Tote Mädchen lügen nicht - Staffel 2, Folge 1: Neue Blickwinkel à la Rashomon

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Tote Mädchen Lügen nicht
18.05.2018 - 15:00 UhrVor 2 Jahren aktualisiert
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Die 2. Staffel von Tote Mädchen lügen nicht startet mit einem niederschmetternden Kapitel, das sich wie ein Epilog zu den vorherigen Geschehnissen anfühlt und neue Perspektiven ins Spiel bringt.
Max: Wie Fox Mulder uns einst lehrte: “The truth is out there.” Doch was ist, wenn die Wahrheit nicht akzeptiert wird? Oder im Falle von Alex einfach vergessen wird. Richtig gelesen, wir werden endlich über Alex’ Schicksal aufgeklärt, dessen Selbstmordversuch im Finale der 1. Staffel von Tote Mädchen lügen nicht in einem Nebensatz beiläufig erwähnt wurde. Befreit von den Schuldgefühlen und dem Wissen über die schrecklichen Umstände, die zu Hannahs Tod führten, kann sich Alex erstmal auf seine Genesung konzentrieren, ehe das ganze Drama ihn unweigerlich wieder einholen wird, denn ein düsteres Geheimnis plagt den jungen Mann.

Wie ein paar neue Fliesen die Erinnerung an Alex’ Suizidversuch zu überdecken versuchen, so wird auch die Wahrheit um Hannah weiterhin verleumdet, ignoriert und verdreht. Die Kassetten waren für ihre Eltern erst der Anfang, denn ihr Gerichtsverfahren gegen die Schule wird nun Folge für Folge die Sicht anderer Schüler auf die Erlebnisse von Hannah hervorbringen, wodurch ihren Eltern noch viel mehr Leid bevorstehen wird. In der ersten Folge präsentiert uns Tyler seine Sicht der Dinge, der in dieser Episode auch den Part des Voice-Overs übernimmt.

Die neuen Folgen setzen nun auf das Rashomon-Prinzip und präsentieren uns bekannte Ereignisse aus neuen Blickwinkeln. Ein neues Mysterium umgibt derweil ein Unbekannter, der drohende Botschaften hinterlässt, der in den folgenden Episoden bestimmt noch weitere unentdeckte Geheimnisse der zahlreichen Figuren offenbart, um sie davon abzuhalten, die Wahrheit ans Tageslicht zu bringen. Dabei ist es besonders schmerzhaft, mit anzusehen, wie gleich mehrere Seiten versuchen, Jessicas Vergewaltigung zu verharmlosen und sie in die Täterrolle zu drängen.

  • We’re not allowed to talk about suicide.” - Zach
  • Just because you have the picture, doesn’t mean you have the whole story.
  • Der arme Clay wird nun wortwörtlich von Hannahs Geist heimgesucht.
  • Ich finde die Botschaft der Darsteller und ihre Abgrenzung von der Fiktion zu Beginn der Folge unglaublich wichtig. Auch wenn es hier um eine fiktionale Story geht, sind die angesprochenen und ungeschönten Themen ernst zu nehmen. Betroffene Personen sollten sich nicht dafür schämen, Hilfe zu suchen.
Tyler muss als Erster in den Zeugenstand

Matthias: Die Warnung, die Max eben schon angesprochen hat, möchte ich gleich aufgreifen. Die Rückkehr von Tote Mädchen lügen nicht ist sich ganz im Klaren, was im vergangenen Jahr passiert ist. Damals konnte zwar noch keiner wissen, welche Wellen die Adaption von Jay Ashers Roman schlagen würde. In der Zwischenzeit wurden die ersten 13 Kapitel jedoch bis aufs kleinste Detail auseinandergenommen und diskutiert. Nun wirkt es so, als wäre sich Netflix der brisanten Thematik im Klaren und veröffentlicht nicht einfach bloß eine neue Serie, sondern bettet die 2. Staffel sorgfältig kuratiert ins Programm ein, was bei der bisherigen Veröffentlichungspolitik des Senders alles andere als selbstverständlich und gerade deswegen löblich ist.

Doch zurück zur Serie: Fünf Monate sind vergangenen, in denen sich vieles verändert hat, wenn auch nicht zwangsläufig zum Guten. "How’s life?" Seitens Tyler lässt sich die Frage nur mit einem "It’s worse" beantworten. Unmöglich ist es, das Vergangene zu vergessen. Dementsprechend fühlt sich der Einstieg in die 2. Staffel definitiv nach einem Epilog an, der vorerst gar nicht neue Themen anreißen will. Stattdessen geht es darum, das bereits Geschehene aus neuen Blickwinkeln zu beleuchten. Der bevorstehende Gerichtsprozess bietet aus erzählerischer Sicht die perfekte Möglichkeit dafür. So erfahren wir die Geschichte aus der Sicht der anderen involvierten Figuren. Das kann eigentlich kein schlechtes Zeichen sein, um eine angemessene Vertiefung zu ermöglichen.

  • Clay hat eine neue Freundin. Zum Abendessen darf sie aber noch nicht vorbeischauen. Hannah scheint er trotzdem noch nicht vergessen zu haben. Im Gegenteil: Am Ende der Episode reden sie sogar wieder miteinander.
  • ...if we don’t talk about it, it’s never going to change.” Oder wie Hermine sagen würde: "Angst vor einem Namen macht nur noch größere Angst vor der Sache selbst."
  • "You ain't seen shit."
  • Die Angst, auf eine Schule zu gehen, an der niemand auf einen aufpasst.
  • "Let's just try to get things back to normal." - "There isn't normal anymore."
  • Werden die Polaroids die Kassetten als erzählerisches Hilfsmittel ablösen? Ich bin gespannt, wie sich dieser Fokus auf die Bilder auswirken wird, die bekanntlich/vermeintlich mehr sagen als tausend Worte.

Nächste Episode:

Tote Mädchen lügen nicht - Wann und wie geht es mit Staffel 3 weiter?

Wenn ihr euch von der Thematik betroffen fühlt, kontaktiert umgehend die Telefonseelsorge . Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110-111 oder 0800-1110-222 erhaltet ihr Hilfe von Beratern, die schon in vielen Fällen Auswege aus scheinbar aussichtslosen Situationen aufzeigen konnten. Weitere Informationen und Anlaufstellen findet ihr unter 13reasonswhy.info .

Wie hat euch der Auftakt der 2. Staffel von Tote Mädchen lügen nicht gefallen?

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