Marvel's Inhumans - Pures Chaos in der Marvel-Maschinerie

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Marvel's Inhumans
01.10.2017 - 08:50 UhrVor 4 Jahren aktualisiert
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Vor rund zwei Wochen feierten die ersten zwei Episoden von Marvel's Inhumans in Deutschland im IMAX ihre Premiere. Nun startet die neue MCU-Serie regulär auf ABC. Wie schlägt sich die königliche Inhumans-Familie?

Marvel's Inhumans hat eine lange und ereignisreiche Geschichte im Marvel Cinematic Universe (MCU) hinter sich. Erst als Kinofilm angekündigt, wurde das Projekt später wieder abgeblasen, ehe eine Serie auf ABC die königliche Familie der Inhumans doch noch ins Franchise integrieren sollte. Doch nicht nur im Fernsehen sollten die vergleichsweise unbekannten Marvel-Helden ihr Debüt feiern. In Kooperation mit IMAX waren die ersten beiden Episoden in einer leicht veränderten Fassung sogar schon auf der großen Leinwand zu sehen und sollten somit die Brücke zwischen den zwei großen Projektionsflächen schlagen, auf denen das MCU seit fast einer Dekade ausgerollt wird. Eine ambitioniertes Unterfangen, dass schlussendlich aber für mehr Fragezeichen sorgt als in irgendeiner Hinsicht zu begeistern. Marvel's Inhumans ist ein rarer Fall von purem Chaos in der sonst so perfekt geölten Marvel-Maschinerie.

Sehr viel Respekt gebührt nicht nur den Menschen, die für die bisherigen Casting-Entscheidungen des MCU verantwortlich sind, sondern ebenfalls all den kreativen Köpfen, die es geschafft haben, zweit- bis drittklassigen Figuren aus dem Comic-Universums in greifbare Charaktere zu verwandeln, die nicht nur Teil eines Superhelden-Teams sind, sondern unter Umständen auch ihren eigenen Kinofilm stemmen können. Bereits der von Robert Downey Jr. verkörperte Tony Stark aka Iron Man war ein riskantes Glücksspiel. Spätestens mit Paul Rudds Inkarnation von Scott Lang, der als Ant-Man seine Größe verändern kann, demonstrierte Marvel Studios, dass sie spielerisch in der Lage sind, selbst sperrige Superhelden in die coole A-Liga zu katapultieren. War die Trefferquote bis dato erstaunlich hoch, scheint Marvel's Inhumans alle ausgebliebenen Ausfälle der letzten Jahre nachzuholen. Ab einem gewissen Punkt lässt der Serienauftakt einen nur noch mit dem Kopf schütteln.

Crystal und die riesige Bulldogge Lockjaw

Gerade bei einer Serie, die im Rahmen ihrer 1. Staffel acht 45-minütige Episoden umfasst und im Idealfall nächstes Jahr mit neuen Abenteuern zurückkehrt, sollte die Einführung der Figuren absolute Priorität genießen und das Fundament dafür legen, um von Woche zu Woche einzuschalten. Scott Buck, seines Zeichens Creator, Showrunner und Drehbuchautor der ersten zwei Episoden, sieht jedoch keine Dringlichkeit, die Inhumans rund um Black Bolt (Anson Mount), Medusa (Serinda Swan) und Co. näher vorzustellen. Grob bekommen wir als Zuschauer einen Abriss ihrer Welt und Fähigkeiten offeriert, aber ohne lückenfüllenden Kontext oder den Hauch einer Dynamik. Scott Buck, der schon bei Marvel's Iron Fist das notwendige Gespür für das Zusammenspiel seiner Figuren vermissen ließ, beweist mit Marvel's Inhumans einmal mehr, dass er wahrlich kein Autor dramatischer, berührender, geschweige denn nachvollziehbarer Momente ist.

Tragischerweise gesellt sich mit Roel Reiné ein Regisseur dazu, der bisher vorwiegend im B-Movie Bereich tätig war, was an sich nichts Schlechtes ist. Problematisch ist nur, dass Roel Reiné sein Handwerk stumpf an Marvel's Inhumans anwendet. Die Produktion wirkt, als wäre sie so schnell wie möglich über die Bühne gebracht worden, ohne in Kulissen, Kostüme und Design zu investieren, was besonders in Verbindung mit dem IMAX-Aushängeschild irritiert. Es gibt keinen Grund, warum ausgerechnet diese zwei Episoden auf den größten Leinwänden der Welt zu sehen waren, gibt sich der Regisseur doch sichtlich so wenig Mühe, um den Inhumans-Kosmos aufregend zu gestalten und die Fähigkeiten der einzelnen Helden einfallsreich in Szene zu setzen. Wenn hier die Zeitlupe greift, ist das Maximum an gestalterischer Energie aufgebraucht. So unattraktiv das Marvel Cinematic Universe manchmal aussehen mag, Marvel's Inhumans strotzt geradezu vor entsetzlichen Hässlichkeiten.

Black Bolt und sein Bruder Maximus

Dass hier mit dem geringen Budget einer Serie gehandelt werden musste, kann als Ausrede nur bedingt akzeptiert werden - da zumindest im Fall der ersten beiden Episoden IMAX die Finanzierung ermöglichte. Marvel's Inhumans wirkt, als wäre die Serie produziert worden, ohne, dass sich jemand der Verantwortlichen wirklich dafür interessiert hat. Ansonsten wäre der lieblose Umgang mit der Materie kaum zu erklären, denn selbst wenn die Inhumans nicht zu den populärsten Comic-Figuren gehören, so verbirgt sich in ihnen durchaus Potential, das es verdient, ausgeschöpft zu werden. Da wäre zum Beispiel die Tragik eines Königs, der nicht reden kann, weil er ansonsten sein komplettes Königreich zerstören würde. Dazu kommt ein rivalisierender Bruder, der dem Menschengeschlecht näher ist als dem Inhumans und somit zum Außenseiter der Familie avanciert. Was folgt, ist ein Putsch, der beinahe im verzweifelten/ungewollten Brudermord endet.

Es ist frustrierend zu sehen, wie schlecht entsprechende Szenen geschrieben und umgesetzt sind. Marvel's Inhumans versagt am grundsätzlichen Worldbuilding, das die Serie so dringend nötig hätte, zumal sie von einer wirklich interessanten Welt erzählt, die auch ein neues Licht auf die mehr oder weniger festgefahrenen Strukturen des Marvel-Universums wirft. So sehen die Inhumans in den Menschen nicht nur eine Gefahr, da diese vorrangig zur kriegerischen Auseinandersetzung neigen, sondern auch eine niedere Spezies, die im Untergrund arbeiten muss, während es sich die begabte Schicht am anderen Ende der Nahrungskette gut gehen lässt. Nach knapp eineinhalb Stunden erweckt Marvel's Inhumans allerdings den Eindruck, mit einer solch komplexen, aber serienfreundlichen Thematik völlig überfordert zu sein. Selbst Lockjaw, die riesige Bulldogge der Inhumans, die sich teleportieren kann, sorgt am Ende für nicht mehr als ein müdes Schulterzucken.

Die ersten zwei Episoden von Marvel's Inhumans waren in Deutschland für drei Tage im IMAX zu sehen. In den USA startete die Serie am 29.09.2017 auf ABC. Ein Sender für die hiesige Ausstrahlung hat sich noch nicht gefunden.

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