Tatort

Absturz auf ganzer Linie

15.03.2010 - 07:00 Uhr
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Matthias Brandts Figur verliert seinen Sohn
© ARD
Matthias Brandts Figur verliert seinen Sohn
Der Leipziger Tatort präsentierte sich mit einer ungekonnten Mischung aus Drama und Krimi, die durchzogen war von falschen Entscheidungen, fahlen Bildern und schlechtem Schauspiel.

Der Tatort: Absturz mit Simone Thomalla und Martin Wuttke enttäuschte durch eine ziellose Dramaturgie vor dem Hintergrund einer Tragödie, die mit oft eintönigen Bildern nicht wirklich bewegte. Obwohl Regie und Kamera gute Ideen hatten, schmeckten diese in der Umsetzung sehr fad und unelegant. Aufgrund schlechter Lichtsetzung fehlte es den Bildern an der nötigen Atmosphäre, die immer wieder von Schnitt und Musik dazugedichtet werden musste. Der Film strotzte zudem vor unnötigen und platten Dialogen.

Foto-Show: die Bilder zum Tatort – Absturz

Schwere Entscheidung

Die eigentlich sehr interessante und mitreissende Geschichte eines alleinerziehenden Vaters, der seinen Sohn verliert, wurde vermischt mit einer langweiligen Krimigeschichte, die den Zuschauer nicht wirklich beeindrucken konnte. Durch die Mischung kamen beide Geschichten zu kurz. Das Drama wurde in klischeegeladenen Szenen abgearbeitet und der Fall durch Inkompetenz der Kommissare unnötig in die Länge gezogen. Dass der verstörte Vater einen Lageplan für die Entführung des Jungen ausdruckte, den selbst ein Erstklässler verstanden hätte, war schon schlimm genug, doch dass die Kommissarin diesen nicht verstanden, setzte der lächerlichen Handlung die Krone auf. Allgemein schien das logische Denken der Figuren doch fragwürdig. Man verzieh es Matthias Brandt s Figur ja noch aufgrund seiner emotionalen Lage, doch Kommissar Keppler war mehr zuzutrauen. Die Idee, dass Kommisarin Saalfeld emotional korrumpiert worden sei durch ihre Beziehung zum verstorben Jungen bot eine schöne Idee, die aber wieder durch übertriebene Höhen und schlecht gespielte Aussbrüche enttäuschte.

Schlechte Figuren mit Lichtblicken

Die schauspielerische Leistung enttäuschte ebenso, hatte aber in Form einiger Gastrollen doch Lichtblicke. Allen voran Jan Henrik Stahlberg, der als unfreiwilliger Mörder eines Jungen durch kleines, aber berührendes Spiel beeindruckte. Matthias Brandt s Darstellung blieb hingegen wellenhaft, schade für jüngsten Sohn des SPD-Politikers Willy Brandt. Die Charakterentwicklung der Figur war schlecht gezeichnet: Der Zuschauer konnte weder die emotionale Lage ganz nachvollziehen, noch verstand er dessen Motive. Heraus stach seine Tanzszene zur Musik seines Sohnes. Obwohl diese übertrieben reif war für einen kleinen Jungen, wirkte die Szene mutig und beklemmend. Antoine Monot Jr. bewies, wie man eine eher langweilige Figur durch gute Darstellung fazinierend machen kann. So auch seine Filmfrau Judith Engel. Ihr Spiel war erschreckend überzeugend. Simone Thomalla schien sich nicht in den Emotionen der Geschichte wiederzufinden und Martin Wuttke wirkte gut, aber unterfordert.

Wie fandet ihr denn den gestrigen Tatort: Absturz?

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