Venom bei Netflix: Ohne die Hummer-Szene wäre der Marvel-Film nur halb so gut

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© Sony Pictures
Venom
31.08.2020 - 14:00 UhrVor 3 Monaten aktualisiert
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Ohne Tom Hardy ist Venom nicht denkbar. Vor allem in der Hummer-Szene zur Mitte des Marvelfilms drückt er ihm seinen manischen Stempel auf. Ein irres Erlebnis.

Nur wenige Blockbuster geben sich dem Chaos derart hin wie Venom, der Marvel-Film, der kein MCU-Film ist und daraus das denkbar beste macht. Venom läuft stets auf einer sich gerade erst aufbauenden Brücke, wie die Spielfiguren in Fortnite; jeder Schritt kann in den Abgrund führen oder zum Triumph.

Dass Venom ein guter Film geworden ist, liegt vor allem an Tom Hardys Energie und einer zweiminütigen Selbsterkenntnis zur Mitte der Laufzeit. Lasst uns eintauchen in die wilde Hummer-Szene, die den einzigartigen Unterhaltungswert der Superheldenkomödie definiert wie keine andere.

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Bei Netflix: Wie die irre Hummer-Szene Venom ein neues Gesicht verleiht

Wir befinden uns in den hitzigen Stunden, bevor Eddie begreift, was mit ihm passiert ist. Heißhunger-Attacken plagen ihn, die Lust auf rohes (bestenfalls lebendes) Fleisch räumt seinen Kühlschrank und Mülleimer leer. Eddie hat Hitzewallungen und eine fremde Stimme spricht mit ihm. In diesem höchst instabilen Zustand - hungrig, schwitzend, verwirrt und aufgekratzt - stürmt er in ein Restaurant zu seiner Ex-Freundin Anne (Michelle Williams).

Alles Tom Hardys Idee: Was hinter der Hummer-Szene steckt

Die nun folgende Schlüsselsequenz bereiteten die Macher intensiv vor. Regisseur Ruben Fleischer erklärt  Tom Hardys enormen Einfluss auf die Szene. Das Hummerbecken war eigentlich nur Zierde, um die Klasse des Restaurants zu verdeutlichen. Aber als Hardy es sah, soll er mit trockener Bestimmtheit gesagt haben: "Nun, ich werde mich in dieses Becken setzen."

Es gab nur ein Problem: Das Becken war gar nicht für Rage-Hardys gebaut. Außerdem waren die Hummer echt und mussten durch Plastikmodelle ersetzt werden, damit niemand zu Schaden kam, nicht Hardy und schon gar nicht die armen Hummer. Die bestehen übrigens aus Marshmallow-Krusten und Schokoladensirupblut. Klingt eigentlich gar nicht so schlecht.

Wie Tom Hardy als Venom explodiert

Das piekfeine Restaurant ist ordentlich und sauber arrangiert. Eddie soll der kokssüchtige Elefant auf Entzug im Porzellanladen sein, der schwanzwedelnde, sich vor Überdrehtheit einpinkelnde Hund auf der Familienfeier.

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Der kurzluntige Eddie explodiert in die ultimative Zivilisiertheit, die ihn als Fremdkörper wahrnimmt und ihn abstoßen will in dem Moment, in dem er den Laden betritt. Der frisch von einem Parasiten besetzte Eddie überträgt gewissermaßen seinen Zustand auf seine Umwelt. Alles geht hier plötzlich sehr schnell, Eddie prüft ohne Hemmungen die Köpfe der Gäste auf Verzehrbarkeit, lässt ein Steak zurückgehen, weil es "tot" ist. Die ganze Inszenierung zieht sich auf Tom Hardys Präsenz zusammen.

Wie macht er das? Hardy verfügt über eine natürliche manische Energie, die ihn für Rollen wie Venom oder Max Rockatansky in Fury Road erst qualifizierten. Den Venom-Wahn verstärkt er durch ein technisches Hilfsmittel: Hardy hört buchstäblich Stimmen in seinem Kopf, wenn er Eddie spielt. Er hört seine eigenen Zeilen, die er vorher aufgenommen hat und die von der Sound-Regie über einen winzigen Kopfhörer in sein Ohr geschnitten werden, schreibt Polygon . Diese Technik kam bereits in Legend zum Einsatz, wo Hardy Zwillinge spielt.

Marvel-Hit bei Netflix: In der Hummer-Szene wird Tom Hardy zum wilden Tier

Tom Hardy und sein Hummer

Der Schauspieler entfacht daraus einen Wirbelsturm der Impulse, die in seinen Kopf schießen und die er spontan umsetzt. Der Film lässt sich in diesen tatsächlich nur knapp 2 Minuten komplett mitreißen von Hardys Energie, der ungefähr 700 verschiedene Gesichtsausdrücke verbraucht und grunzt und stöhnt wie ein Tier.

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Der Rausch gipfelt in dem Hummerbecken, in das sich Eddie niederlässt wie in eine Badewanne, als müsste er sich ausruhen. Auch dieses Bedürfnis absoluter Entspannung nehmen wir Hardy ab. Er hat sich die Seele aus dem Leib gespielt und auf den Punkt abgeliefert für die wichtigste und beste Szene des Films. Wir erleben einen Moment der Selbsterkenntnis.

Venom brauchte diese Minuten und wird auch in der geplanten Fortsetzung von ihnen zehren. Sie sind sowas wie das Tonmuster, das verdichtete Venom-Aroma, die Venom-Formel angewendet auf engstem Raum. In diesen zwei Minuten Wahnsinn hat Venom erst verstanden, was für ein Film er sein will.

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Jenny Jecke und Andrea Wöger diskutieren im Moviepilot-Podcast Streamgestöber, was Brooklyn Nine-Nine zu einer großartigen Serie macht und warum sie sich in der kommenden, 8. Staffel mit den Problemen der US-Polizei auseinandersetzen muss:

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Die beliebte Polizei-Comedyserie zeigt uns die Welt aus der Sicht von durch und durch guten Polizistinnen und Polizisten. Die derzeitige Debatte um die US-Polizei macht jedoch klar, dass sich die Serie genau deshalb ändern muss. Das sagen auch die Macher.

Welche Venom-Szene gefällt euch am besten?

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