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Der Gesetzesentwurf

Wir schauen House of Cards - Staffel 1, Episode 2

17.11.2013 - 20:15 UhrVor 7 Jahren aktualisiert
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Der Gesetzesentwurf
© Netflix
Der Gesetzesentwurf
Frank Underwoods Rachefeldzug geht auf Sat.1 in die zweite Runde. Wie gewohnt könnt ihr die Episode gemeinsam mit uns rekapitulieren.

Nach einem ziemlich gelungenen Auftakt in der vergangenen Woche war die Nervosität meinerseits relativ groß. Kann House of Cards das Riesenpotenzial, welches der Pilot uns offenbart hat, entfalten, oder hat es noch immer mit kleinen Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen? Die Antwort ist schnell gegeben: Der Gesetzesentwurf macht genau da weiter, wo sein Vorgänger aufgehört hat: mit erstklassiger, reibungsloser Unterhaltung, der noch immer die großen Konflikte fehlen.

Durch die frühzeitige Publikation des Gesetzentwurfs wird die Verantwortung über eben jenen von Donald Blythe (Reed Birney) auf unseren Helden Francis Underwood (Kevin Spacey) übertragen. Der holt sich umgehend ein junges, sechsköpfiges Team ins Boot, die rund um die Uhr an einem vernünftigen Entwurf arbeiten – mit Erfolg. Gleichzeitig lässt Frank über Zoe (Kate Mara) einen über drei Dekaden alten, politisch heiklen Zeitungsartikel veröffentlichen, der vom aktuellen Außenminister-Spitzenkandidaten Michael Kern (Kevin Kilner) herausgegeben wurde und ihn somit ins Aus manövriert. Anstatt zu versuchen, sich selbst den Posten zu krallen, benutzt Frank Zoe, um Catherine Durant (Jayne Atkinson) als neue Topkandidatin ins Rennen zu schicken. Währenddessen treibt Franks Ehefrau Claire (Robin Wright) ihre Clean Water Initiative weiter voran und entlässt im Zuge dessen einen Großteil ihrer langjährigen Angestellten.

It’s too easy merkt unser Protagonist an einer Stelle an und fasst damit den Kern meiner Gefühle gegenüber den ersten beiden Folgen perfekt zusammen. Ohne jeglichen Widerstand rollt er sich über seine Rivalen, etwaige Probleme dabei werden höchstens angedeutet. Jeder einzelne Schritt seines Racheplans geht ziemlich genau so auf, wie er sich das vorgestellt hat. Ich möchte gar nicht abstreiten, dass das nach wie vor überaus unterhaltend anzuschauen ist, auf Dauer wird dies jedoch zweifellos ermüdend und langweilig. Andererseits werden durch Franks bis hierhin porträtierte Unfehlbarkeit natürlich zukünftige Problemstellungen – zumindest hoffe ich inständig, dass es sie geben wird – noch mehr dramatisiert, was diesen ganzen Absatz hier selbstredend nichtig machen würde.

Die Tatsache, dass uns auch nach der zweiten Episode keinerlei Grund gegeben wurde, in irgendeiner Weise Gefühle für oder gegen Francis zu entwickeln, macht die Sache nicht besser. Wir dürfen über seine Cleverness staunen und beeindruckt zusehen, wie sein ausgeklügelter Plan ihn Schritt für Schritt in Richtung Erfolg führt, wie auch immer dieser aussehen mag. Doch die Leidenschaft fehlt. House of Cards-Kopf und Autor dieser Episode Beau Willimon verweigert uns jegliche Empathie für seinen Protagonisten, dafür wissen wir einfach zu wenig über Underwood außerhalb seines Berufslebens. Genau genommen wissen wir gar nichts, außer dass seine Frau sich Sorgen um die Verfassung seines Körpers macht. Das mindert nicht unbedingt den Unterhaltungswert der Serie, macht uns Zuschauer aber zu distanzierten Beobachtern. Und das obwohl hier schon so gerne die Durchbrechung der Vierten Wand genutzt wird – leider meist nur als Vorlage für (zugegebenermaßen gelungene) Gags.

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