Mogli bei Netflix: Die wichtigsten Unterschiede zu Disneys Jungle Book

Mogli - Trailer 2 (Deutsch) HD
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Mogli und The Jungle Book
08.12.2018 - 08:50 UhrVor 2 Jahren aktualisiert
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Andy Serkis' düstere Dschungelbuch-Adaption Mogli ist endlich bei Netflix gelandet. Wir vergleichen das Abenteuer einmal näher mit Disneys Realverfilmung The Jungle Book aus dem Jahr 2016.

Es war eine der Knallermeldungen des Filmjahres 2018: Der Streaming-Dienst Netflix hat sich im vergangenen Juli überraschend den Blockbuster Mogli gesichert und damit seinen bislang größten Coup gelandet. Erst vor knapp zweieinhalb Jahren kam mit The Jungle Book eine neue Disney-Interpretation der berühmten Dschungelbuch-Geschichte in die Kinos, was das ursprünglich für Mogli - Legende des Dschungels zuständige Studio Warner in die Bredouille brachte. Schließlich nutzte Netflix die Chance und riss den potentiellen Kassenflop an sich. Der erste Trailer zu Mogli ließ durchblicken, dass die Version von Motion-Capture-Papst Andy Serkis ziemlich düster daherkommt, doch wie hebt sich sein neuer Anstrich für das Dschungelbuch nun wirklich konkret von Jon Favreaus Verfilmung aus dem Jahr 2016 ab? Wir vergleichen die beiden Filme miteinander und zeigen die gravierendsten Unterschiede auf. Achtung, es folgen Spoiler zu Mogli!

Mogli: Legende des Dschungels zeigt uns ein Menschendorf aus der Nähe

Eine der spannendsten, potentiell aber auch kontroversesten Entscheidungen, die die Macher von Mogli getroffen haben, ist die tiefergehende Einbeziehung eines Menschendorfs. Eben hier landet der von Rohan Chand verkörperte Protagonist nämlich, nachdem er von jenem Wolfsrudel, das ihn großzog, verbannt wurde. Zunächst halten ihn die Einwohner noch in einem Käfig gefangen, dann aber beginnt Mogli langsam, sich unter anderen Menschen wohlzufühlen. Durch die temporäre Verlagerung der Geschichte in das Dorf verschärfen Regisseur Serkis und seine Autoren Moglis Identitätskonflikt: Einerseits möchte der Junge unbedingt den Wölfen angehören, letztlich aber kann er trotz jahrelanger Konditionierung im Dschungel durch Balu (Andy Serkis) und Bagheera (Christian Bale) nicht aus seiner menschlichen Haut, da ihm schon körperlich gewisse Grenzen gesetzt sind.

Mogli

Eine Schlüsselposition in Mogli fällt insbesondere dem Jäger John Lockwood (Matthew Rhys) zu, mit dem die Titelfigur im Dorf Bekanntschaft schließt und den Andy Serkis neu etabliert. Allerdings wandelt sich Moglis zunächst positives Bild von Lockwood im Verlauf der Handlung, denn dieser entpuppt sich als skrupelloser Zeitgenosse, der - genau wie der Tiger Shir Khan (Benedict Cumberbatch) - das Gleichgewicht des Dschungels willkürlich durcheinander bringt. Speziell über den Charakter des Jägers (aber auch das Dorf im Allgemeinen) verhandelt der Film recht explizit das Thema Kolonialismus und steht der literarischen Vorlage insoweit näher als The Jungle Book von 2016.

Der Hauptcharakter in Mogli hat einen ganz besonderen besten Freund

In Gestalt des Albino-Wolfs Bhoot (im Original gesprochen von Andy Serkis' Sohn Louis Ashbourne) lernen wir in Mogli eine weitere Figur kennen, die bei Jon Favreau nicht auftaucht. Durch seine innige Freundschaft zu Bhoot wird der komplizierte Status von Mogli innerhalb der Dschungelhierarchie verdeutlicht, zumal beide als Außenseiter des Wolfsrudels eine schwere Last zu tragen haben. Zwar wird Mogli im Gegensatz zu Bhoot immerhin nicht von anderen Wölfen schikaniert, so richtig zugehörig ist er aber eben auch nicht. Gerade ihre Andersartigkeit verbindet Mogli und den weißen Wolf, von weiteren tragischen Entwicklungen der Handlung ganz zu schweigen.

Mogli

Auf King Louie wartet ihr in Mogli: Legende des Dschungels vergebens

King Louie ist eine von Disney erfundene Dschungelbuch-Figur, die folglich in den Büchern von Rudyard Kipling nicht auftaucht. Auch in Serkis' Adaption lässt sich der berühmte Orang-Utan nicht blicken, was die Vorlagentreue von Mogli untermauert. Auch an dieser Stelle unterstreicht der Regisseur mithin seine Ambition, sich klar von den Filmen des Mäusekonzerns zu emanzipieren. Sowohl in der Zeichentrickfassung von 1967 als auch bei Jon Favreau möchte der Affe Louie durch Mogli Wissen über die Menschen und ihre Werkzeuge erlangen. In Mogli dagegen fehlt von ihm jegliche Spur.

Mogli kommt ohne ikonische Songs aus und lässt es verdammt ernst angehen

Probier's mal mit Gemütlichkeit? Von dieser Lebenseinstellung gibt es in Mogli nicht viel zu entdecken - und das im mehrfachen Sinne. So verzichtet Andy Serkis komplett auf jene Songs, die Disneys Animationsfilm aus den 1960er Jahren in einen Klassiker verwandelten und auch die Neuauflage des Studios durchziehen. Zugutehalten müssen wir Serkis dabei, dass der buchstäbliche Mangel an Melodien zum ernsten Erzählton von Mogli durchaus passt. Balu beispielsweise ist hier ohnehin nicht mehr der gut gelaunte, hedonistische Disney-Bär, vielmehr unterzieht er seinen Freund Mogli regelmäßig einem strengen Dschungel-Training. Zu lachen gibt es dabei denkbar wenig.

Balu in Mogli

Der Gewaltfaktor in Mogli: Legende des Dschungels ist beachtlich

Ist Mogli überhaupt noch ein Kinder- bzw. Familienfilm? Diese Frage ist im Ergebnis schwierig zu beantworten, weil Andy Serkis keineswegs mit Blut und Gewalt geizt. Der Tod ist in seinem Abenteuer gegenwärtiger als bei allen Dschungelbuch-Verfilmungen zuvor, zu sehen gibt es zum Beispiel Tierkadaver und im finalen Drittel sogar den abgetrennten Kopf von Moglis Freund Bhoot. Das ist für jüngere Zuschauer zwar ziemlich harter Tobak, doch bei Andy Serkis steht nicht weniger als das Überleben des Dschungels auf dem Spiel, den wiederum der Regisseur als empfindlichen Organismus und Mythos zugleich begreift.

Fazit: Der Mogli-Film bei Netflix ist ein kompromissloses Experiment

Zweifellos hält Mogli, was der Trailer verspricht: Der neue Dschungelbuch-Film hebt sich konsequent von den Disney-Adaptionen ab und bewegt sich stattdessen nahe an der literarischen Vorlage. In der Tat wäre Warner mit einem regulären Kinostart ein großes Risiko eingegangen, die Verwertung des Großprojekts über Netflix ergibt somit absolut Sinn. Unbedingt solltet ihr eure Erwartungen dementsprechend anpassen, bevor ihr euch bei dem Streaming-Dienst einloggt, um in die Welt von Mogli einzutauchen.

Habt ihr Mogli schon auf Netflix gesehen? Wie hat er euch gefallen?

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