Tatort-Kritik

Tatort - Auf ewig Dein im tristen Dortmund

02.02.2014 - 21:00 UhrVor 8 Jahren aktualisiert
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Tatort - Auf ewig Dein
© WDR/ARD
Tatort - Auf ewig Dein
Dortmund mausert sich. Geschickt verbindet Stammautor Jürgen Werner in Tatort – Auf ewig Dein die privaten Handlungsstränge der Ermittler mit einem Fall voller frustrierender Sackgassen.

So langsam werde ich warm mit Jörg Hartmanns Peter Faber. Es dauerte zwar eine ganze Weile, aber im neuen Dortmunder Tatort werden die psychologischen Ticks des angeknacksten Kommissars auf ein erträgliches Maß heruntergeschraubt und mit seines Stärken kompensiert. Anders gesagt: Faber macht Spaß, insbesondere dann, wenn er in Tatort: Auf ewig Dein von seinem genialischen Sockel gestoßen wird. Aber auch darüber hinaus zahlt sich der serielle Ansatz von Autor Jürgen Werner aus, der die privaten Eskapaden seiner Ermittler dank genügend Vorarbeit ins Zentrum rücken kann, wie es ihm beliebt, gelöst vom Zwang, einen Handlungsstrang innerhalb der 90 Minuten zu beginnen und zu seinem Ende zu führen.

Lokalkolorit: Der Tourismus in Dortmund wird auch durch diesen Tatort nicht angekurbelt werden. Zu trüb und fade schaut es aus in dieser Stadt, in der offenbar jeder ein Doppelleben führt, von der Kommissarin und ihrem Escort-Boyfriend zu dem Stiefvater, der in Chatrooms Bilder seiner minderjährigen Tochter tauscht. Struwwelpeter Faber und sein Knitterparka passen ganz hervorragend in die äußerst trist dargestellte Großstadt, in der die Hoffnung auf Läuterung allenfalls in der gut gefüllten Minibar wartet.

Plot: Ohne große Einführung steigen wir ein in die laufende Suche nach einem vermissten Mädchen. Dessen Leiche wird in einem Plastiksack im Wald gefunden und sofort gerät ihr pädophiler Stiefvater ins Visier von Bönisch und Faber. Als ein weiteres Mädchen verschwindet, beginnen sich die Sackgassen in der Ermittlung zu häufen. Zudem fällt es Faber schwer, einen kühlen Kopf zu bewahren, denn er wähnt sich auf der Spur des Mörders seiner Frau und seiner Tochter. Bönisch (Anna Schudt) fürchtet währenddessen, dass ihre Liaison mit einem Callboy vor den Kollegen auffliegt und Dalay (Aylin Tezel) findet heraus, dass sie von Kossik (Stefan Konarske) schwanger ist.

Unterhaltung: Was sich liest wie ein Dortmunder Spin-off von GZSZ, gerät in dem Film von Regisseur Dror Zahavi und Autor Jürgen Werner (Tatort: Franziska) zu einem packenden Krimi, der die Last seiner privaten Konflikte in einen Vorteil verwandelt. Sorgfältig werden neben dem Fall die privaten Konfliktzonen eingeführt, ohne es mit der einen oder anderen zu überstürzen. Dabei dient Bönischs Geheimnis vor allem der weiteren Verbrüderung mit dem schwierigen Faber, desse barscher Ermittlungsstil sich in einem Hotelzimmer als extrem nützlich erweist. Für eine Weile von seiner seelischen Pein befreit, kann Faber sich zu einer regelrecht unterhaltsamen Figur entfalten, einem menschlichen Vorschlaghammer, auf den sich Bönisch verlassen kann. Obwohl die Macher sich etwas zu stark von einer gewissen Sherlock -Folge inspirieren ließen, um Faber einen geeigneten Bösewicht gegenüber zu stellen, ist Markus Graf (Florian Bartholomäi) genau das geworden: ein ebenbürtiger Intellekt, so kühl und kontrolliert, wie Faber impulsiv und unbeherrscht ist. Beiden zuzuschauen, wie sie sich bei Pils und Wein Wunden reißen, gehört zu den großen Freuden dieses Tatorts.

Tiefgang: Mit ihrer Anhäufung gescheiterter Privatmenschen im Polizeidienst, kann die Grundidee des Dortmunder Tatorts als klischeehaft abgetan werden. Eine glückliche Familie wird bei diesem Team wohl nur eingeführt werden, um in den nächsten 90 Minuten brutal zerstört zu werden. In Auf ewig Dein wird aber zumindest in Ansätzen untersucht, wie das diffizile Wechselspiel von Privat- und Berufsleben aussehen kann. Fabers Leben nach Dienstende existiert in den Tatorten schlicht nicht. Umso wichtiger sind Erinnerungen an die Zeit, als er Privatmann, Vater, Ehemann war. Denn was bleibt von ihm als Mensch, wenn diese verblassen, abgesehen vom dem Polizisten, der einen lange zurückliegenden Fall untersucht?

Mord des Sonntags: Eine Plastiktüte als Sarg.

Zitat des Sonntags: “Zwei von meiner Sorte können wir uns nicht leisten.”

Ein guter Dortmunder Tatort war das oder seid ihr anderer Meinung?

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