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One-Punch Man - Ein super gelangweilter Held

One Punch Man - Opening (OV) HD
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One-Punch Man
11.02.2016 - 10:25 UhrVor 5 Jahren aktualisiert
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Basierend auf einem erfolgreichen japanischen Webcomic von One erschien erst vor Kurzem die ebenso witzige wie brutale Anime-Serie One-Punch Man. Warum ein trübsinniger und verschrobener Charakter wie Saitama trotzdem ein großartiger Superheld ist und selbst mich als Anime-Neuling überzeugen konnte, erfahrt ihr hier.

Wenn ein Superheld mit seiner Superkraft auf einen Superschurken trifft, dann erwartet uns Zuschauer normalerweise ein ausladender Kampf epischen Ausmaßes - ich sage nur: Dragon Ball Z. Bei One-Punch Man verhält es sich ganz anders: Der Superheld Saitama erledigt wirklich jeden Gegner mit nur einem einzigen gezielten Schlag. Und das sorgt vor allem für Zweierlei: Langeweile bei Saitama und jede Menge Spaß beim Zuschauer. Deswegen widme ich mein Herz für Serie dieses Mal der ebenso genial-witzigen wie brutalen Anime-Serie One-Punch Man.

Darf ich vorstellen: Saitama

Super-Schlag & Super-Langeweile

Saitama ist, sagen wir, anders als andere Superhelden. Er hat zum Beispiel so hart trainiert, dass ihm sämtliche Haare ausgefallen sind. Und mit nur einem Hieb kann er die größten und mächtigsten Gegner platt machen - völlig egal, welches Monster sich ihm in den Weg stellt: Saitama muss seinen Kontrahenten nur einmal mit der Faust treffen und er ist erledigt. Aber dieser Umstand macht Saitama nicht etwa fröhlich, sondern vielmehr trübsinnig und gelangweilt, ja fast schon depressiv. Saitama findet einfach keine echten Gegner mehr. Sein größter Widersacher ist eigentlich sein Wecker, denn dieser reißt ihn regelmäßig aus seinen Träumen, in denen er auf Monster trifft, die mal zur Abwechslung wirklich eine Herausforderung darstellen. Dabei ist er jedoch genau der Superheld, den die Stadt City Z vielleicht nicht verdient, aber braucht, denn diese und auch die Nachbarstädte werden regelmäßig und beunruhigend häufig von den grässlichsten Monstern heimgesucht - zum Beispiel von einem Mann, der zur Hälfte Krabbe ist (obenrum), dem Sea King oder einem monströsen Riesen. Dabei reicht das Monster-Spektrum von absurd bis beängstigend.

Saitama & das Superheldentum

Unser One-Punch Man findet in City Z also jede Menge abstruser Monster zum Verprügeln, doch leider entspricht die Dauer dieser Kämpfe nie seinen Wünschen. Da kann man schon mal Trübsal blasen. Er ist ja auch eigentlich nur so nebenbei Superheld und außerdem wird er vom Cyborg Genos auch noch genötigt, ihn auszubilden. Als Saitama aber außer von Genos nach drei langen Jahren Monster verprügeln und Menschen retten von der Bevölkerung noch immer nicht als Superheld erkannt wird, schließt er sich einer Superhelden-Vereinigung an. Doch dazu muss er anfangs einen praktischen und einen schriftlichen Superheldentest bestehen und landet leider in der C-Klasse, der untersten Klasse, weil er den schriftlichen Teil der Prüfung verhaut - irgendwie schmälert das den Reiz und Flair des Superheldentums ein klitzekleines bisschen.

Wegen seiner etwas schrägen Art nehmen seine späteren Superhelden-Kollegen unseren One-Punch Man nicht wirklich ernst. Doch seine Superkräfte bleiben auch ihnen nicht verborgen und Saitama wird mehrfach zum Duell herausgefordert und findet zum Beispiel in dem Ninja Sonic einen Konkurrenten. Außerdem muss Saitama Aufgaben erfüllen, um in den Superheldenrängen aufzusteigen. Womit sich Saitama nicht alles herumschlagen muss. Aber all das nimmt unser Held mit der zu erwartenden Gelassenheit.

Hier passiert rein gar nichts Aufregendes ...

Super Anime & Superheldenparodie

Passenderweise ist die einzige andere Anime-Serie, die ich intensiv gesehen habe, Dragonball Z. Wenn ihr die Serie gesehen habt, dann dürften auch euch bei One-Punch Man recht schnell gewisse Parallelen zur DBZ-Welt auffallen, die jedoch auf amüsante Weise parodiert werden. Dem unglaublich starken Son Goku in Dragonball und Dragon Ball Z stellen sich immer wieder mächtige Gegner in den Weg, einer stärker als der andere. Und die Kämpfe dauern immer eine gefühlte Ewigkeit - die Frieza-Saga zieht sich zum Beispiel über ganze 32 Folgen  (wohlgemerkt in der ungeschnittenen Version, in der gekürzten Kai-Version sind es zum Beispiel dann "nur" noch 18). Und dabei wird Son Goku immer stärker und die Gegner werden auch immer stärker und alle werden immer stärker ... Versteht mich nicht falsch, ich mag Dragon Ball Z und auch die ausladenden Kämpfe. Aber One-Punch Man parodiert das Ganze auf eine einfache aber geniale und sehr treffende Weise. Die Monster sind dabei herrlich überzeichnet sowie übertrieben und wirken allesamt wie epische Endgegner, aber ein Schlag von Saitama reicht und sie sind erledigt. Damit unterläuft die Serie auf abrupte Weise all unsere Erfahrungen und Erwartungen, die wir mit klassischen Animes à la Dragonball und Dragon Ball Z bisher gesammelt haben: "Oh der Gegner ist ziemlich stark, das wird bestimmt ... oh, schon vorbei? Aber ... Moment, was?" Auch das Superheldentum an sich wird karikiert, zum Beispiel mit lächerlichen Superhelden-Pseudonymen, und One-Punch Man erweist sich als gelungene Parodie sowie zugleich als in sich stimmige und unterhaltsame Anime-Serie.

Anpanman und Wanpanman

One-Punch Man ist außerdem eine Parodie der in Japan äußerst beliebten Kinder-Anime-Serie Anpanman. Der Protagonist, Anpanman, ist in Japan überall bekannt und bringt dort als Markenfigur  sogar mehr Geld ein als Hello Kitty- oder Pokemon-Merchandise. Im Japanischen wird One-Punch Man auch kurz Wanpanman genannt. Das Monster in Folge eins, Vaccine Man, den ich direkt für Piccolo aus DBZ hielt, ist demnach eigentlich eine Anspielung auf Baikinman, einen markanten Bösewicht aus Anpanman. Vermutlich ist Vaccine Man eine Mischung aus beiden.

Piccolo aus DBZ, Vaccine Man aus OPM und Baikinman aus Anpanman

Anpan ist übrigens der Name eines japanischen Desserts: ein süßes Brötchen, das mit Bohnenpaste gefüllt ist. Da stellt sich mir doch die Frage, warum japanische Animes ihre Protagonisten so gerne nach Nahrungsmitteln benennen (siehe Dragonball ) - aber das nur am Rande.

One-Punch Man bietet lustige und interessante Charaktere und viele irrwitzige und actionreiche Kämpfe, die trotz Saitamas Superschlag keineswegs zu kurz kommen. Dazu kann man sich an den beeindruckenden Animationen satt sehen, die zusammen mit der Musik One-Punch Man zu einem echten Serienerlebnis machen. Das Ganze wird abgerundet mit einem extrem trockenen Humor und unzähligen Seitenhieben auf die Superheldenwelt der Mangas und Animes. Wenn brutale wie selbstironische Superheldenaction euren Geschmack treffen, dann solltet ihr euch One-Punch Man unbedingt ansehen - auf der Streamingseite Daisuki  findet ihr die komplette erste Staffel mit englischen Untertiteln, bei Anime On Demand  auch mit deutschen Untertiteln.

Habt ihr One-Punch Man schon gesehen?

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