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Noch nie 'nen echten Ghul gesehen?

Anime-Serien im Kino - Mein Abend mit Ghulen in Tokio

08.03.2018 - 10:00 UhrVor 4 Jahren aktualisiert
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Ken
© 2017 Tokyo Ghoul Production Committee, KAZÉ
Ken
Neues Jahr, neue Anime Nights! Wie bereits vor zwei Jahren entführt und der erste Teil der Kinoreihe gemeinsam mit seinem Protagonisten Ken ins von Ghulen bewohnte Tokio.

2016 starteten die ersten KAZÉ Anime Nights, in deren Verlauf diverse Anime-Filme, Episoden ausgewählter Anime-Serien sowie die eine oder andere Live-Action-Adaption eines Manga in unseren Lichtspielhäusern gezeigt wurden. Vor zwei Jahren markierten die ersten drei Episoden von Tokyo Ghoul √A den Auftakt zu den allerersten Anime Nights und auch 2018 eröffnet der in Berlin ansässige Publisher seine Kinoreihe mit den Ghulen in Tokio, diesmal jedoch nicht in Form eines Anime, sondern als Live-Action-Film.

Tokyo Ghoul basiert dabei auf dem gleichnamigen Manga von Mangaka Sui Ishida, dessen Werk es seit seinem Start im Jahre 2011 auf mehr als 23 Millionen verkaufte Exemplare bringt. Auf den Erfolg des Manga folgte nicht nur eine Anime-Adaption, welche diesen April bereits ihre dritte Staffel bekommen wird, die sich, im Gegensatz zum direkten Vorgänger, wieder näher an der Vorlage beziehungsweise deren Fortsetzung Tokyo Ghoul:re orientiert. Des Weiteren wurden OVAs (Original Video Animation), Light Novels, Videospiele sowie im letzten Jahr ebenfalls eine Real-Verfilmung veröffentlicht, um das Franchise noch weiter auszubauen.


Worum geht es in Tokyo Ghoul?

Ken
Ich bin kein Romanheld... ich bin ein Student, der gerne Bücher liest... Aber wenn man... ein Buch über mich schreiben würde... dann wäre es... eine Tragödie...


Im Mittelpunkt der Geschichte steht Literatur-Student Ken Kaneki, ein schüchterner junger Mann, den wir bei einem Treffen mit seinem besten Freund Hide in einem Café kennen lernen. Letzterer ist es auch, der seinen Kumpel dazu bewegt, endlich seine Angebetete um ein Date zu bitten und tatsächlich soll unser Protagonist damit Erfolg haben. Eines schicksalhaften Abends bringt Ken seine Verabredung Liz nach Hause, doch bei ihrer Wohnung sollen sie niemals ankommen, denn die junge Frau stellt sich als Ghula heraus, die unseren Helden bei lebendigem Leibe auffressen will. Ihre Tat vollenden kann sie jedoch nicht, denn Ken kann sich mit letzter Kraft zu einer Baustelle retten, von welcher ein Stahlträger auf ihn sowie Liz hinabstürzt und die Ghula unter sich begräbt. Im Rahmen einer Notoperation werden Ken einige von Liz' Organen transplantiert, um sein Leben zu retten, doch dies soll ihn für immer verändern. Einige Zeit nach der OP beginnt unser Hauptcharakter Veränderungen wahrzunehmen, so kann er beispielsweise keine normale Nahrung mehr zu sich nehmen und verspürt einen immer stärker werdenden Appetit auf menschliches Fleisch. Durch die Organtransplantation wurde Ken zu einem Wesen, welches weder Mensch noch Ghul ist und fortan muss er lernen, in beiden Welten zu leben. Im Laufe der Geschichte findet unser junger Protagonist nicht nur neue Verbündete, beispielsweise einige Ghule aus dem Café Antik, in welchem Ken ebenfalls eine Anstellung findet, er trifft ebenfalls auf Fahnder des CCG (Commission of Counter Ghoul), einer Regierungsabteilung, deren Ziel es ist, die Ghule aus Tokio zu vertreiben.

Mit Tokyo Ghoul kam ich erstmals mit der ersten Staffel des Anime in Kontakt, die mich aufgrund eines nachvollziehbaren Konflikts ihrer Hauptfigur, einiger sympathischer Charaktere sowie schöner Animationen und eines, meiner Meinung nach, sehr gelungenen Soundtracks von sich überzeugen konnte. In den Manga habe ich zwar ebenfalls den einen oder anderen Blick geworfen, allerdings sammle ich die Serie derzeit nicht, weshalb ich wohl auch nicht unbedingt auf dem aktuellsten Stand der Ereignisse bin. Vom Vorhaben, Tokyo Ghoul als Live-Action-Film umzusetzen, habe ich indes durchaus etwas mitbekommen und aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen mit Projekten dieser Art, beispielsweise Attack on Titan oder Dragon Ball Evolution, begleiteten mich eine gehörige Portion Skepsis sowie eine, nun ja, sagen wir, gedämpfte Erwartungshaltung, am 27. Februar in den Kinosaal des CineStar Bremen. Der relativ kleine Saal war recht gut besucht und die Stimmung im Kino war wie immer hervorragend; nach einigen kurzen Trailern, unter anderem zur Project Itoh-Trilogie, startete dann auch endlich der Film, welcher, soviel sei bereits jetzt verraten, wirklich nicht schlecht war :)


Mein Abend mit Tokyo Ghoul

Tokyo Ghoul - Kinoplakat
Ich will nicht mehr schwach sein.


Die Geschichte des Films orientiert sich stark an der Vorlage, weshalb ich hier auch nicht zu sehr auf die Story eingehen möchte, deshalb nur die Kurzfassung: Auch in dieser Version lernen wir Ken kennen, der sich von seinem Freund Hide dazu drängen lässt, seine Angebetete Liz endlich um ein Date zu bitten. Eine ihrer Verabredungen verläuft jedoch alles andere als geplant, denn Kens Herzdame entpuppt sich als äußerst hungrige Ghula, die ihr Opfer in spe vor seinem unausweichlichen Ende noch in absolute Panik versetzen möchte. Ihr kleines Spielchen soll allerdings ein unerwartetes Ende finden, denn durch einen Unfall kommt Liz ums Leben und Ken wird lebensgefährlich verletzt; die einzige Möglichkeit, um unseren jungen Helden zu retten, ist eine Organtransplantation, welche Kens Physiologie nachhaltig verändern soll: Er entwickelt sich zu einem Halb-Ghul. Fortan muss Ken lernen, mit seinen neuen Fähigkeiten umzugehen sowie seinen immer größer werdenden Hunger auf Menschenfleisch zu kontrollieren, wenn er nicht früher als später zum Mörder werden will. Auf seiner Reise gerät unser Protagonist ebenfalls mit sogenannten Tauben, den Fahndern des CCG, aneinander, und er muss sich fragen, ob er wirklich dazu bereit ist, seinen letzten Rest Menschlichkeit zu opfern.

Tokyo Ghoul-Fans werden es sicherlich wissen oder es spätestens jetzt bemerkt haben: Die Geschichte des Films bewegt sich sehr nahe an der Manga-Vorlage und wählte somit einen guten Rahmen für seine Story. Das Kino-Abenteuer adaptiert die erste Arc der Serie, was ungefähr den ersten drei Bänden des Manga entspricht; somit endet der Film kurz vor dem Auftritt des Ghuls Jason, welchem eine entscheidende Rolle bei Kens charakterlichen Entwicklung zukommt. Aufgrund zeitlicher Limitierungen fielen zwar einige Erzählstränge der Schere zum Opfer und auch einige Nebencharaktere kommen etwas zu kurz oder tauchen gar nicht erst im Film auf, doch die Story fühlt sich insgesamt sehr rund an. Während sich Fans der Vorlage über einige ziemlich akkurat umgesetzte Charakter-Interaktionen sowie teilweise 1:1 adaptierte Dialoge erfreuen, dürfen sich Zuschauer ohne großartiges Vorwissen auf einen Ausflug in eine faszinierende Schattenwelt freuen, welche von teils Angst einflößenden, andererseits jedoch auch wieder überraschend menschlichen Charakteren bevölkert wird. Wie bereits im Manga oder Anime dient Ken uns Zuschauern als Fixpunkt und gemeinsam mit ihm lernen wir die Welt der Ghule kennen. Sein innerer Konflikt ist es auch, welcher, zumindest auf mich, nach wie vor die größte Faszination ausübt und mich gespannt an den Sessel fesselte. Kens Wandlung und insbesondere seine Verzweiflung im Angesicht seiner geradezu monströsen Veränderungen sind stets nachvollziehbar und machen ihn als Charakter greifbar. Verstärkt wird dies noch durch die wirklich sehr gute schauspielerische Leistung Masataka Kubotas, welcher den Hauptcharakter im Film verkörpert und Kens Emotionen glaubhaft vermittelt, auch wenn er manchmal etwas übers Ziel hinausschießt; doch dazu später ein paar Worte mehr. Generell wurden die Schauspieler, meiner Meinung nach, alle sehr gut gecastet und passen zu den von ihnen dargestellten Figuren. Besonders gut gefielen mir neben Kubota noch Fumika Shimizu (Toka), Bandō Minosuke II (Uta) und Yo Oizumi (Mado). Shimizu gelingt es, ihre Figur sehr nuanciert zu spielen und ihr in den richtigen Momenten eine gewisse Tragik zu verleihen, speziell im Hinblick auf ihre Beziehung zur ihrer Schulkameradin Yoriko, der sie eine gute Freundin sein möchte. Minosuke spielt Uta, den Inhaber des Ladens, in welchem Ken seine Ghul-Maske erhalten wird, zwar eher ruhig, dafür jedoch gleichzeitig ebenfalls sehr intensiv. Kens erster Besuch in Utas Geschäft zählt für mich zu den klaren Highlights des Films und Uta ist hierbei ein entscheidender Faktor, sieht er doch ebenso creepy aus wie sein Manga-Counterpart. Mit Oizumi befindet sich ein weiterer Darsteller im Cast, welcher seinen Charakter, dem CCG-Fahnder Mado, überaus glaubhaft Leben einhaucht und dabei mindestens ebenso erbarmungslos sowie eiskalt agiert wie die Figur im Manga und Anime. Er vereinnahmt nahezu jede Szene, in welcher er auftritt und zählt für mich Dank seiner starken Performance zu den größten Pluspunkten von Tokyo Ghoul. Ob die Intensität der schauspielerischen Leistungen so auch auf die deutschen Sprecher zutrifft, kann ich übrigens nicht beurteilen, da ich den Film im japanischen Original mit deutschen Untertiteln gesehen habe.

Mado
Warum kämpft ihr so um euer Leben?


Weitere Pluspunkte sammelt die Manga-Adaption beim Design einiger Sets, seiner düsteren und blutigen Inszenierung sowie dem sehr gelungenen Soundtrack. Die Schauplätze wurden oft mit viel Liebe zum Detail gestaltet, sodass man im Ghul-Café Antik beispielsweise beinahe den Kaffee riechen könnte oder sich selbst dort an einen Tisch setzen möchte, um das muntere Treiben um sich herum zu beobachten. Gerade der oben bereits erwähnte Masken-Laden von Uta blieb mir hierbei sehr gut im Gedächtnis und zog mich mit seiner Atmosphäre schnell in seinen Bann. Die Inszenierung der Kämpfe ist weitestgehend gut gelungen, wobei man natürlich keine ähnlichen Choreographien wie in einigen westlichen Comic-Adaptionen erwarten darf; man merkt gerade in diesem Punkt sowie beim CGI, dass nicht ähnlich viel Budget zur Verfügung stand wie beispielsweise bei Adaptionen von Spider-Man oder Superman. Doch die meiste Zeit über waren die Kämpfe gut gemacht und ich hatte durchaus meinen Spaß, die Kämpfen zwischen Ghulen und Tauben zu verfolgen - gerade nachdem Ken seine neuen Kräfte langsam zu kontrollieren begann. Musikalisch habe ich zudem quasi nichts zu beanstanden, denn den Soundtrack aus der Feder von Don Davis, welcher in der Vergangenheit unter anderem an Matrix beteiligt war, fand ich wirklich super; jede Szene wurde absolut passend untermalt unterstützte somit gekonnt die jeweilige Stimmung der Charaktere. Vermisst habe ich im Film selbst indes den Song Banka  von Illion, den man beispielsweise auch im Trailer hören kann und der mir außerordentlich gut gefällt; dafür kann man sich zu den Klängen dieses Liedes während der Credits noch einmal entspannt zurücklehnen :)

Bis hierhin klingt es alles schon einmal sehr positiv, doch gänzlich ohne Tadel komme ich bei Tokyo Ghoul dann doch nicht aus, denn einige Bereiche des Films ziehen das Werk dezent runter. Von einigen bereits nebenbei erwähnten Kritikpunkten (ausgelassene Handlungsstränge und Charaktere, "nur" brauchbare(s) Action und CGI) ist eine weitere Schwäche des Films das Auslassen einiger innerer Dialoge des Protagonisten. Versteht mich bitte nicht falsch, wie schon erwähnt, macht Kubota als Ken sehr gute Arbeit, doch im Manga und Anime bekommen wir einen besseren Einblick in das Innenleben des Charakters, wodurch wir seinen Konflikt noch besser nachvollziehen können und uns ihm noch stärker verbunden fühlen; der Film hingegen kratzt im direkten Vergleich eher an der Oberfläche und lässt somit Potenzial ungenutzt. Diese Problematik lässt sich so auch auf andere Figuren übertragen, die ebenfalls mehr Zeit benötigt hätten, um ihre Emotionen tiefer gehend ergründen zu können. Darüber hinaus wirkte die Inszenierung einiger Momente des Films doch ziemlich befremdlich, ja, beinahe unfreiwillig komisch, da einige Aktionen doch eine Spur zu drüber waren. Ken leckt beispielsweise seinen potenziellen Opfern übers Gesicht, was seinen inneren Ghul stärker hervorheben soll, da er sowas jedoch nie im Manga oder Anime tat, wirkte es auf mich ziemlich unpassend, zumal diese Einstellungen auch einen Tick zu lang geraten sind. Weitere Probleme gibt es hinsichtlich des Schnitts und Pacings. Ersterer hat Schwierigkeiten beim Timing, weshalb einige Szenen zu lang oder zu kurz geraten sind und durch teils ziemlich abrupte Schnitte entwickelt der Film an manchen Stellen einen sehr eigenwilligen Flow. Dies wirkt sich natürlich direkt auf das Pacing, also das Erzähl-Tempo des Films, aus, denn in manchen Momenten verweilt die Geschichte zu lange, in anderen hingegen nicht lange genug. Wie seine Vorlage ist der Film außerdem ziemlich blutig und hat sich somit sein FSK 16-Siegel redlich verdient, doch obwohl hier der rote Lebenssaft in nicht gerade unerheblichen Mengen fließt, wirkt es oftmals weder dramatisch noch irgendwie mitreißend; im direkten Vergleich zum Manga oder auch dem Anime kommt die Kino-Adaption deutlich zahmer, da in einigen Momenten weniger explizit, daher. Dies führt leider dazu, dass die Kämpfe einiges von ihrer Intensität einbüßen und zumindest mich leider nicht ähnlich mitfiebern ließen wie noch bei der Erst-Sichtung der TV-Serie.

https://www.youtube.com/watch?v=zVgLTZaoTvs

Tokyo Ghoul richtet sich insbesondere an Fans der Serie, die sich über die große Nähe zum Original sowie den recht hohen Detailgrad bezüglich der Umsetzung einiger Szenen auf eine sehr gelungene Manga-Adaption freuen können, die für mich bisher sogar zu den besten Live-Action-Verfilmungen dieser Art zählt. Doch auch wenn man bisher noch nicht in Kontakt mit dem Franchise gekommen sein sollte, kann man, Dank starker Performances, der düsteren Atmosphäre sowie dieser faszinierenden Welt, eine gute Zeit mit dem Film haben. Diesen Monat gehen die Anime Nights 2018 dann auch schon in ihre zweite Runde, denn am 27. März darf der kleine Detektiv Conan wieder einen kniffligen Fall lösen :)

Habt ihr ebenfalls Tokyo Ghoul gesehen und falls ja, wie fandet ihr den Film?

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