Wie Netflix und das Internet eine Horrorfigur in eine LGBTQ+ Ikone verwandelten

The Babadook
© Capelight Pictures
The Babadook
08.06.2021 - 09:00 UhrVor 10 Tagen aktualisiert
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Mit dem Babadook fand die LGBTQ+-Community vor 4 Jahren ein unerwartetes Symbol. Wir erklären, was aus dem Pride-Horror-Meme wurde – und was Netflix damit zu tun hat.

Vor vier Jahren übersäten  bunte Variationen einer grinsenden Horrorfratze die Pride Month-Partys. Die LGBTQ+-Community (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer, pan/omni) hatte den Babadook aus dem gleichnamigen Horrorfilm von Jennifer Kent zu einer neuen strahlenden Ikone erhoben.

Der Babadook als "Gay Icon": Was damals wie ein flüchtiger Witz wirkte, hat sich bis heute in der Cosplay- und Meme-Symbolik und den Pride-Ritualen festgesetzt. Es gibt sogar Bilder von Jeans-Aufnähern mit einem Regenbogen-Babadook! Doch dazu später mehr.

Doch wie kam es überhaupt zu der unerwarteten Verbindung von Horror-Figur und LGBTQ+-Community? Und welche Bedeutung nimmt das Monster heute ein?

Horror-Figur als LGBTQ+-Ikone: Woher kommt die Theorie?

Um das klarzustellen: Das alles ist kein Witz, der auf möglichst groteske Kontraste baut. Der Babadook ist definitiv homosexuell. Wer den Horrorfilm aufmerksam schaut, kann eigentlich zu keinem anderen Schluss kommen. Okay, es gibt auch andere Lesarten, aber die Deutung der LGBTQ+-Community ist absolut überzeugend. Und was wäre popkultureller Diskurs ohne plausible Fantheorien?

Also, worum geht’s? Der Babadook ist ein zylindertragender Dämon aus einem Kinderbuch, der eine Mutter und ihren Sohn in deren Haus terrorisiert. Am Ende des Films stellt sich der Dämon als Verkörperung der Depression der Mutter heraus. Das Monster wird erlöst, indem es sich als das "outet", was es ist – und auch von seinem Umfeld so akzeptiert wird.

Parallelen zur Biografie etwa eines homosexuellen Mannes, der seine sexuelle Identität lange unterdrückte und sich erst nach dem Outing frei fühlen kann, drängen sich stark auf.

Netflix verwandelte den Babadook zu einer weltweit anerkannten Pride-Ikone

Wie bei jedem Internet-Hype ist der Ursprung schwer rekonstruierbar, aber zumindest die virale Memefizierung dieser Theorie begann vermutlich mit einer Diskussion auf Tumblr – der Plattform, wo schon viele andere queere Fantheorien ihren Ursprung hatten.

Ein Fan äußert sein Unverständnis darüber, wie Leute NICHT sehen könnten, dass der Badabook homosexuell sei, und lässt sich darin auch von irritierten Antworten anderer User:innen nicht beirren. Ein Fan teilte Screenshots der Unterhaltung auf Twitter und machte die Theorie damit einem größeren Publikum bekannt, zumindest innerhalb der Social Media-Blasen. Das war Anfang 2017, rund zwei Jahre, nachdem der Film in Deutschland veröffentlicht wurde.

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Der Kult um Gay Icon Babadook nahm so richtig Fahrt auf, als Netflix mitmischte. Erst tauchte dieser Screenshot auf, der Der Babadook im Subgenre "LGBT" im Netflix-Angebot einsortierte. Wie authentisch der Screenshot ist, ist nicht ganz klar. Selbst mit rudimentären Photoshop-Kenntnissen lässt sich ein rechteckiges Filmposter leicht auf ein anderes rechteckiges Filmposter legen. Trotzdem, das Bild befeuerte den Hype.

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Im Pride Month 2017 selbst schoss der Netflix-Twitter-Account dann dieses Babadook-Meme raus, das im Sinne der Pride-Bewegung eine offenere Welt mit mehr selbstverständlicher Akzeptanz anregt:

Sei der Babadook, wie du ihn in der Welt sehen willst.
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Im Sommer 2017 nahm die LGBTQ+-Community den Babadook endgültig mit offenen Armen in ihre Kreise auf. Der Dämon mit Hut war plötzlich überall:

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Netflix hatte das Meme zwar nicht erfunden, aber spielte trotzdem eine wichtige Rolle. Der Streamingdienst sorgte mit seiner Reichweite schließlich dafür, dass es die Geschichte über den queeren Badabook von Tumblr-Theorien über Twitter-Memes in die Mitte der popkulturell interessierten Gesellschaft schaffte.

Und jetzt: Die ewige Babadook-Pride-Verbindung

Memes kommen und gehen, doch die Gay Icon Babadook bleibt bis heute eine Galionsfigur der Pride-Bewegung. Davon profitierte nicht nur das Internet und die LGBTQ+ Community, sondern auch der Film selbst. Das bestätigte die Regisseurin und Drebuchautorin Jennifer Kent 2019 in einem Interview .

Ich liebe die Geschichte. [...] Es ist verrückt und es hat ihn [den Babadook] am Leben gehalten. Ich dachte, 'Ah, du Bastard.' Er will nicht sterben, also hat er Wege gefunden, um relevant zu werden.

Im Juni 2019, erschien anlässlich des Pride Months eine DVD-Special-Edition  von The Babadook mit einem Regenbogen-Cover. Eine Behandlung, die keinem anderen Horror-Charakter bisher zuteil wurde:

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Die Kommerzialisierung ist zwar im vollen Gange, es existieren über die DVD hinaus Pride-Babadook-Jutebeutel*,  Babadook-Tassen mit Regenbogenfarben * und aus irgendeinem Grund Pride-Babadook-Trinkwasserflaschen .

Mittlerweile schreiben wir das Jahr 2021. Es ist vier Jahre her, seitdem der Badabook seinen Durchbruch als queere Ikone feierte. Eine lange Zeit, vor allem im Internet, das tagtäglich neue Memes produziert, um sie kurz darauf schon wieder vergessen. Der ganz große Hype um den vermeintlich homosexuellen Dämon ist mittlerweile etwas abgeflaut.

Dennoch, auch im Pride Month 2021 tauchen noch neue Memes, Fotos und Fanart rund um den Horror-Charakter auf – beispielsweise bei Instagram .

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Hier ist der versprochene Jeans-Aufkleber:

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Das ist mal so richtig niedlich:

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Die Gay Icon Babadook lebt also weiter, als unerwarteter Verbündeter der LGBTQ+ Community. Es gibt viele Dämonen und Monster in der Filmgeschichte. Einige hinterlassen ein Vermächtnis, das die Jahre überdauert.

Doch wohl kein anderer Horror-Antagonist steht so sehr für freie Liebe und Akzeptanz wie der Badabook – auch wenn ihm die Jungs von Queer Eye von seinem charakteristischen Hut wohl eher abgeraten hätten.

LGBTQ+ Meilensteie: 19 Serien, die wir feiern

Im Moviepilot-Podcast Streamgestöber haben Max und Andrea ihre liebsten LGBTQ+ Meilensteine in Serien gesammelt:

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Welche Serien haben Tabus gebrochen, welche liegen uns persönlich am Herzen? Von den Simpsons über Game of Thrones bis hin zu Orange Is the New Black haben wir alles abgedeckt.

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Was haltet ihr von der Babadook-Theorie?

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