Tatort Kritik

Tatort - Puppenspieler regieren in Bremen

24.02.2013 - 21:45 UhrVor 8 Jahren aktualisiert
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Tatort - Puppenspieler
© ARD/Radio Bremen
Tatort - Puppenspieler
Der Tatort kommt aus den Verschwörungstheorien nicht heraus. Nachdem die Wiener an einem austrofaschistischen Bund verzweifelten, nehmen es die Bremer in Tatort – Puppenspieler mit einem Killer-Netzwerk der Mächtigen auf.

Die Feuilletonisten sollten schonmal ihre essayistischen Stifte spitzen. Nach dem Wiener Tatort von letzter Woche ergehen sich auch die Bremer Ermittler in Paranoia. In Tatort: Puppenspieler rufen die Mächtigen Killerkommandos zu Hilfe, um ihre Ausrutscher zu kaschieren. Als wäre das nicht schlimm genug, kriselt es zwischen Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen). Einzig Neuling Ulfanoff (Antoine Monot Jr.) bringt etwas Humor ins düstere Geschehen. Leider offenbart die thematische Nähe zu Tatort: Zwischen den Fronten, was alles nicht funktioniert an diesem als Thriller angelegten Krimi aus Bremen.

Lokalkolorit: Blauschimmriger Hochglanz dominiert das Geschehen in Tatort – Puppenspieler. Mit Hilfe von Split Screens springt der Krimi von Bremen nach Berlin und wieder zurück, um die Verzweigungen zwischen den Mächtigen und ihren Helfern offen zu legen. Darunter leiden die regionalen Nuancen des Krimis, aber andererseits war soviel Popmusik nur selten in einem Tatort zu hören. Pluspunkte gibt es für den Einsatz von The xx zur Untermalung nächtlicher Stadtansichten.

Plot: Das Bundesverwaltungsgericht aus Leipzig besucht Bremen, darunter auch Richter Bauser (Christoph M. Ohrt), der von einem jungen Pärchen mit einem Sexvideo erpresst wird. Bauser sucht Hilfe bei einer Geheimorganisation, die Killer-Teams durch Deutschland schickt, um wichtigen Menschen den Allerwertesten zu retten. Die Minderjährige Mel (Jella Haase) kommt geradeso mit dem Leben davon, ihr Freund wird erschossen. Bei Stedefreund findet sich Sicherheit und einen hartnäckigen Kommissar, der Bauser in die Mangel nimmt. Doch weder er noch Lürsen wissen, dass die herbeieilende BKA-Beamte Sigrid Strange (Katja Danowski aus Herr Lehmann) ganz tief drin steckt in der Affäre.

Unterhaltung: In einer gerechten Welt bestünde das Tatort-Duo aus Bremen aus Antoine Monot, Jr und Oliver Mommsen, ein ungleiches Paar, das sich zankt, aber lieb hat und am Ende jeder Folge eine Currywurst futtert (oder was auch immer in Bremen so gegessen wird). Als pfiffiger Grünteetrinker und Treppensteiger bringt Monot ein paar komödiantische Sonnenstrahlen in diesen todernsten Krimi, ohne zur Comic Relief-Karikatur degradiert zu werden. Das für einen Bremer Tatort rasante Tempo in der ersten Hälfte wird später leider zugunsten eines sich in Abwegigkeiten versteigenden Plots aufgegeben. Katja Danowski als dauernervöser Wolf im Schafspelz macht Spaß, die Art und Weise, wie der Tatort seine Figuren entsorgt, weniger. Dass Christoph M. Ohrt zudem mit einem platten Ekel als Charakter abgespeist wird, darf ein edel-38-starck -Fan nicht akzeptieren.

Tiefgang: Beim letzten Bremer Krimi wurde Stedefreund dazu verdammt, sich durch Schlamm watend lächerlich zu machen. Tatort – Puppenspieler wirkt wie eine filmische Entschuldigung für diese Peinlichkeit. Der Kommissar zweifelt nach der Beerdigung eines Freundes an seinem Lebensstil. Die junge Mel, die auch in höchster Gefahr das Leben leben will, wie es kommt, wird dem Midlife-Crisigen Ermittler als passender Kontrast zur Seite gestellt. Leider kickt sich der über weite Strecken durchaus überzeugende Bremer Tatort mit einem überhasteten Ende ins Aus, das auch noch auf die schrecklich betitelten Döner-Morde Verweis nehmen muss. Wurde die verschörungstheoretische Plot-Komponente im letzten Wiener Tatort durch den reellen Austrofaschismus geerdet (und glaubhaft), wirkt sie bei den Bremern insbesondere durch diesen dialogtechnischen Wurmfortsatz total überzogen.

Mord des Sonntags: Es war ein unglaublich dummer Erpressungsversuch, aber diese Hinrichtung durch den mitleidlosen Killer hat der junge Ole trotzdem nicht verdient.

Zitat des Sonntags: “Ich weiß auch nicht. Eigentlich gar nicht mein Typ.”

Ambitioniert und spannend fing der neue Tatort aus Bremen an. Leider konnte er die Qualität nicht halten oder seid ihr anderer Meinung?

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