Carol erzählt die berührendste Liebesgeschichte der letzten 10 Jahre

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Carol
27.01.2020 - 19:25 UhrVor 10 Monaten aktualisiert
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Ein Blick genügt, damit sich Cate Blanchett und Rooney Mara in Carol verlieben. Was sich zuerst sehr kitschig anhört, entpuppt sich als größte Liebesgeschichte der letzten Dekade.

Basierend auf dem Roman Salz und sein Preis, den Patricia Highsmith unter dem Pseudonym Claire Morgan veröffentlichte, schuf Regisseur Todd Haynes einen Film, der so unscheinbar wie überwältigend ist. Carol erzählt eine lesbische Liebesgeschichte in einer Zeit, in der die gesellschaftlichen Umstände die Liebenden immer wieder auseinanderreißen. Und dennoch ist da etwas, das sie niemals trennen kann.

Carol erwacht durch sehnsuchtsvolle Blicke zum Leben

Wenn sich Carol (Cate Blanchett) und Therese (Rooney Mara) im Dezember 1952 zum ersten Mal über den Weg laufen, dann genügt ein Blick, der die beiden so tief, so fest und so unerschütterlich miteinander verbindet, dass sie nicht einmal das vorweihnachtliche Treiben ablenken kann. Mitten in einem geschäftigen Kaufhaus blicken sie sich zum ersten Mal an. Plötzlich verschwindet jegliche Distanz und es existieren nur noch die zwei Figuren.

Das hört sich zuerst sehr kitschig an, diese Liebe auf den ersten Blick. Ein Klischee, das so oft bemüht wird, dass es gar keiner mehr ernst nimmt, geschweige denn daran glaubt, dass diese Liebe wirklich existiert. Doch Todd Haynes verschwendet die kostbaren Blicke nicht, die er in seinen Bildern einfängt. Stattdessen verliert er sich komplett in ihnen und baut den kompletten Film um sie herum auf. Todd Haynes wird niemals müde, Carol und Therese zu beobachten.

Spannende Fakten zu Carol:

  • Carol hat es in unserer Liste der Top 100 der besten Filme der 2010er Jahre auf Platz 7 geschafft.
  • Der Film feierte im Rahmen des Wettbewerbs der Filmfestspiele von Cannes seine Premiere. Cate Blanchett wurde als beste Darstellerin ausgezeichnet.
  • Bei einem Budget von rund 12 Millionen Dollar konnte Carol weltweit knapp 43 Millionen Dollar an den Kinokassen einspielen.
  • Carol wurde auf 16-mm-Film gedreht, um den Look der 1940er und 1950er Jahre einzufangen. Die Fotografien von Vivian Maier, Ruth Orkin, Helen Levitt, Esther Bubley und Saul Leiter dienten als Inspiration.
  • Auf Moviepilot hält Carol einen Schnitt von 7.2 bei über 1300 Bewertungen.
Carol

Dieses Beobachten resultiert weniger aus einem voyeuristischen Verlangen heraus als aus Todd Haynes' Vermögen, sich in die Gefühlswelt anderer Menschen hineinzuversetzen. Gebannt verfolgt Edward Lachmans Kamera jede einzelne Bewegung, sei es der Moment, in dem sich Carol eine Zigarette anzündet, oder jener, in dem Therese die Welt durch die Linse ihrer Kamera beobachtet, ehe sie einen wertvollen Augenblick für die Ewigkeit festhält.

Eine Liebesgeschichte im Angesicht bedrohlicher Schatten

Auch Carol, der Film, strebt danach, diese (Augen-)Blicke für immer festzuhalten, da er weiß, wie schnell sie wieder verschwinden, mitunter komplett übersehen werden, gerade in diesem New York der 1950er Jahre, in dem die gesellschaftlichen Konventionen ein anderes Leben diktieren als das, nach dem sich Carol und Therese sehnen. Was zum Beispiel Carols Ehemann, Harge (Kyle Chandler), am liebsten ignorieren würde, saugt der Film mit jedem Faser in sich auf auf.

Besonders ergreifend ist dabei die Sorgfalt. Carol ist ein außergewöhnlich aufmerksam gestalteter Film, der all die schüchternen, aber auch bestimmenden Schwingungen von den Figuren auf seine Sets überträgt. Detailreich dekoriert und fein abgestimmt in den Farben verblüfften alle filmischen Räume, die Todd Haynes in Carol eröffnet. Mal sind es Orte von Liebe und Leidenschaft, ein anderes Mal sind sie gefüllt von bedrohlichen Schatten.

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Douglas Sirk schwebt als großes Vorbild über den dramatischen Ereignissen, doch Todd Haynes ist nicht nur an einer Imitation interessiert. Schon in Dem Himmel so fern spielte er mit vielen Sirk-Motiven, sowohl in der Erzählung als auch der Inszenierung. Carol markiert mit seinen wunderschönen 16-mm-Bildern die nächste Stufe in diesem Streben und ist dennoch ein völlig eigenständiges, unumstößliches Monument von einem Filmemacher auf der Höhe seiner Schaffenskraft.

Cate Blanchett und Rooney Mara sind das Herz von Carol

Und inmitten dieses meisterlichen Films finden sich zwei Schauspielerinnen wieder, die vermutlich nie besser waren: Zu sehen, wie sich Cate Blanchett und Rooney Mara als Carol und Therese annähern, ist schlicht sensationell - allerdings ohne das Spektakel, das oft mit diesem Wort verbunden wird. Vielmehr begeistert die Hingabe, mit der sie jede noch so kleinen Geste Gewicht verleihen. Es ist hypnotisierend, den beiden bei ihrem Spiel zuzusehen.

Ein Begehren so greifbar, dass man selbst direkt im winterlichen, verträumten New York von Carol versinken könnte. Einen entscheidenden Beitrag dazu leistet auch die Filmmusik von Carter Burwell, wobei von einer erbrachten Leistung hier keine Rede sein kann. Viel zu kühl für eine von Emotionen durchströmte Liebesgeschichte klingt das. Stattdessen hüllen sich Burwell Kompositionen wie ein warmer Mantel um die Figuren in diesem kalten Winter.

Carol

Träumerisch, behutsam und andächtig erzählt die Musik aber auch von den tragischen Konsequenzen dieser einnehmenden Liebesgeschichte. Auf der einen Seite gibt es die aufrechten Gefühle, auf der anderen die Zwänge, die Carol und Therese einengen in einer Welt, die sie am liebsten verbannen würden. Am Ende ist da trotzdem Todd Haynes, der ihre Blicke einfängt und für immer in seinem Film festhält, damit sie nie in Vergessenheit geraten.

Hat euch Carol auch so sehr in seinen Bann gezogen?

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