TV-Kritik

Tatort: Unter Druck lässt sichs gut morden

Optimierte Morde im Tatort "Unter Druck"
© ARD / WDR
Optimierte Morde im Tatort "Unter Druck"

Endlich mal wieder ein Kölner-Tatort, der Spaß machte. Die letzten Folgen krankten ja alle ziemlich an lahmen Fällen, privatem Geschwurbel und einer gewissen Lustlosigkeit. Diesmal nahmen sich die Macher im Tatort: Unter Druck mal wieder eines brisanten, aktuellen Themas an, konzentrierten sich aber auf den eigentlichen Mord. Ein Unternehmens-Optimierer wurde in den Tod gestürzt.

Foto-Show: die Bilder zum Tatort

Und zugegeben, das Mitleid von Ermittlern und Zuschauern hielt sich in Grenzen, denn Unternehmensberater erfreuen sich gemeinhin derselben Beliebtheit und Wertschätzung wie Versicherungsvertreter, Gebrauchtwagenhändler oder Zeugen Jehovas. Und auch wenn sich der Tatort ein wenig um Mehrdimensionalität bemühte, überwog doch letztlich die Abscheu gegenüber einem Berufszweig, der in den seltensten Fällen zum Wohle der Mitarbeiter eines Unternehmens wirkt.

Claudia Michelsen spielte die Consulterin deren Kollege umgebracht worden war denn auch mit ambivalenter Effizienz. Ab und zu schimmerten zwischen Strategiebesprechungen, Karriereplanung und Auslandstelefonaten immer mal wieder menschliche Nuancen durch, doch letztlich blieb sie eiskalt. Und während der vor der Fusion stehende Zeitungsverlag auf seine eigene bittere Weise mit den Todesfällen umging, kämpften Ballauf und Schenk in bewährter Rollenverteilung um die Wahrheit. Schenk gab den bodenständigen, gemütlichen Opa-Typ, der neben den Ermittlungen schon mal seine Enkelin telefonisch ins Bett brachte, während Ballauf eine gewisse Faszination für die abgehobene Business-Welt entwickelte.

Etwas zu plakativ, aber unzweifelhaft sympathisch mal wieder Assistentin Franziska (Tessa Mittelstaedt), die in Arbeit erstickte und dankbar zuschlug, als Ballauf ihr versehentlich die Hilfe anbot. Zwischendrin gab es immer wieder kleine Seitenhiebe auf die Realität, bzw. das Klischee der Realität, wie wir sie gerne wahrnehmen. Personalabbau trotz schwarzer Zahlen, “Online vs. Print-Scharmützel”, internationale Expansion um jeden Preis, gekränkte Eitelkeiten und Generationskonflikte.

Das sich am Ende ausgerechnet der machthungrige, dynamische Jung-Chef des Verlages als Mörder herausstellte, weil ihn die von ihm einbestellten Unternehmens-Optimierer als Rationalisierungskandidaten sahen, ergab dann eine ironische, wenn auch nicht ganz überraschende Wendung eines Falls, der immer mal wieder Gefahr lief in persönlichem Beziehungsgehäkel zu versinken.

Für die Kölner-Truppe war der Tatort: Unter Druck aber der dringend notwendige Beweis, dass sie immer noch gute Unterhaltung abliefern können, wenn Buch und Regie sie nicht im Regen stehen lassen.

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