Community
In Bristol tickt die Uhr noch anders

Zu Besuch bei den Machern von Wallace&Gromit

R
08.11.2011 - 08:50 Uhr
5
10
Bild zu Zu Besuch bei den Machern von Wallace&Gromit
© Sony Pictures Releasing
Bild zu Zu Besuch bei den Machern von Wallace&Gromit
Die Aaardman-Studios in Bristol sind so etwas wie Hollywood für gescheiterte Cheerleaderinnen: Ein Ort zum Träumen und Davonschweben. Hier werden in minütiöser Kleinstarbeit Filme erschaffen, die unsere Herzen bewegen. Zum Start von Arthur Weihnachtsmann und den Piraten waren wir dort und haben uns umgesehen.

Reggae-Musik ertönt in den Gängen und Kaffeeduft vermischt sich mit etwas, was wie der Duft von Erreichtem riecht. Wer als Animator bei den Aardman Studios arbeitet, hat es geschafft: Wie Pixar und Dreamworks gehören die renommierten Aardman Studios zu den Top-Animationsstudios der Welt – aber ohne mit den restlichen Animationsstudios vergleichbar zu sein. Denn wo Aardman draufsteht, ist etwas ganz Britisches drin. Peter Lord und David Sproxton, die beiden Gründer der Aardman Studios, führen das kreative Epizentrum mit lockerer Hand. Wer die beiden kennenlernt, merkt schnell, dass hier wahre Leidenschaft am Werk ist. Die Manager sind hier keine berechnenden Businessmen, vielmehr gleichen sie kleinen Jungs, deren Augen zu leuchten beginnen, wenn sie Animationsfilme sehen.

Als ich das Set im Juni besuchte, war Peter Lord leider nicht zur Stelle. In Annecy fand zur selben Zeit das größte europäische Festival für den Animationsfilm statt, wo Mr. Lord dringend mehr Animatoren rekrutieren musste. Denn sein neuer Film Die Piraten – Ein Haufen merkwürdiger Typen wird der größte Film sein, den Aardman je auf die große Leinwand hievte: Der erste 3D-Film des Studios basiert auf dem erfolgreichen Kinderbuch von Gideon Defoe, wird von Sony Pictures finanziert und die Hauptrolle spricht Britain’s Darling Hugh Grant.

Der Trailer zu Die Piraten – Ein Haufen merkwürdiger Typen

Fünf Jahre dauert es normalerweise bei Aardman, bis ein Film fertiggestellt ist: Das Drehbuch benötigt ganze zwei Jahre, das Storyboard, die Puppenherstellung und das Puppendesign weitere 1,5 Jahre und dann werden nochmal 1,5 Jahre lang gedreht. Drei Monate hält schliesslich die Postproduktion an. Im Stadium der Dreharbeiten durfte ich das Set besuchen, das eindrucksvoller nicht hätte sein können: Auf 40 verschiedenen Bühnen arbeiten gleichzeitig Unmengen von Kameramännern und Regisseuren, indem sie jede einzelne Millisekunder der Knetmassenmännchen einzeln und aus verschiedenen Perspektiven mit 3D-Kamera abfotografieren. Eine mühsame Arbeit: Oft sind am Ende eines erschöpfenden Tages nicht mehr als eine Sekunde zum Film hinzugekommen. Durchschnittlich entstehen, so der Pressesprecher der Studios, ein paar Sekunden Film pro Woche. 320 Menschen arbeiteten so sieben Tage in der Woche über anderthalb Jahre an Die Piraten – Ein Haufen merkwürdiger Typen.

Eindrucksvoll auch die Puppendesigner, deren tägliche Arbeit viel Geduld und Detailverliebtheit einfordert: Alleine 3500 Münder mussten für Die Piraten – Ein Haufen merkwürdiger Typen hergestellt werden, davon 250 unterschiedliche Münder für die Figur des Captains, die Hugh Grant spricht. Dabei legt Aardman höchste Priorität auf die Arbeitsbedingungen und das Wohlgefühl am Set: Das Piratenschiff, das alleine 350 Kilo wiegt und auf dem ein paar der wichtigsten Szenen stattfinden, wurde mannshoch nachgebaut, damit die Regisseure sich besser ins Set hineinversetzen können. Rund 14000 Sandwiches und 60000 Teebeutel seien während der Dreharbeiten draufgegangen, schmunzelt der Sprecher…

Auch interessant war der Besuch eines weiteren Sets am Nachmittag. Zum ersten Mal in der Geschichte der Studios arbeitet Aardman nämlich momentan an zwei Spielfilmen gleichzeitig. Arthur Weihnachtsmann nennt sich das zweite Projekt der Macher, welches ebenso herzerwärmend-schluffig mit einem guten Schuss britischem Humor daherkommt. Den tollpatschigsten Weihnachtsmann der Geschichte mit dem coolsten Schlitten aller Zeiten könnt ihr sogar schon demnächst im Kino sehen: Er startet am 17. November. Für die Piraten müsst ihr euch leider noch ein wenig gedulden, hier dauert es noch bis Ende März.

Der Trailer zu Arthur Weihnachtsmann

Was meint ihr: Werdet ihr euch die beiden Filme im Kino ansehen?

Das könnte dich auch interessieren

Angebote zum Thema

Kommentare

Aktuelle News