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Vor Everybody Wants Some!! - Richard Linklaters Debütfilm Slacker

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© Detour Filmproduction
Rumtreiber
31.05.2016 - 08:50 UhrVor 5 Jahren aktualisiert
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Passend zum baldigen Kinostart von Everybody Wants Some!! schenke ich mein heutiges Herz für Klassiker Richard Linklaters gefeiertem Debütfilm Slacker - Rumtreiber. Darin lernen wir das alltägliche Leben in Austin, Texas kennen.

Diesen Donnerstag startet Richard Linklaters neuer komödiantischer Geniestreich Everybody Wants Some!! in unseren Kinos. Aus diesem Grund werfe ich heute einen Blick darauf, wie im Jahr 1991 in Austin, Texas für den erfolgreichen Filmemacher mit seinem Frühwerk Slacker alles begann. Streng genommen handelt es sich bei Richard Linklaters Debütfilm, auf Deutsch übrigens Rumtreiber, allerdings schon um seinen zweiten Spielfilm. Vorher realisierte der talentierte Texaner mithilfe von Freunden nämlich schon ein Filmprojekt namens It's Impossible to Learn to Plow by Reading Books .

Mit Slacker feierte der Autodidakt Richard Linklater dann Anfang der 90er seinen fulminanten Karriereauftakt beim Sundance Film Festival . In feinsinnigen Momentaufnahmen porträtiert der Indie-Filmemacher darin das Leben zahlreicher Menschen in Austin, Texas. In schnellen Episoden schwebt die unkonventionelle Filmhandlung über das heiße Pflaster der Stadt dahin, riskiert mal hier, mal dort einen Blick in das Alltagsleben der Leute, bleibt dabei aber immer in Bewegung. Niemals verweilt der Film länger an einem Ort, immer lässt er seine Figuren nach kurzem Innehalten zurück, um einen neuen Weg einzuschlagen und andere Menschen, andere Gesichter und Facetten des Lebens kennenzulernen.

Rumtreiber

Richard Linklater begibt sich in Slacker auf eine eintägige Spurensuche nach dem Lebensgefühl junger und antriebsloser Menschen, nach jener Generation unangepasster Zwanzig- bis Dreißigjähriger, die ihre Zeit am liebsten mit philosophischem Gequatsche, unnützen politischen Debatten und irrsinnigen Verschwörungstheorien verbringen. Genau wie all die trägen Herumtreiber und Sonderlinge, die durch die sommerliche texanische Studentenstadt streunen, immer auf der Suche nach - ja, wonach eigentlich? -, so lässt sich auch die Kamera des Films verträumt durch die Gegend treiben. Ganz zufällig, wie es scheint, treffen wir dabei stets auf neue seltsame Zeitgenossen und unterhaltsame Szenarien, die uns für ein paar Minuten durch die Straßen der Stadt begleiten. Alles plätschert gemächlich vor sich hin. Und immer wieder macht sich der Film Slacker dabei auf den Weg ins Unbekannte, folgt keinerlei Mustern, kennt keine dramaturgischen Regeln und Konventionen. Wer sich in dieser intelligent verschachtelten, äußerst dialoglastigen Filmcollage auf die Suche nach einer szenenübergreifenden Handlung macht, wird ins keinster Weise fündig werden. Darum geht es in Slacker auch gar nicht. Richard Linklater wollte mit diesem filmischen Kunstwerk keine zusammenhängende Geschichte erzählen, sondern ein bestimmtes Lebensgefühl atmosphärisch verdichtet einfangen. Und das ist ihm wirklich sehr gut gelungen.

Warum ich Slacker mein Herz schenke

Slacker stellt genau das in reinster Form dar, wovon auch viele spätere Werke Richard Linklaters leben: Alltäglichkeit. Der Filmemacher versteht es nämlich wie kein Zweiter, Bedeutung aus vermeintlich banalen Augenblicken, aus alltäglichen Situationen zu schöpfen (und aktiv zu schaffen). Darauf beruht seit jeher sein künstlerisches Streben und sein erzählerisches Kernkonzept, das er im Laufe der Jahre nunmehr mit Filmen wie Boyhood oder Everybody Wants Some!! perfektioniert hat. Slacker ist radikal im Augenblick verhaftet und zieht seine emotionale Aussagekraft unmittelbar aus den Momentaufnahmen des ganz normalen Lebens, aus der Banalität des Alltags. Dabei gelingt es Richard Linklater, dem Meister der poetischen Alltäglichkeit des Lebens, immer wieder, kurzweiligen Dialogen und handlungsarmen Filmsituationen etwas nahezu Magisches zu verleihen. In Slacker erhalten wir als aufmerksame Zuschauer äußerst erhellende und feinsinnige Einblicke in das Leben einer ehrgeizlosen Generation voller Herumtreibern, die ihre gewonnenen Freiheiten vorwiegend dazu nutzen, träumerisch über das Leben zu sinnieren und in ihrem scheinbaren Nichtstun nach einer höheren Bedeutung zu suchen. Gerade dadurch lebt Slacker voll und ganz von ebenjener Magie des banalen Augenblicks, von der poetischen Banalität des Lebens. Und deshalb schenke ich Richard Linklaters Debütfilm mein heutiges Herz für Klassiker.

Rumtreiber

Warum auch andere Slacker lieben werden

Slacker, der Kevin Smith später nach eigener Aussage zu seinem legendären Debütfilm Clerks - Die Ladenhüter inspiriert und ermutigt hat, wartet mit vielerlei Highlights auf. Eines davon ist zweifelsohne die Eröffnungsszene mit Richard Linklater höchstpersönlich. Darin erleben wir, wie der junge Filmemacher als herumphilosophierender Taxifahrgast brilliert. Eifrig schwadroniert er über das Leben, über all die unendlich vielen Möglichkeiten und Entscheidungen, die es mit sich zu bringen scheint. Darüber, dass unser Leben ja im Grunde eine Vielzahl von ganz verschiedenen Daseinsformen und Lebenswegen in sich trage und vereine, die nur leider völlig ahnungslos voneinander blieben und schlichtweg parallel abliefen. Mit diesem flapsig vorgetragenen Gedankengang erinnert uns Richard Linklater überraschenderweise stark an Jaco van Dormaels späteres so philosophisch-fantasievolles Opus Magnum Mr. Nobody. Den Taxifahrer lässt das pseudo-philosophische Geschwätz seines ausgelassenen Fahrgasts derweil übrigens völlig kalt. Er verzieht während der ganzen Fahrt keine einzige Miene.

Richard Linklater in Rumtreiber

Warum Slacker die Jahrzehnte überdauern wird

Mit Slacker ist Richard Linklater ein bedeutungsvolles Generationenporträt gelungen, das auch heutzutage kaum an Aktualität verloren hat. Diesen ruhmreichen Status des Films bestätigte Ende 2012 auch das US-amerikanische National Film Preservation Board , indem das prestigeträchtige Gremium Slacker offiziell ins National Film Registry, ein Verzeichnis US-amerikanischer Filme, die als besonders erhaltenswert angesehen werden, aufnahm. Der Low-Budget-Independentfilm überzeugt mit einer ungebundenen Erzählweise, die im US-Kino der 90er ihresgleichen sucht, und fährt mit einer vielfältigen Palette an Filmfiguren auf, die einen eindrucksvollen Generationen-Querschnitt abgeben. Hier ist wirklich für jeden etwas dabei: Von gelangweilt herum diskutierenden Liebespaaren über einen schüchtern-verschreckten Einbrecher bis hin zu wahnwitzigen Verschwörungstheoretikern sind so mancherlei Rumtreiber in Slacker vertreten.

Habt auch ihr ein Herz für Slacker - Rumtreiber?

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