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Tatort

Platt, aber menschlich - Penner, Stricher, Polizisten

05.10.2009 - 07:12 Uhr
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Kölner Ermittler sind immer im Einsatz - Selbst beim Currywurst knabbern
© ARD / WDR
Kölner Ermittler sind immer im Einsatz - Selbst beim Currywurst knabbern
Das Kölner-Tatort-Team ermittelte in der Obdachlosen-Szene und balancierte gekonnt mit einem komplexen Plot zwischen aidskranken Schönheitschirurgen und bösartigen Büdchenbesitzern.

Zwischendurch wurde es immer mal wieder belehrend. “In Köln gibt es fast 8.000 Obdachlose”, durfte Klaus J. Behrendt alias Max Ballauf sinnieren und mit dem Kollegen Schenk (Dietmar Bär) diskutieren, ob man jetzt Penner, Berber, Sandler oder Bettler zu ihnen sagen soll. Natürlich hatte der gestrige Tatort eine Mission, natürlich wollte er auf das Elend der Obdachlosen in Deutschland aufmerksam machen.

Foto-Show: die Bilder vom “Tatort: Platt gemacht”

Das war nicht immer elegant und am Ende, wenn die Höhner eine Berberhymne sangen, auch ein bißchen arg dick aufgetragen. Und trotzdem: Der Tatort: Platt gemacht bot spannende und überraschende Krimiunterhaltung am Sonntagabend. Das lag nicht nur an dem erprobten und sympathischen Team, dessen Altherren-Frotzeleien auch diesmal wieder funktionierten, sondern auch an der etwas konstruierten Story, deren Auflösung erst kurz vor Schluss erkennbar war.

Überraschend waren vor allem die gegen das Klischee inszenierten Figuren, fast wirkte es, als haben die Macher bewusst mit der Erwartungshaltung des Zuschauers gespielt. Der zwielichtige schwule Schönheitschirurg war am Ende einfach nur entwaffnend ehrlich und keineswegs der typische böse Bonzen-Schnösel. Auch seine Beziehung zum getöteten Stricher war keinen wirklichen Skandal wert. Genausowenig wie der Ex-Kollege von Schenk, der dankenswerterweise tatsächlich sympathisch bleiben durfte und sich nicht in letzter Minute als wahrer Täter entpuppte, der seinen Freund in moralische Zweifel stürzt.

Kleine Verdächtige blieben kleine Verdächtige, die hasserfüllte Büdchenbesitzerin und ihr Enkel waren kein Teil des großen Ganzen, sondern eine glaubwürdig ins Leere laufende Spur. Auch so kann polizeiliche Ermittlungsarbeit aussehen. Eine Paraderolle hatte natürlich Udo Kier als Obdachloser Beethoven, der sich hier einmal liebenswert geben durfte, aber alleine durch sein bisheriges Rollenportfolio genug Zweifel an seiner Figur aufkommen ließ, dass es bis zum Ende spannend blieb.

Das Ende hatte natürlich soaphafte Züge, wenn sich Beethoven nicht nur als Unfallfahrer entpuppte, der versehentlich die Familie von Schenks Ex-Kollegen umbrachte, sondern auch noch als Millionenerbe einer Elektronik-Kette. Und wenn die freundliche, schuldengeplagte Anwältin als dessen Cousine enttarnt wurde, die selbst auf das Millionenerbe spekulierte und deswegen versehentlich die falschen Penner mit Glykol aus dem Weg räumte.

Die guten Darsteller und die selbstironische Inszenierung schafften es aber auch, diese leicht holprige Auflösung zu überspielen und am Ende stellte sich dann, bei allem Pathos, doch ein sentimentaler sympathischer Optimismus ein. Zumindest im Film haben die Obdachlosen noch eine Chance.

Hier zählt eure Meinung zum Tatort: Platt gemacht! Verklärender Sozialkitsch oder gelungener Krimi mit sozialer Botschaft? Jetzt mitdiskutieren.

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