Alles Geld der Welt - Die wahre Geschichte hinter der Getty-Entführung

Alles Geld der Welt beruht auf wahren Begebenheiten
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Alles Geld der Welt beruht auf wahren Begebenheiten
16.02.2018 - 10:10 UhrVor 3 Jahren aktualisiert
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Zum gestrigen Kinostart des Entführungsdramas Alles Geld der Welt schauen wir uns die wahren Begebenheiten an, auf denen der Film von Ridley Scott basiert.

Die Entführung von John Paul Getty III. und die verzweifelte Auseinandersetzung seiner Mutter mit Johns Großvater J. Paul Getty stehen im Zentrum des Kriminaldramas Alles Geld der Welt, das gestern, am 15.02.2018, in den deutschen Kinos startete. Das starbesetzte Drama mit Christopher Plummer, Michelle Williams und Mark Wahlberg beruht auf wahren Begebenheiten, genauer auf deren Darlegung in John Pearsons biographischem Buch Painfully Rich: The Outrageous Fortunes and Misfortunes of the Heirs of J. Paul Getty, das 1995 erschien. Ridley Scott übernahm die Regie bei Alles Geld der Welt. Letztendlich reichte es sogar für eine Oscarnominierung für Nebendarsteller Christopher Plummer. Doch was steckt eigentlich hinter dem Entführungsdrama, und wie ist die Entführung damals tatsächlich abgelaufen? Wir erklären es euch.

Wer war J. Paul Getty?

J. Paul Getty lebte von 1892 bis 1976 und war ein US-amerikanischer Öl-Magnat. Noch vor seinem Abschluss in Ökonomie und Politikwissenschaften an der Universität von Oxford verdiente Getty 1910 seine erste Million, damals mit Ölgeschäften in Tulsa, Oklahoma. 1957 wurde er vom Fortune Magazine zum reichsten Amerikaner ernannt. Während seiner Geschäftskarriere kaufte er mehrere Ölfirmen, die er 1967 in die Getty Oil Company verschmolz. Getty lernte sogar extra Arabisch, um sich auch im Mittleren Osten ein Imperium aufzubauen. Nebenbei war J. Paul Getty ein leidenschaftlicher Sammler von Kunst und Antiquitäten. Die meiste Zeit seines Lebens verbrachte er in Großbritannien. (via New York Times )

J. Paul Getty und Christopher Plummer als Getty in Alles Geld der Welt

In seinem Leben war J. Paul Getty ganze fünf Mal verheiratet. Seine vierte Heirat mit der Stummfilmschauspielerin Ann Rork brachte zwei Söhne hervor, Gordon Peter Getty und John Paul Getty Jr. Letzterer war wiederum mit der ehemaligen Wasserballsportlerin Abigail Harris verheiratet. 1973 wurde John Paul Getty III., der Sohn der beiden, in Italien entführt, woraufhin J. Paul Getty das Lösegeld zahlen sollte.

Wie ist die Entführung von John Paul Getty III. abgelaufen?

John Paul Getty III. hatte vor besagtem Ereignis im Jahr 1973 schon einige Zeit in Italien verbracht und seinen Bekanntheitsgrad vor allem durch seinen berühmten Nachnamen vergrößert. Dabei lebte er laut Vanity Fair  einen sehr unkonventionellen Lebensstil, der seinem Großvater keineswegs gefiel. Der Öl-Tycoon hatte zuvor schon mit dessen Vater gebrochen, der sich nach der Scheidung von seiner Frau Gail auf seine eigenen Geschäfte konzentrierte und immer wieder in die Drogensucht abrutschte.

Als John Paul Getty III. am 10.07.1973 im Alter von 16 Jahren spurlos verschwand und kurz darauf eine Lösegeldforderung über 17 Millionen Dollar auftauchte, war sich J. Paul Getty deshalb zunächst sicher, dass sein Enkel die Entführung nur vortäuschen würde. Freunde berichteten, dass Getty III. stets mit Geldproblemen zu kämpfen und davon gesprochen hatte, sein eigenes Kidnapping vorzutäuschen, um so Geld von seinem Großvater zu erschummeln. Die Polizei fand aber schließlich heraus, dass es sich bei der Entführung keineswegs um einen Scherz handelte, vor allem, als in einem Telefonanruf der Kidnapper die Rede davon war, Getty III. einen Finger abzuschneiden. (via Time )

Charlie Plummer als John Paul Getty III. in Alles Geld der Welt

John Paul Getty Jr. bat seinen Vater letztendlich um das Lösegeld, wurde von ihm aber zunächst gnadenlos zurückgewiesen. Getty begründete seine Handlungsweise später mit dem Satz: "Ich habe 14 Enkel, und wenn ich auch nur einen Penny Lösegeld für einen ausgeben würde, hätte ich 14 entführte Enkel" (via Vanity Fair ). Durch die Geschichte wird außerdem klar, dass Getty mit seinem Vermögen äußerst vorsichtig umgegangen ist und ständig nach steuerlich absetzbaren Möglichkeiten und Schlupflöchern Ausschau gehalten hat. So hat der Milliardär sogar eine Telefonzelle in seinem Anwesen installiert , um von Gästen Geld für Anrufe zu verlangen.

Nachdem die Entführer nach einer gewissen Zeit immer noch kein Lösegeld erhalten hatten, schickten sie einen Umschlag an eine Tageszeitung, in dem sich eine rote Locke und ein abgeschnittenes Ohr befanden. Ihre Forderungen umfassten nun nur noch 3,2 Millionen Dollar. Auf einer Notiz stand geschrieben: "Das ist Pauls erstes Ohr. Wenn die Familie immer noch glaubt, dass das ein Witz von ihm ist, wird das andere Ohr sie auch erreichen. In anderen Worten, er wird in kleinen Stücken geliefert" (via Time ). Gettys Mutter Gail Harris, die in Alles Geld der Welt von Michelle Williams gespielt wird, verhandelte schließlich einen Preis von 2,8 Millionen Dollar für das Leben ihres Sohnes.

Wie ging die Entführung von John Paul Getty III. aus?

J. Paul Getty willigte schließlich ein, 2,2 Millionen Dollar beizusteuern, da dies die maximale Summe war, die er von der Steuer absetzen konnte. Seinem Sohn lieh er das restliche Lösegeld mit einem Zinssatz von 4 %. Im Gegensatz zum Film wurde nur der ehemalige CIA-Agent Fletcher Chase (im Film dargestellt von Mark Wahlberg) nach Italien geschickt. Getty III. wurde schließlich lebend in Lauria, einer Provinz von Potenza, aufgegriffen, kurz nachdem die Summe bezahlt wurde. Neun Verantwortliche für die Entführung wurden später verhaftet, das Geld ist allerdings nicht mehr aufgetaucht. Wie das Time Magazine  zudem berichtete, wollte sich John Paul Getty III. anschließend bei seinem Großvater bedanken, Getty wollte aber nicht ans Telefon kommen.

John Paul Getty III. litt noch Jahre später unter seiner Zeit in Gefangenschaft und hatte mit Alkohol- und Drogenmissbrauch zu kämpfen. 1981 führte eine Mischung aus Alkohol, Valium und Methadon zu einem Schlaganfall, woraufhin Getty III. teilweise blind und halbseitig gelähmt war. Außerdem konnte er nicht mehr sprechen. Im Alter von 54 Jahren starb er 2011 und überlebte seine Mutter und seinen Sohn, Schauspieler Balthazar Getty. Sein Großvater J. Paul Getty starb nicht wie im Film noch am selben Tag, als sein Enkel befreit wurde, sondern erst drei Jahre später alleine in seinem Anwesen in der Nähe Londons.

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