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Warum Die Harten und die Zarten von queer-historischer Relevanz ist

Michael in Die Harten und die Zarten
© CMV Laservision
Michael in Die Harten und die Zarten
13.06.2017 - 10:05 UhrVor 3 Jahren aktualisiert
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1970 kam mit Die Harten und die Zarten einer der ersten Filme in die Kinos, der sich mit schwulen Charakteren befasste. Warum der Film so wichtig war und ist, erzähle ich euch hier.

Bis 1968 kontrollierte der Motion Picture Production Code, welche Inhalte in Hollywood-Filmen gezeigt wurden. Dieser unterband unter anderem das Zeigen "perverser" Handlungen, worunter beispielsweise jegliches Erwähnen und Darstellen homophiler Inhalte verstanden wurde. Im selben Jahr, das das Ende des Motion Picture Production Codes sah, feierte das Theaterstück Die Harten und die Zarten Premiere in einem Theater in New York City. Zwei Jahre später drehte William Friedkin, dessen Nachfolgefilme French Connection - Brennpunkt Brooklyn und Der Exorzist Mainstream-Kultstatus erreichten, die Filmadaption des Theaterstückes. Warum dieser Film ein sehenswerter und wichtiger ist, werde ich euch im heutigen Herz für Klassiker erläutern.

Die Harten und die Zarten-Besetzung mit Drehbuchautor Mart Crowley (links)

Eine erste Vorstellung offenbart Freundschaften und Konflikte

Michael ist ein erfolgloser Schriftsteller in New York. Am Abend des Filmes ist in seiner Wohnung die Geburtstagsfeier für seinen engen Freund Howard geplant. Unter den Gästen sind sein guter Freund Donald, der flamboyante Emory, Bernard, ein ruhiger Buchhändler und Hank und Larry. Die letzten beiden sind ein Paar, könnten ungleicher aber nicht sein. Hank ist noch mit seiner Frau verheiratet und hat mit ihr zwei Kinder. Er wünscht sich eine, der klassischen Ehe gleiche, monogame Beziehung. Larry hingegen genießt auch verpartnert gelegentlich einen Single-ähnlichen Lebensstil, was zu häufigen Streitigkeiten zwischen den beiden führt. Unterbrochen wird das nostalgische gemeinsame Aufführen einer Tanznummer durch das Erscheinen eines ehemaligen Kommilitonen Michaels, Alan. Alan ist heterosexuell und weiß nichts von dem Schwulsein seines ehemaligen Mitstudenten. Michael bittet insbesondere Emory, sich vor Alan "zusammenzureißen". Diese Szene zeigt Michaels Unzufriedenheit über seine eigene Identität. Er schämt sich vor dem heterosexuellen Alan für seinen "zu schwulen" Freund Emory und zwingt ihn zur "Selbstbeherrschung".

Die Harten und die Zarten und eine kleine Tanznummer

Hank, der nicht an dem gemeinsamen Tanzen teilnahm, versteht sich sofort gut mit Alan. Hank legt eine andere Art der Unzufriedenheit an den Tag. Er distanziert sich just in dem Moment, in dem Alan zur Gruppe stößt, von seinen schwulen Freunden und lässt sich auf ein "heterosexuelles" Gespräch mit Alan ein. Dieser stört sich an Emory und es kommt zu einem handfesten Streit. In diesem Gerangel erscheint Harold, das Geburtstagskind. Es folgt ein Abend der gehässigen Sticheleien, Liebesbekundungen und Momente der innigen Freundschaft.

Die Bedeutung von Die Harten und die Zarten zur Zeit seiner Premiere

Aufgrund der langen Herrschaft des Motion Picture Production Code mangelte es dem schwulen Mann für eine geraume Zeit an Identifikationsfiguren, von positiven konnte gar nicht gesprochen werden. Sie mussten, wenn überhaupt, als asexuelle Stereotype oder tragische Figur herhalten. Daher ist Die Harten und die Zarten, der ein Jahr nach den Stonewall-Unruhen in die Kinos kam, von großer film-und schwulenhistorischer Bedeutung. Erstmals bestand ein Figurenensemble aus fast ausschließlich homosexuellen Charakteren. Dies wurde von vielen Zuschauern aus der schwulen Community und von Kritikern positiv wahrgenommen. Allerdings gab es auch Kritik an der zum Teil stereotypisierenden und, dieses Mal anders, tragischen Darstellung der Figuren. So rutscht Emory teilweise ins Karikierende ab. Auch wird keiner der Partygäste als richtig glücklich oder zufrieden in Szene gesetzt. In einem Dialog mit Michael äußert sich Harold zu der Unzufriedenheit seines Freundes:

Du bist ein bedauerlicher und lächerlicher Mann. Du bist ein Schwuler und du willst es nicht sein, aber es gibt keinen Weg, wie du dich ändern kannst. Keins der vielen Gebete an deinen Gott, keine Psychoanalyse, die du dir erkaufen kannst, in all den Jahren, die du noch zu leben hast. Du magst eines Tages wissen, wie es ist, ein heterosexuelles Leben zu führen, wenn du es dermaßen verzweifelt versuchst, wenn du es mit dem Eifer versuchst, mit dem du es zerstören willst. Aber du wirst immer nach wie vor schwul sein. Immer, Michael. Immer. Bis zu dem Tag, an dem du stirbst.

Dieser Satz läutet den Abgang von Harold ein. Zuvor gibt er aber noch zu verstehen, dass diese Aussage nichts an ihrer Freundschaft ändert und er ihm nach wie vor wohlgesonnen ist.

Warum ich Die Harten und die Zarten als Klassiker bezeichne

Im Jahr 2017 ist der Kampf um die Sichtbarkeit von LGBTQ-Charakteren (lesbian, gay, bisexual, transgender, queer) im Film nach wie vor aktuell. Wenn Medien berichten, dass Le Fou in Die Schöne und das Biest der erste queere Charakter in einem Disney-Film ist und Trini als bisexuelle Frau im neuen Power Rangers die erste queere Superheldin darstellt, ist deutlich, dass es noch lange nicht "normal" ist, LGBTQ-Figuren im Film zu sehen. Seit den 1970er Jahren hat sich aber einiges getan. Die Harten und die Zarten zeigt, wie schwer es schwule Männer in den Jahren vor 1970 hatten. Durch Jahre der Unterdrückung seitens Politik und Mangel an Sichtbarkeit in der Gesellschaft entstand bei vielen eine Verbitterung, die der Film exzellent in Szene setzt. 1970 war Homosexualität nach wie vor als psychische Krankheit eingestuft und der Sex unter Schwulen stand in zahlreichen Bundesstaaten unter Strafe. Man machte sich für Sodomie strafbar, was gleichbedeutend war mit Sex mit Tieren.

Der Film macht den Einfluss der Gesellschaft auf die Identität und die Psyche des schwulen Mannes sichtbar. Zudem zeigt er den Zusammenhalt untereinander, wie etwa die Szene zwischen Harold und Michael. Selbst nachdem Harold Michael einen bedauerlichen und lächerlichen Mann nennt, ist nach wie vor eine zärtliche Vertrautheit erkennbar, als er ihm versichert, ihn am Folgetag anzurufen.

Howard verabschiedet sich von Michael

Habt ihr euch Die Harten und die Zarten schon mal angeschaut?

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