Bei Amazon: The Expanse ist die beste echte (!) Sci-Fi-Serie der letzten 10 Jahre

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The Expanse
13.12.2019 - 10:00 UhrVor 4 Monaten aktualisiert
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The Expanse ist eine echte Offenbarung für Science-Fiction-Fans. Das hat vor allem mit der Wissenschaftlichkeit der Serie zu tun, deren 4. Staffel heute bei Amazon startet.

Die 4. Staffel von The Expanse geht heute bei Amazon Prime Video online. Als Sci-Fi-Fan sage ich: zum Glück. Zum Glück gibt es eine 4. Staffel dieser Serie, zum Glück hat Amazon sich für die Rettung der Serie entschieden, zum Glück müssen Zuschauer nicht über das abrupte Ende eines weiteren Opfers komplexer medialer und ökonomischer Verstrickungen trauern.

Denn für mich gehört The Expanse zu den besten Sci-Fi-Serien überhaupt. Sie ist meiner Meinung nach die beste "echte" Sci-Fi-Serie der letzten 10 Jahre. Mit "echt" meine ich, dass sie genau die Merkmale verkörpert, die Science-Fiction ausmachen muss. Genau deshalb hat sie sich einen Platz in meinem persönlichen Serien-Olymp verdient.

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Aber der Reihe nach: Dass The Expanse die beste "echte" Science-Fiction-Serie der letzten 10 Jahre ist, wirkt auf euch vielleicht wie eine ziemlich kühne Behauptung, die nach einer adäquaten Begründung verlangt. Ihr sollt diese Begründung bekommen.

Wissenschaft & Visionen: Warum The Expanse "echte" Sci-Fi ist

Zu den zentralen Elementen von Science-Fiction gehört eine Form der Wissenschaftlichkeit, die Phänomene der durch sie artikulierten Zukunftsvision erklärbar macht. Science-Fiction definiert sich dadurch, dass stilgebende Elemente, die in der heutigen Welt noch nicht zur Verfügung stehen, sich wissenschaftlich erklären lassen oder das jeweils erdachte Sci-Fi-Universum zumindest eine (wissenschaftliche) Erklärung für die entsprechenden Technologien bietet.

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Dieses zentrale Merkmal von Science-Fiction findet in vielen modernen Sci-Fi-Serien und -Filmen nicht oder kaum noch statt. Letztere setzen Zuschauern einfach erdachte Technik vor die Nase, die aus der Zukunft stammen könnte, ohne aber eine wissenschaftliche Erklärung für ihre Funktionsweise zu bieten.

The Expanse bildet in dieser Hinsicht eine Ausnahme, weshalb die Serie für mich auch als "echte" Science-Fiction durchgeht. Denn die Autoren bemühen sich sichtbar um eben diese Erklärbarkeit ihrer Zukunftsvision, von wenigen Ausnahmen wie den Fluggeräuschen der Raumschiffe im Weltall oder dem sogenannten Epstein Drive als Ersatz für die Fortbewegung mit Lichtgeschwindigkeit abgesehen.

Ein paar - spoilerfreie - Beispiele:

  • Zwei Charaktere bewegen sich im Vakuum des Weltalls und berühren einander am Glas ihrer Helme, um sich dadurch unterhalten zu können.

  • Um im Weltall das Visier des eigenen Helms für einige Sekunden zu öffnen, atmet ein Charakter tief ein, bevor er das Visier hochfährt. Anschließend atmet er die Luft aus, solange das Visier geöffnet bleibt.

  • Der Pilot Alex Kamal trinkt in einer Episode von The Expanse eine Flasche Bier, während er sich in einem gravitationsfreien Raum bewegt. Die Biertropfen schweben dabei realistisch durch den Raum.

  • Detective Josephus Miller gießt auf Ceres ein Glas Whiskey ein, während die Flüssigkeit im (fast) korrekten Winkel und unter dem Einfluss geringer Gravitation sowie des Coriolis-Effekts in das Glas fließt.

Menschen & Beltern: Warum The Expanse die beste Sci-Fi-Serie der letzten 10 Jahre ist

Zugegeben, die Umsetzung von The Expanse als "echte" Science-Fiction macht noch lange keine gute Serie, geschweige denn die "beste Sci-Fi-Serie der letzten 10 Jahre". Dafür braucht es andere Elemente, Merkmale einer herausragenden Erzählung, die fesselt und zugleich zum Nachdenken anregt über das, was sein könnte.

Die Hauptfiguren der Amazon-Serie

The Expanse gelingt dieses Kunststück unter anderem deshalb, weil die Buchvorlage aus der Masse generischer Sci-Fi-Literatur herausragt und die Autoren der Romane eng in die Produktion der Serie eingebunden sind. Das Universum der Reihe bietet die perfekte Vorlage für eine epische Science-Fiction-Erzählung, und zwar aus mehreren Gründen.

Realistische Zukunftsvision durch attraktives World-Building

The Expanse setzt beispielsweise auf kreatives World-Building. Die Serie entwirft eine Zukunftsvision, die in einem Maß auf der Realität beruht, dass wir leicht meinen, die Welt des 24. Jahrhunderts könnte tatsächlich so aussehen, wie die Serie sie darstellt. Gepaart mit der wissenschaftlichen Erklärbarkeit gibt die Optik den Zuschauern das Gefühl, eine realistische Zukunft präsentiert zu bekommen.

Die Umgebung von The Expanse wirkt dadurch vertraut, zum Beispiel, wenn die Charaktere in der Serie die U-Bahn nutzen. Gleichzeitig bildet sie ein mahnendes Bild einer Zukunft ab, an der wir selber schuld sein könnten, etwa, wenn auf Ceres ein simulierter Himmel über der Stadt liegt.

Darüber hinaus beweisen die Macher gegenüber anderen Sci-Fi-Serien viel Kreativität beim World-Building im Umgang mit der Gravitation: Letztere spielt in der Serie immer wieder eine Rolle, um die Umgebungen von Mars, Erde und der übrigen Orte in der Welt von The Expanse zu charakterisieren. Die Gravitation an sich erlaubt den Machern der Serie, ihre Welt bestimmten nachvollziehbaren Bedingungen zu unterwerfen. Damit wären wir wieder bei der Wissenschaftlichkeit von The Expanse angelangt.

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The Expanse kombiniert also realistische und wissenschaftlich erklärbare Ideen einer Zukunft zu einem Gesamtbild, das keine andere Sci-Fi-Serie der letzten 10 Jahre in ähnlicher Exzellenz darstellen konnte. Gleichzeitig kombiniert sie diese kreative und zugleich realistisch wirkende Zukunftsvision mit einer Erzählung, deren Charaktere der großartigen Kulisse den Rang ablaufen.

Charaktere, die Klischees nur scheinbar bedienen

Denn die Figuren, die The Expanse bereits in der 1. Folge der 1. Staffel zu etablieren beginnt, vereinen zwar in sich gewisse fiktionale Klischees: Detective Josephus Miller (Thomas Jane) wirkt wie eine Mischung aus korruptem Cop und hardboiled Detective, James Holden (Steven Strait) präsentiert sich zu Beginn als bequemlicher Tunichtgut und Chrisjen Avasarala (Shohreh Aghdashloo) spielt die rücksichtslose Politikerin.

Trotzdem finden die Macher einen Weg, diese Charaktere um einiges facettenreicher darzustellen, als wir es auf den ersten Blick vielleicht erwarten. Zuschauer, die sich schon in der 1. Episode eine Meinung über die Figuren bilden, werden schnell eines Besseren belehrt. The Expanse bedient sich existierender Klischees, nur um diese aufzubrechen und den Zuschauer tiefer in eine Welt hineinzuziehen, die vermeintlich vertraute Ideen in einem neuen und überraschenden Gewand präsentiert.

The Expanse: Der Mut zur Langsamkeit

The Expanse beweist darüber hinaus Mut zur Langsamkeit, führt Charaktere und Handlungstränge gemächlich ein und wirft dem Zuschauer erst nach und nach einzelne Brotkrumen vor die Nase, die ihn dazu zwingen, sich auf das Gesamtkonstrukt der Serie einzulassen.

Wer das tut, wird mit einem komplexen Plot belohnt, der als Parabel auf aktuelle gesellschaftliche und politische Probleme der realen Welt fungiert und dabei die Essenz moderner Science-Fiction verkörpert. Alle anderen verpassen die meiner Meinung nach beste "echte" Sci-Fi-Serie der letzten 10 Jahre.

Hört den Moviepilot-Podcast zu unserem Sci-Fi-Lieblings The Expanse

Wir gehen in der neuen Podcast-Folge von Streamgestöber dem Hype um The Expanse eingängig auf den Grund:

Neben zahlreichen Argumenten, warum wir The Expanse in den Sci-Fi-Olymp heben, gehen wir kurz auf die Parallelen von The Expanse und Game of Thrones ein - von der Ähnlichkeit von Holen zu Jon Snow bis hin zu den politischen Ränkespielen. Ab 00:08:07 reden wir spoilerfrei über die The Expanse.

Was denkt ihr über The Expanse als Sci-Fi-Serie? Stimmt ihr der Meinung zu? Oder haltet ihr die Serie für überbewertet?

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