woran das Prequel zur Erfolgsserie scheitert.

Die VOX-Erfolgsserie Club der roten Bänder hat einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen. Über drei Staffeln lang lachte und weinte ich mit den sechs Jugendlichen, die umgeben von Leid und Tod Kraft in ihrer gemeinsamen Freundschaft gefunden haben. Jetzt ist die Vorgeschichte Club der roten Bänder - Wie alles begann als Film in den Kinos gestartet: Auch wenn der Film die Gefühle der Serie neu aufleben lässt, ist es doch die schlimmste Filmerfahrung seit Solo: A Star Wars Story, der Fans ebenso verprellt.

Club der roten Bänder ergibt für Neulinge keinen Sinn

Der Kinofilm erzählt eine Vorgeschichte zur Serie. Dieser Fakt alleine machte mich schon bei der Ankündigung stutzig, immerhin lernten sich die sechs Mitglieder des Clubs der roten Bänder erst zu Beginn der Serie kennen.

Und genau das wird dem Film schnell zum Verhängnis, der mit Biegen und Brechen versucht, die Figuren Emma (Luise Befort), Jonas (Damian Hardung), Toni (Ivo Kortlang), Alex (Timur Bartels) und Hugo (Nick Julius Schuck) in die Handlung zu quetschen, die im Kern eigentlich nur Leo (Tim Oliver Schultz) gehört.

In Leos Club der roten Bänder-Vorgeschichte haben die anderen nichts zu suchen

Denn zusätzlich zu Leos ersten Erfahrungen als Krebspatient werden zusätzliche Nebenhandlungen zu Jonas, Toni und Alex eröffnet, die keinerlei Berührungspunkte mit der Haupthandlung aufweisen. Nicht nur sind diese befremdlich für Zuschauer, die die Figuren nicht kennen, sondern auch noch erschreckend uninteressant.

Was haben die Eheprobleme von Alex' Eltern, der misshandelnde Bruder Jonas' und Tonis Opa, der lernen muss, Ruhe zu bewahren, mit Leos Krebs zu tun? Und warum sieht dieser Film nach einer TV-Produktion aus? Diese und weitere Fragen machen Club der roten Bänder für Nichtkenner zu einem frustrierenden Erlebnis. Aber kann der Film wenigstens den Fans gefallen?

Club der roten Bänder ist purer Fanservice, den niemand wollte

Mit Filmen, die auf Serien basieren, ist das so eine Sache. Als Fortführung und Erweiterung eines Serienuniversums können sie die Geschichten liebgewonnener Figuren weitererzählen. Doch im Fall von Club der roten Bänder würde sich eine Fortsetzung sehr schwierig gestalten.

Daher entschlossen sich die Produzenten notgedrungen für ein Prequel, das die beliebten Jungstars noch einmal zurückholt. Hier erleben wir Leos Vorgeschichte, der eigentlich genau die gleiche Charakterentwicklung durchmacht wie Jonas zu Beginn der Serie. Aber wer wollte das eigentlich sehen?

Jonas' Vorgeschichte ist so uninteressant, das sogar ein Bruder erfunden werden musste

Denn wie schon zuvor Solo: A Star Wars Story versucht auch Club der roten Bänder, Antworten auf Fragen zu geben, die niemand gestellt hat, und entmystifiziert damit alle seine Figuren. Zu erfahren, wie Toni sein Bilderalbum bekam oder warum Leo einen Basketballkorb in seinem Zimmer hat, ist in der Realität weniger interessant, als es der Film uns weiszumachen versucht.

Und warum hat Jonas plötzlich einen Bruder, der nie in der Serie erwähnt wurde? Generell gibt es für Fans keine Überraschungen, da wir von Beginn an wissen, welche Verluste Leo bevorstehen.

Auch das Setting und das Alter der Darsteller stimmt nicht

Als Vorgeschichte für die bestehende Serie enthält Club der roten Bänder zu viele Störfaktoren, die dem Eintauchen in die Geschichte im Wege stehen. Da wäre zum einen das Setting des Krankenhauses. Produktionsbedingt konnte wohl nicht am alten Schauplatz gedreht werden. Dennoch stößt es sauer auf, dass dieses Krankenhaus nicht jenes aus der Serie ist.

Noch befremdlicher ist jedoch das Alter der Darsteller, die hier jüngere Versionen von sich spielen. Besonders bei Hugo fällt auf, dass Nick Julius Schuck keine 14 mehr ist. Die Szenen aus der Serie während des Abspanns machen dies umso deutlicher.

Das Wichtigste fehlt: Der Club der roten Bänder

Der größte Fehler, den Club der roten Bänder begeht, ist der Filmtitel selbst. Denn einen Club sucht der Zuschauer hier vergebens. Erst zum Ende des Films trifft Leo auf seinen Mentor Benito, der völlig aus dem Zusammenhang gerissen erwähnt, dass Leo doch einfach einen Club gründen sollte, damit es ihm wieder besser geht. Mit dem Rest des Filmes hat das wenig zu tun.

Einzig als Pilotfilm würde Club der roten Bänder Sinn ergeben, immerhin endet der Film direkt mit dem Beginn der Serie. Leider können Serie und Film durch die krassen Altersunterschiede der Darsteller nicht wirklich verbunden werden.

Einen Club der roten Bänder gibt's hier nicht zu sehen

Als Reboot hätte ein Film über den Club mehr Sinn ergeben, ähnlich wie es schon Türkisch für Anfänger versuchte. Am Ende wirkt Club der roten Bänder wie das Treffen mit einem Ex-Partner. Nostalgische Gefühle und Emotionen kochen hoch und es gibt einen kurzen Moment der Annäherung.

Doch schlussendlich folgt die Einsicht, dass der Abschied doch eine gute Idee war. Für alle, die die Trauerarbeit nach dem Serienfinale bereits abgeschlossen haben, wird das Prequel nur zur emotionalen Tortur. Wer sich das antun will, ist selber Schuld.

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