TV-Kritik

ZDF-Komödie lässt Ulrich Noethen im Regen stehen

Ulrich Noethen (links) und Max von Thun
© ZDF / Oliver Feist
Ulrich Noethen (links) und Max von Thun

Wann ist der beste Moment über sein Leben nachzudenken? Natürlich wenn wir schon alles verbockt haben, was wir nur verbocken konnten und nun alleine im Regen stehen. So wie Oskar Moedebeck (Ulrich Noethen), der gestern Abend in der ersten Szene der ZDF-Komödie Trau’ niemals deinem Chef barfuß und völlig durchnässt im Pyjama vor seinem Haus stand und den ganzen Schlamassel Revue passieren ließ, der ihn in diese Situation gebracht hatte. Er wusste zu dem Zeitpunkt schon, was in den kommenden 88 Minuten Schlimmes folgen würde. Hätten wir ahnungslose Zuschauer das in dem Moment auch gewusst, hätten wir den Montagabend sicher anderweitig verbracht.

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Dabei hatte unser lieber Protagonist doch alles ganz anders geplant. 52. Geburtstag, Dienstjubiläum und Beförderung auf einen Schlag, es sollte der perfekte Tag werden für den Vertriebsleiter Oskar Moedebeck. Doch statt Chefsessel und Lachshäppchen sollte der überkorrekte Bürohengst an seinem Ehrentag einen neuen Boss vor die Nase gesetzt bekommen: den dynamischen Jungspund Raphael Bluhm (Max von Thun), der fortan die Firma komplett umkrempelte. Für den erfahrenen Oskar Moedebeck ein Schlag ins Gesicht und Grund genug, seinem Unmut wie ein trotziges, kleines Kind Luft zu machen.

Unnötiger Film mit einigen dämlichen Charakteren

Trau’ niemals deinem Chef wirkte von Anfang an so, als wollten Verena Mahlow (Buch) und Marcus Ulbricht (Regie) ihrem Publikum zum Abschluss des Sommers nochmal eine ganz besonders locker-flockige Komödie präsentieren. Eine, die sich ganz besonders wenig ernst nimmt, ganz besonders ausgelassen daherkommt und dabei am besten im Vorbeigehen noch ein ernstes Thema wie den Kapitalismus auf die Schippe nimmt. Herausgekommen ist ein unnötiger Film mit einigen dämlichen Charakteren, einer wirklich langweiligen Story und einem Ende, bei dem es sich Verena Mahlow ganz besonders einfach gemacht hat.

Alleine die Figur des Oskar Moedebeck wäre schon Grund genug gewesen, nach wenigen Minuten in ein anderes Programm umzuschalten. Ulrich Noethen legte als penibler Spießer und Kontrollfreak zwar jede Menge Spielfreude an den Tag, doch sein Charakter war einfach derart überzeichnet, dass er vor lauter Grimassen und Rumhampelei leider zu häufig zur albernen Karikatur verkam. Ähnlich wie Michaela May als materielle Ehefrau, die so beschäftigt damit war, das knapper werdende Geld der Familie mit beiden Händen zum Fenster hinaus zu werfen, dass sie ihrem Mann gar nicht die Chance gab, sein Dilemma zu beichten. Ein ziemlich unsympathisches Duo, das erst einige liebenswerte Züge zeigte, als der Film schon so gut wie vorbei war.

Max von Thun blieb als junger Chef etwas blass, gehörte aber zusammen mit Oskars Tochter Jasmin Schwiers noch zu den wenigen Sympathieträgern des Films. Aber auch diese beiden konnten nichts ausrichten gegen die an den Haaren herbeigezogenen Wendungen in der Story oder das wirklich einfallslose Ende, das zudem auch ziemlich plötzlich daher kam. Jung (Max von Thun) und Alt (Ulrich Noethen) hatten nämlich auf einmal ihre Lektion voneinander gelernt und sollten nun als Doppelspitze gemeinsam das Unternehmen leiten. Ende gut, alles gut. In diesem Moment kam die Erinnerung an die erste Szene zurück. Hätten wir Oskar da doch nur mal alleine im Regen stehen lassen und umgeschaltet.

Was meint ihr? Fandet ihr Trau’ niemals deinem Chef auch so schlecht oder habt ihr euch amüsiert?

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