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Aufreger der Woche

Verliere deine Jungfräulichkeit auf MTV

16.06.2012 - 08:50 UhrVor 9 Jahren aktualisiert
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Der MTV-Stil
© MTV/Comedy Central/moviepilot
Der MTV-Stil
Manchmal sammeln sich unfassbare Nachrichten wie die Gülle in einem Tank. Damit die ganze Suppe nicht überläuft, wird nun wieder eine stinkende News herausgegriffen und zerfleddert.

Vor kurzem kam in der Zeitung ein Artikel über einen Trend in den USA. Dort werden Schönheitsoperationen an Tieren immer beliebter. Aber nicht nur die die Form der Ohren oder ähnliches wird dabei “optimiert”, kastrierten Hunden werden künstliche Hoden eingesetzt, damit alles möglichst komplett aussieht. Was das mit dem eigentlichen Aufreger der Woche zu tun hat? Im Grunde nichts, aber es zeigt, dass keine Idee so dämlich sein kann, dass nicht doch irgendwer sie aufgreift. Und somit hätten wir doch eine Brücke zum Thema geschlagen.

Eine von MTV geplante, aber nicht realisierte Reality-Show ist nämlich diesmal der Aufreger der Woche

Virginity-Show
Ich muss mir an dieser Stelle einmal kurz selber auf die Schulter klopfen: Dass es mir tatsächlich gelingt, zum folgenden Sachverhalt einen Text zu schreiben, ist ein Ausdruck von purer Willensstärke, denn eigentlich hätte ich eher den ganzen Tag mit dem Kopf auf den Tisch schlagen müssen. Die positive Nachricht, die der negativen folgt, ließ mich jedoch halbwegs beruhigt zurück. Anlass für mein beinahe stattgefundenes, selbstzerstörerisches Verhalten war eine von MTV geplante Reality-Show namens The First, die nur so von Sinnlosigkeit und Moralabstinenz strotzt. Dieser ehemalige Musiksender wollte tatsächlich erwachsene Teenager dabei begleiten, wie sie ihre Jungfräulichkeit verlieren! Oder wie MTV es im Casting-Aufruf beschrieb: „Das junge Erwachsenenalter ist eine Zeit der Erkundung. Neue Beziehungen, neue Erfahrungen und sexuelle Premieren…“

Sex für gute Quoten
Es scheint nicht zu reichen, dass auf MTV mittlerweile keine Musikvideos mehr laufen, sondern nur noch Shows wie die Dämlackparade Jersey Shore (dass Nicole “Snooki” Polizzi in South Park als sexgieriger Gremlin dargestellt wurde, ist sowohl aussagekräftig als auch vollkommen richtig) oder The Real World gezeigt werden, die dazu in der Lage sind, einem den letzten Rest zu geben, nein, jetzt wurde die volle Breitseite geplant. Einen wichtigen, intimen Moment in der Entwicklung eines Menschen medial ausschlachten zu wollen, ist geradezu pervers. MTV versicherte, dass der Akt an sich natürlich nicht gefilmt werden sollte, sondern nur die Vorbereitung darauf. Anders ausgedrückt: das Warm-up sollte im Mittelpunkt stehen. Eine gute Dramaturgie benötigt jedoch einen Höhepunkt (in diesem Fall wörtlich zu verstehen) und einen passenden Schluss, sprich: die Rekapitulation des ersten Geschlechtsverkehrs vor den Augen der Welt. Für Sex bekämen die Teilnehmer dann Ruhm. Oder zumindest Aufmerksamkeit. Und MTV wäre als der umsatzstärkste Zuhälter aller Zeiten in die Geschichte eingegangen.

Widerspruch und Ablehnung
Aber glücklicherweise gibt es ja noch ein paar Menschen, die nicht jeden Dreck einfach klaglos hinnehmen. Die Reaktionen auf die beabsichtigte Show waren reichlich negativ und auch Prominente wie zum Beispiel Patricia Heaton äußerten sich schockiert über The First, weshalb MTV schnell Abstand davon nahm. Dass ein Sender, der mit Teen Mom und 16 and Pregnant schon Formate im Programm hat, die sich den Aufmerksamkeitsdrang von jungen Menschen zunutze machen, eine solch knallblöde Idee ernsthaft verfolgt, überrascht allerdings auch nur diejenigen, die bisher noch keine Ahnung davon hatten, dass die Milka-Kuh nicht wirklich lila ist.

Dass das Fernsehprogramm bisweilen, entschuldigt die direkte Art, zum Kotzen ist, ist leider alles andere als neu. Die Argumentation, dass ja niemand zugucken muss, zeiht in diesem Fall auch nicht, denn MTV wollte hier bewusst eine Grenzverletzung vornehmen und die Sexualität junger Menschen zur Mainstream-Unterhaltung missbrauchen. Da gibt es nur eine Lösung, die Gott sei Dank angewendet wurde: entschiedene Ablehnung.

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