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Der Babadook - Wie das Titelmonster des Horrorfilmes zur LGBTQ-Ikone wurde

09.06.2017 - 17:00 UhrVor 3 Jahren aktualisiert
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The Babadook
© Capelight Pictures
The Babadook
Lest hier, wie Der Babadook wegen eines Fehlers in der Netflix-Datenbank zu einer Ikone der queeren Community wurde. Das Streamingportal listete den Film versehentlich als LGBTQ-Film.

Vorsicht, Spoiler zu Der Babadook: 2015 kam das Horror-Drama Der Babadook in die deutschen Kinos. Das Regie-Debüt der Australierin Jennifer Kent handelt von einer Mutter und ihrem Sohn, die kürzlich den Tod des Ehemannes bzw. Vaters verkraften mussten. Damit nicht genug, wird die kleine Familie bald von einem Monster heimgesucht, das sich Babadook nennt und aus einem vermeintlichen Kinderbuch entsprang. Dieses Monster ist sinnbildlich für die Trauer der Mutter, die sie tief in sich vergraben hält. Erst zum Ende, als sie sich diesen Emotionen stellt, leben sie gemeinsam in Einklang. Der Film wurde damals mit Lob und Preisen überhäuft und ist nun, zwei Jahre später, erneut in aller Munde.

Was genau passierte?

Es begann mit einem einfachen Fehler in der Netflix-Datenbank. Diese sortiert Filme nach Genres, um den Usern die Suche nach Filmen zu vereinfachen. Eines Tages stellte ein Tumblr-User fest, dass Der Babadook in der Spalte LGBTQ (Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Queer) Film gelistet ist.

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Ich bin so stolz, dass Netflix den Babadook als Vertreter der Schwulen und Lesben anerkennt.

Der Beitrag wurde in kürzester Zeit mit 125.000 Mal Anmerkungen versehen und mehrere Tausend Mal geteilt. Im Januar nannte Ryan Broderick von Buzzfeed dieses Phänomen seinen liebsten neuen Tumblr-Trend, was zu einer weiteren Verbreitung des Themas führte.

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Mein neues Lieblings-Tumblr-Meme behauptet, Der Babadook sei schwul.

Wie es weiterging

Der Juni ist in den USA der offizielle Pride-Monat. Dieser steht fest im Zeichen der LGBTQ-Community und ihren bisherigen Erfolgen. Dies ist auf die Stonewall Unruhen aus dem Juni 1969 zurückzuführen, in dem sich die queere Community erstmals gegen eine Polizei-Razzia wehrte. Dieser Vorfall gilt als Auslöser des Gay Liberation Movements. Der derzeitige Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, ignoriert die Bedeutung dieses Monats jedoch. Ein Glück also, dass eine große Zahl an Twitter-Usern nun mit dem Babadook einen neuen Verbündeten gefunden hat und ihn auf dem Portal in Szene setzt.

Hier ein paar Highlights, die den Babadook als LGBTQ-Ikone zeigen

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Babadook ist meine liebste Schwulen-Ikone.
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Beleidigungen des Babadooks werden in diesem Haus NICHT toleriert. Kinematisches Meisterwerk UND Schwulen-Ikone. Nicht der Verbündete, den wir wollten, aber der Verbündete, den wir verdienen.
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Der Babadook kämpfte, damit wir [den Rainbow-Lifestyle] leben können.


Und hier Der Babadook als Kandidat bei der Casting-Show RuPaul's Drag Race, in der die beste Drag Queen gesucht wird.

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Warum der Babadook als Schwulen-Ikone taugt

Der Babadook ist in dem gleichnamigen Film ein verängstigtes Wesen, das nur im Dunkeln aus dem Schatten heraustritt. Es erschreckt seine Mitmenschen und erlangt erst seinen inneren Frieden, als es sich letztlich als Trauer der Mutter 'outet'. Nach diesem Moment der Befreiung lebt er schließlich mit der Familie in Einklang. Tumblr-User und Professoren sehen hier eine Parallele zu dem Coming-Out einer Person der LGBTQ-Community. So schreibt Dean Eastwood, der Gründer des Lifestyle-Magazins für Schwule, HISKIND , folgenden Text zu The Babadook:

Der Babadook erzählt letztlich eine LGBTQ Geschichte. Diese handelt von Menschen, die in den Schatten verbannt werden und deren wahre Identität sich ihnen im Schrank offenbart. (...) Zum Ende werden die monsterähnliche Identität und Eigenschaften gedämpft, als er schließlich aus dem Schatten hervortritt und sich seinen Liebsten als der präsentiert, der er ist. (...)
Zweifellos ist eine Parallele zwischen dem Babadook - einem einsamen, verwirrten und missverstandenen Wesen, das oftmals als Monster dargestellt wird - und der LGBTQ-Community, zu erkennen. In unserer heutigen Zeit fällt vielen das Coming-Out nach wie vor schwer und Mitglieder der queeren Szene müssen weiterhin ihre eigene Identität unterdrücken oder kämpfen mit psychischen Problemen.

Hier beschreibt Eastwood die Schwierigkeit der Selbstakzeptanz, die viele junge Mitglieder der LGBTQ-Community empfinden, nachdem sie die Erkenntnis hatten, 'anders' zu sein. Es kostet viel Überwindung, sich seiner Familie und Freunden gegenüber zu outen, aus Angst verstoßen zu werden. Große Teile der Gesellschaft akzeptieren die queere Community nach wie vor nicht, was zur Isolation vieler junger queerer Frauen und Männer führt. Auch den Medien - Film & Fernsehen - mangelt es oft an positiven Identifikationsfiguren. Das Verdrängen der eigenen Identität kann zu gravierenden psychischen Problemen führen, wie Eastwood in der Fortsetzung seines Textes berichtet.

Das Wesen Babadook, das laut Regisseurin für die Depression und Trauer der Mutter steht, erscheint nochmals sinnbildlicher für die LGBTQ-Szene, wenn man bedenkt, dass mehr als die Hälfte aller queerer Schüler Mobbing erfahren müssen und schwule Männer dreimal häufiger an Depressionen leiden, als heterosexuelle Männer.

Was haltet ihr von dem Babadook als Ikone der LGBTQ-Community?

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