Absurdes Sci-Fi-Inferno neu im Kino: Ihr habt nicht den blassesten Schimmer, was in Moonfall passiert

Jetzt bin ich DÜMMER | Moonfall Review
8:49
MoonfallAbspielen
© Leonine
Moonfall
11.02.2022 - 08:30 UhrVor 5 Monaten aktualisiert
7
0
Der Science-Fiction-Bombast Moonfall startet endlich in den Kinos. Aber ist der Film gut? Ihr solltet euch auf einige Überraschungen einstellen. Ja, das ist eine Warnung.

Der Regisseur von Independence Day, The Day After Tomorrow und 2012 bringt dieses Wochenende seinen neuen Sci-Fi-Katastrophen-Film in die deutschen Kinos: Moonfall wirkt wie ein Best-of des krawalligen Schaffens von Roland Emmerich. Der Mond stürzt auf die Erde, ein Trio aus einem Verschwörungstheoretiker (John Bradley) und zwei Astronaut:innen (Halle Berry, Patrick Wilson) versucht nachvollziehbarerweise, das zu verhindern. Wir bleiben in diesem Artikel spoilerfrei.

Schaut den deutschen Trailer zu Moonfall

Moonfall - Trailer 2 (Deutsch) HD
Abspielen

Sci-Fi-Kracher ab heute im Kino: Moonfall weckt falsche Erwartungen

Seit dem ersten Teaser haben wir hier bei Moviepilot versucht, uns das Wesen dieses Films zu erschließen. Die drei großen Trailer zeigten alles und gleichzeitig nichts.

Wir verraten, was für ein Film Moonfall wirklich ist. Ich habe ihn bereits gesehen und kann euch versprechen: Egal, was ihr von Moonfall erwartet, ihr seid nicht auf das vorbereitet, was in den knapp zwei Stunden Sci-Fi-Inferno abgeht. Denn um den Mond auf die Erde fallen zu lassen, müssen ziemlich viele Hebel in Bewegung gesetzt werden.

3 falsche Erwartungen, die die Trailer an Moonfall wecken

  • 1. Moonfall ist ein typisches, reines Roland-Emmerich-Weltzerstörungsmassaker im Stil von 2012 (leider nicht)
  • 2. In Moonfall haben Aliens den Mond zu einer Waffe instrumentalisiert (nicht ganz)
  • 3. In Moonfall ist die Handlung egal (sowas von falsch!)

Punkt 1 und 2 passen überhaupt nicht zusammen und das ist Teil des, ich nenne es mal "allgemeinen Überraschungseffektes von Moonfall".

So ist Moonfall wirklich: Ein dummes und zugleich überraschend ambitioniertes Sci-Fi-Spektakel

1. Moonfall ist kein Nachfolger von 2012 und The Day After Tomorrow

Oder höchstens teilweise. Wenn der Mond sich der Erde nähert, geht das natürlich nicht spurlos an unserem Heimatplanet vorbei. Gravitation und alles. Eifelturm-hohe Wellen bauen sich auf, Erdfragmente steigen in den Himmel, Städte zerbersten. Aber das sind hier eher Nebenschauplätze. Genau wie die obligatorische, in teuren Markenautos flüchtende, dysfunktionale Familie. Emmerich behandelt seine Lieblingselemente ungewohnt stiefmütterlich.

Moonfalll - Trailer (Deutsch) HD
Abspielen

Daran ist das Testpublikum schuld, wie Emmerich Collider  verriet. "Wir haben erfahren, dass die Leute viel mehr an dem Mond interessiert sind. Also kriegen sie mehr Mond und weniger Erde." Das führt uns zum Scene-Stealer des Films: Dem Mond.

2. Der Mond in Moonfall ist noch viel komplexer, als ihr dachtet

Die Trailer zeigen einen düsteren Schwarm, der offenbar irgendwas mit dem wildgewordenen Mond zu tun hat. Außerdem fliegen unsere Protagonisten schon im Trailer in den Mond hinein. Der Innenraum sieht aus wie eine Mischung aus Großraumdisko und Messehalle. Also haben Aliens den Mond instrumentalisiert, um mit ihm die Erde zu, äh, bewerfen. Oder? ODER?

Nein, nicht ganz. Der Twist von Moonfall, den wir hier nicht verraten, enthüllt eine Mond-Originsstory von biblisch-kosmischem Ausmaß. Stellt euch Moonfall als das Prometheus - Dunkle Zeichen von Independence Day vor.

3. Die Prämisse von Moonfall ist extrem ambitioniert (und das ist keine gute Nachricht)

Das bedeutet nicht, dass Moonfall besonders gut ist. Nicht wirklich. Die Kritiken haben schon recht: Moonfall ist dumm. Aber diese Bewertungskategorie ist ein unzureichender Versuch, der Dreistigkeit des Films irgendwie Herr zu werden.

Moonfall - Teaser Trailer (Deutsch) HD
Abspielen

Moonfall schert sich nicht um logische Herleitungen und plausible Prozesse. Wenn zwei Astronaut:innen und ein Verschwörungstheoretiker die Welt retten müssen, indem sie inmitten einer laufenden Apokalypse mit einem ausgemusterten Space-Shuttle zum Mond fliegen, dann tun die das halt.

Gleichzeitig – und das ist der innere Wesenskampf von Moonfall – glaubt der Film, dass er seinem Publikum eine hyperkomplexe Erklärung dafür liefern muss, warum der Mond auf die Erde stürzt. Das ist natürlich keineswegs nicht notwendig, aber Moonfall tut es trotzdem und fuchtelt eine bizarre Mythologie herbei. Die ist auch durchaus spannend, wirkt in der grundsimplen Umwelt eines Roland Emmerich-Katastrophenfilms aber viel zu sperrig. Als würde man die Mona Lisa in einer Burger King-Filiale aufhängen.

Alles in allem ist Moonfall ein erstaunlicher Film, der besser hätte werden können, wenn er sich für irgendwas entschieden hätte: Sci-Fi-Oper oder Katastrophen-Melodrama. Denn der Regisseur ist nicht in der Lage, seine Ideen in Einklang zu bringen.

Ja, Moonfall ist ein Best-of von Roland Emmerichs größten Blockbustern. Aber Best-of-Alben sind eben nie die besten Alben eines Künstlers.

Moonfall im Podcast: Unterhaltsam oder Enttäuschung?

In der neuen Ausgabe von Leinwandliebe hat Moderator Sebastian die Redakteur*innen Annemarie und Pascal zu Gast. Sie diskutieren darüber, wie viel Spaß das im Falle von Roland Emmerichs neuem Film macht, dass der Mond auf die Erde kracht.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle findest du einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt. Du kannst ihn dir mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.

Externe Inhalte zulassenMehr dazu in unserer Datenschutzerklärung

Leinwandliebe https://open.spotify.com/show/7iD6PTozMfdxm4W5K8AQfw ist der wöchentliche Kino- und Film-Podcast unserer Kollegen und Kolleginnen von FILMSTARTS.

*Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.

Werdet ihr euch Moonfall anschauen?

Das könnte dich auch interessieren

Angebote zum Thema

Kommentare

Aktuelle News