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Kritik zu »Moon«

04.10.2016 - 15:40 UhrVor 4 Jahren aktualisiert
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Mann auf dem Mond: Sam Rockwell alias Sam Bell
© Koch Media
Mann auf dem Mond: Sam Rockwell alias Sam Bell
Duncan Jones' minimalistisches Science Fiction Kammerspiel weiß zu überzeugen, nicht zuletzt wegen eines sehr spielfreudigen Sam Rockwell.

Science Fiction ist von Haus aus ein Genre, das gerne die technischen Möglichkeiten des Kinos ausreizt und dementsprechend eher Sache der großen Studios ist. Das Motto lauter, schneller, krasser kostet schließlich. Aber immer wieder gibt es auch kleine, aber feine Ausnahmen. Duncan Jones’ »Moon« ist in jederlei Hinsicht eine solche.

Da hängt ein einziger Typ Namens Sam Bell (Sam Rockwell) in nicht allzu ferner Zukunft in einer Basis auf dem Mond herum. Gebunden an einen Dreijahresvertrag, von dem er noch zwei Wochen abzusitzen hat, bewacht er dort oben große Mähdrescher-ähnliche Fahrzeuge, die Helium-3 sammeln. Ein Stoff, von dem wir heute nur träumen können, denn in der Welt von »Moon« deckt er 70 Prozent des Energiebedarfs auf der Erde ab. Sams einziger Live-Gesprächspartner ist die mobile KI GERTY. Mit seiner Frau kann er nur per Videobotschaften kommunizieren, da der Übertragungssatellit defekt ist. Alles in allem also ein ziemlich ödes Dasein, bis nach einem Unfall plötzlich ein Sam-Klon auftaucht...

Das Langfilmdebüt des Briten ist ein minimalistischer Independent-Streifen, man könnte sagen: Science Fiction auf Sparflamme. Duncan Jones reduziert sein futuristisches Setting auf ein melancholisches, kammerspielartiges Sujet und schert sich nicht um Effekthascherei. Vielmehr konzentriert er sich auf sehr frische Weise auf die genretypischen philosophischen Fragen nach der Einzigartigkeit des Menschen, nach menschlichen Bedürfnissen in einer technisierten Welt und, daraus resultierend, auch auf die Frage, was den Menschen eigentlich menschlich macht. Trotz des enormen Gewichts dieser komplexen Themen bleibt »Moon« allerdings angenehm unterhaltsam. Mit unaufdringlicher Suspense entwickelt sich die Geschichte des Sam Bell, wunderbar gespielt von Sam Rockwell in einer Doppel- und später in einer Trippelrolle und wartet mit einigen Überraschungen auf.

Bedrückter GERTY

Dass Duncan Jones bei Science Fiction Evergreens zitiert, gehört zum guten Ton des Genres. Clint Mansells minimalistischer und melancholischer Pianosoundtrack weckt Erinnerungen an die aufwendigen Orchestrierungen von Stanley Kubricks Science Fiction Oper »2001: Odyssee im Weltraum«. Und GERTY, dessen Befinden sich anhand gelber Smileys auf dem kleinen Bildschirm ablesen lässt, ist die sympathischere und loyalere Version von Kubricks HAL. Es ist ein ironisches Augenzwinkern, mit dem sich Jones vor den Klassikern verbeugt, ohne diese allerdings zu kopieren. Denn der Brite ergänzt das Genre mit »Moon« um eine kleine Perle die beweist, dass ein einziger Mensch auf dem Mond und eine gut erzählte Story für einen intensiven und nachhallenden Science Fiction Film völlig ausreichen können.


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