Zum 45. Geburtstag

Patrick Wilson - Ein bemerkenswerter Weg zwischen Kommerz und Indie

Patrick Wilson
© Splendid/WVG
Patrick Wilson
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"I read about this guy, gets on the MTA here, dies. Six hours he's riding the subway before anybody notices his corpse doing laps around L.A., people on and off sitting next to him. Nobody notices."

Als Patrick Wilson 2015 im Interview zu Bone Tomahawk für Roger Ebert.com gefragt wird, auf welche Rollen er momentan am meisten Lust hätte, antwortet der Schauspieler, dass ihn alles interessieren würde, was abwechslungsreich ist. Eine Aussage, die kaum besser zu Wilson passen könnte, der sich neben Hauptrollen in den kommerziell überaus erfolgreichen Horror-Franchises Insidious und Conjuring stets eine Hintertür offengelassen hat, um weiterhin in Filmen wie dem anfangs erwähnten Bone Tomahawk mitzuwirken. Einen Schauspieler von ähnlichem Bekanntheitsgrad wie Wilson würden wir für gewöhnlich nur schwer in einem solchen Film vermuten, der Elemente aus dem Western- und Horror-Genre derart sperrig kombiniert und zwischen erzählerischer Elegie im Finale plötzlich noch die abstoßende Splatter-Keule auspackt.

Mit Blick auf Wilsons Werdegang ist der Film von S. Craig Zahler allerdings nur ein weiteres passendes Puzzleteil einer Laufbahn, auf der der Schauspieler einen bemerkenswerten Weg zwischen Kommerz und Indie beschreitet. Anlässlich seines heutigen 45. Geburtstags blicken wir zurück auf die Karriere von Patrick Wilson, der im Vergleich zu vielen seiner Schauspielkollegen gewissermaßen die entgegengesetzte Richtung gewählt hat.

Patrick Wilsons gewagter Anfang als Filmschauspieler

Nach seinen Anfängen als Theaterdarsteller sticht ein Film besonders aus der frühen Karriere von Patrick Wilson als Filmschauspieler hervor: Hard Candy von David Slade. An der Seite der jungen Ellen Page spielt Wilson in dem Streifen einen 32-jährigen Fotografen, der sich einer 14-Jährigen annähert, die ihm keineswegs abgeneigt zu sein scheint. Als die von Wilson gespielte Figur kurz nach einem Treffen mit dem Mädchen an einen Stuhl gefesselt erwacht, wandelt sich Hard Candy umgehend in einen psychopathischen Thriller-Albtraum, der schwierige Themen wie Pädophilie und Selbstjustiz verhandelt.

Trotz der Tatsache, dass Patrick Wilson zum damaligen Zeitpunkt noch ein recht unbeschriebenes Blatt im Filmgeschäft war, überrascht die mutige Rollenwahl in dieser Phase seiner gerade erst vier Jahre andauernden Kino-Karriere. Während andere Darsteller in einer ähnlichen Situation wohl am liebsten die Gelegenheit ergreifen würden, durch eine unerwartete, herausfordernde Rolle einen höheren Bekanntheitsgrad zu erlangen, riskierte Wilson anscheinend bewusst, dass das Publikum nach dem Ansehen von Hard Candy vielmehr über den Film selbst als über ihn als Schauspieler diskutieren würde. Eine Entscheidung, die ideal zu Wilsons bevorzugtem Rollenschema passt, das ebenso aus interessanten, abwechslungsreichen Figuren besteht wie aus Themen und Inhalten, die vor den eigentlichen Schauspieler rücken sollen.

Patrick Wilsons vielfältige Rollenwahl zwischen Film und Fernsehen

Im weiteren Verlauf seiner Karriere zeigte sich Patrick Wilson als verlässlich unberechenbar Schauspieler, der in Rollen in vielfältigsten Filmen gleichermaßen zu sehen war wie als Serienschauspieler. Hierbei waren kurze Gastauftritte wie beispielsweise in Girls von Lena Dunham ebenso vertreten wie eine Hauptrolle in der 2. Staffel von Fargo. Auch im Filmbereich schien Wilson dem großen Durchbruch als namhafter Star stets offensiv entgegenzusteuern. In größeren Blockbustern wie Das A-Team oder der Comic-Verfilmung Watchmen war Wilson zwar präsent, doch auch hier machte er als Schauspieler nie den Eindruck, als wolle er die jeweilige Figur als Sprungbrett nutzen, um in die nächsthöhere Bekanntheitsliga aufzusteigen.

Selbst, wenn ihn seine Beteiligung an einem Horrorfilm wie Insidious von James Wan zum Teil eines jahrelang fortlaufenden Franchise machen könnte, entschied sich Patrick Wilson dazu, nebenbei weiterhin in Filmen von kleinerem Format aufzutreten. Werke wie die Actionkomödie Stretch und das Politdrama Zipper, in denen Wilson die Hauptrolle spielt, zählen dabei zu jener Sorte Film, denen von vornherein nicht einmal ein breiter Kinostart in Aussicht gestellt wird und die lediglich über Video-on-Demand-Plattformen sowie Mundpropaganda ein interessiertes Publikum erreichen. Trotzdem schien Wilson solche Rollen bisher stets mit großer Zuversicht und Vertrauen zum Material zu spielen. Im Interview mit The Daily Beast sprach er ebenfalls 2015 darüber, dass er keinesfalls die vierte Hauptrolle in einem Film spielen wolle, den jeder sehen, aber sich dann keiner für seine Figur interessieren würde.

Patrick Wilsons Schauspielzukunft zwischen DC-Verfilmung und Episoden-Horror

Im Interview mit Roger Ebert.com zeigte sich Patrick Wilson allerdings wesentlich aufgeschlossener gegenüber der Aussicht, in Zukunft weniger kleine Rollen in schmalen Independent-Filmen anzunehmen und sich dem großen Blockbuster-Bombast vermehrt anzunähern. Mit dem noch in diesem Jahr erscheinenden DC-Superheldenfilm Aquaman scheint sich der Schauspieler diesen Wunsch bereits nachdrücklich erfüllt zu haben. In dem Blockbuster spielt Wilson die Rolle von Aquamans bösem Halbbruder. Dass er sich zu einer solchen Rolle hinreißen ließ, dürfte sicherlich damit zu tun haben, dass sein alter Insidious-Weggefährte James Wan für die Regie verantwortlich zeichnet.

Werfen wir einen Blick auf die IMDb-Seite von Patrick Wilson, so scheint hinter seiner Interview-Aussage von 2015 allerdings nur die halbe Wahrheit zu stecken. So findet sich bei den abgedrehten Projekten direkt unter Aquaman ein Film namens Nightmare Cinema. Bei der Horror-Anthologie sind Filmemacher wie Mick Garris, Joe Dante und David Slade für die mehreren kurzen Episoden verantwortlich. Mit dabei: Patrick Wilson, dem wir hiermit herzlich zum 45. Geburtstag gratulieren und von dem wir uns wünschen, dass er uns zwischen gut ausgesuchten Mainstream-Projekten und reizvollen Schlenkern in den Indie-Bereich weiterhin zu überraschen weiß.

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"I read about this guy, gets on the MTA here, dies. Six hours he's riding the subway before anybody notices his corpse doing laps around L.A., people on and off sitting next to him. Nobody notices."
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