Kinoquatsch mit Gabriel - Teil 2

Quatsch mit Sahne - Vom Weltraum in den Krimi

Leslie Nielsen als Lt. Frank Drebin in Die nackte Kanone
© MGM
Leslie Nielsen als Lt. Frank Drebin in Die nackte Kanone

Filmklamotten geraten oftmals in Gefahr, es mit ihrem dargestellten Blödsinn selbst für Genreliebhaber zu weit zu treiben, und tatsächlich verkommen viele dieser Werke zu hanebüchenem Unsinn. Ihnen scheint prinzipiell etwas zu fehlen, ein Fundament zum Beispiel, auf dem sie sich ungezügelt austoben können. Die goldenen Nonsens- und Hyperparodie-Streifen aus den 1980er Jahren wie Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug (1980), Top Secret (1984) und Die nackte Kanone (1988) sind natürlich ebenso absurd, gelten aber dennoch nicht als Filmklamotten, sondern als ausgefuchste Genrefilme. Für die Königsklasse der Parodie stehen Mel Brooks und das Team ZAZ (David Zucker, Jim Abrahams und Jerry Zucker), die in den 1970er, 80er und 90er Jahren immer wieder großartige Parodien auf einzelne Filme oder Genres produziert haben. In diesen "feuchtfröhlichen" Gewässern ist es meiner Erfahrung nach äußerst schwierig, sich auf eine bestimmte Lieblingsszene zu einigen. Die Auswahl an legendären Augenblicken ist einfach zu groß. Ich will aber behaupten, dass es in diesen Filmen einige Szenen gibt, die einerseits - ihm Einklang mit dem Rest - völliger Unfug sind, andererseits jedoch klassische Filmsituationen aufgreifen, die zentrale Wendepunkte im Handlungsverlauf eines Films bedeuten und diese auf großartige und intelligente Weise durch den Kakao ziehen. 

Kinoquatsch im Weltraum

In der Star Wars-Parodie Spaceballs (1987) von Mel Brooks findet sich eine Szene, die an Quatsch eigentlich nicht zu übertreffen ist. Der furchtbar böse Lord Helmchen und seine Crew sind auf der Suche nach Prinzessin Vespa und ihren Freunden und wissen sich in ihrer Ratlosigkeit über deren Aufenthaltsort nicht anders zu helfen, als diesen über die VHS von Spaceballs herauszufinden. In der Tat, die Bösen schauen sich im Film den Film an, um an die nötigen Infos zu kommen, damit der Plot des Films fortgesetzt werden kann. Aber seht selbst...

Der Clou an dieser Szene - die schließlich zu dem allzu wörtlich ausgeführten Befehl, die Wüste zu durchkämmen führt - ist, dass hier eine Situation auf die Spitze getrieben wird, die im Kino zu den oft unlogischen Handlungselementen gehört. Es geht um die traditionelle Erzählkette "Gefahr, Flucht, Verfolgung, Versteck, Suche, Entdeckung"Irgendjemand (mit bösen Absichten) sucht jemanden (die Identifikationsfigur/en) aus einem ganz bestimmten Grund und findet diese flüchtige Person/Gruppe unverhältnismäßig schnell, auch wenn diese sich wirklich gut irgendwo im Unterholz versteckt hat/haben. Bevor wir uns als Zuschauer fragen können, wie das so flott gelingen konnte, nimmt die Verfolgungsjagd sofort wieder an Fahrt auf, wobei im besten Fall noch eine unverständliche Erklärung für die erfolgreiche Fahndung hinterhergeschoben wird. Seit Spaceballs wissen wir, auf welches Mittel die Jäger in aller Heimlichkeit zurückgreifen. 

Kinoquatsch im Krimi

Auch in Die nackte Kanone (1988) gibt es eine solche Szene, die ein typisches Krimi-Element auf unnachahmliche Weise auf die Schippe nimmt. Lt. Frank Drebin ist am Hafen auf der Suche nach Informationen über seinen Kollegen Nordberg, der dort auf einer Undercover-Mission übel zugerichtet wurde. Also knöpft sich Drebin mögliche Augenzeugen vor und hilft deren Erinnerungen mit etwas Kleingeld auf die Sprünge. So weit, so bekannt. 

Wieder handelt es sich um eine Situation, die den filmischen Erzählfluss betrifft und nicht selten ungeduldig abgewickelt wird, damit die Handlung nicht ins Stocken gerät. Der Ermittler tappt also im Dunkeln und ist auf der Suche nach Hinweisen, damit er in seinem Fall vorankommt. Was der Mann braucht ist einen ersten, simplen Anhaltspunkt und um diesen zu bekommen, ist ihm jedes Mittel recht. Mal schreckt er dubiose Gestalten auf, die ihm noch einen Gefallen schulden, mal zückt er ein paar Scheine, um die Zunge vermeintlicher Insider zu lösen. Wie immer der Ermittler auch vorgehen mag, bei Rückfragen heißt es meist: „Die Fragen betreffen ein laufendes Ermittlungsverfahren. Deshalb erst mal keine Aussage.“ Das ist ein ehrenhafter Zug, doch wir wissen natürlich, wie korrupt es in diesem Business normalerweise zugeht. In Die nackte Kanone wird auch diese Seite im Sinne der Aufklärung eindrucksvoll beleuchtet.  

Kinoquatsch im Sandalenfilm

Bei so viel Blödsinn würde es nicht überraschen, wenn der Colonel aus Monty Python's Flying Circus urplötzlich in Erscheinung tritt und pflichtgemäß interveniert. Seine Aufgabe besteht nämlich genau darin, Sketche zu beenden, sobald sie zu albern erscheinen, wobei er die wohl absurdeste Szene in der Vita seiner Schöpfer übersehen haben muss. In Das Leben des Brian (1979) der legendären britischen Komikertruppe flüchtet Brian mal wieder vor den Römern. In seiner Verzweiflung rennt er einen Turm hinauf und fällt herunter. Was dann passiert, ist mit einem "Was zur Hölle..." nicht besser zu beschreiben. 

Wie oft wurden wir in Filmen Zeuge davon, wie jemand verfolgt wird, in seiner Hast irgendwo herunterfällt, glücklicherweise auf einem Autodach landet, sich kurz schüttelt und einfach so, als ob nichts gewesen wäre, munter weitermarschiert? Oder die flüchtige Person landet unbeschadet in einem Gebüsch, auf einer Markise, im Altpapiercontainer. Ein fallender Protagonist, der den sicheren Tod vor Augen hat und zufällig von einem vorbeifliegenden UFO aufgegabelt wird, ist in diesem Kontext nicht zu toppen. Was für ein "lucky bastard!" Und was für ein herrlich köstlicher Quatsch

Die ausgewählten Beispiele stammen allesamt aus Filmen, die sich ihre Freiheit nehmen, althergebrachte und habituelle Erzählmuster im Film auf eine Weise zu parodieren, die es quasi unmöglich macht, diese an blödsinnigen Einfallsreichtum noch zu übertreffen. Sie loten damit die Grenze dieser klassischen Filmsituationen aus und bewahren dabei gleichzeitig die charakteristischen Eigenschaften des Originals. Aus meiner Sicht bedeuten diese Kunstgriffe das gewisse Etwas, die Sahneseite dieser Filme, die an vielen Stellen sehr viel lustiger sind, aber selten so quatschig und genial wie hier. Wie es gelingt, dem Ganzen noch eine gewisse Tiefe mitzugeben, erfahrt ihr im letzten Teil der Reihe, über Filme, die sich noch mal in ganz anderer Hinsicht von einer anarchischen Seite zeigen.

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