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Is' was, Doc? - New Hollywood kann auch ziemlich lustig sein

So sieht Komödien-Chaos in Reinform aus
© Warner Home Video
So sieht Komödien-Chaos in Reinform aus
27.06.2017 - 09:30 UhrVor 3 Jahren aktualisiert
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Komödien sollten lustig sein. Das gelingt aber leider in den seltensten Fällen so rundum wie bei Is' was, Doc?. Ich vergebe mein Herz an den zum Schreien komischen Klassiker von Peter Bogdanovich.

Kann es einen Film geben, bei dem ich noch mehr lache als bei Die nackte Kanone? Wenn mir das jemand im Vorhinein gesagt hätte, wäre bei mir nur ungläubiges Kopfschütteln draus geworden. Dann sah ich Is' was, Doc? und kam aus dem Lachen nicht mehr raus. Die Handlung reiht so viele urkomische Momente aneinander, dass es locker für mehr als einen Film gereicht hätte. Eine wahre Perle der Filmgeschichte, die ich euch in meinem Herz für Klassiker vorstellen und natürlich wärmstens empfehlen möchte.

Auto plus Leiter plus Glas = Chaos

Bevor ich Is' was Doc? zum ersten (und bisher leider auch einzigen Mal) sah, umschwirrten mich jede Menge Begriffe, die ich erst mal einordnen musste: Peter Bogdanovich? Ist ein Regisseur, so viel wusste ich immerhin schon mal. New Hollywood? Verband ich bis dahin nur mit Filmen wie Der Pate, Easy Rider und Taxi Driver - alles Filme, die nicht gerade mit Humor und leichtfüßig erzählten Geschichten aufwarten. Bogdanovichs Film soll nun also auch in diese filmgeschichtliche Epoche gehören, in der die Versatzstücke des klassischen Hollywoods auf den Kopf gestellt oder mehr noch, komplett ignoriert werden? Einerseits ist die Antwort ja, weil der Film 1972 und damit in der Blütezeit der gesellschaftskritischen und rebellischen New Hollywood-Ära entstand. Andererseits steht die Komödie auch in der Tradition klassischer Stummfilme mit ihren Slapstick-Momenten, die vor allem im brüllend komischen Finale zum Tragen kommen.

Ryan O'Neal und Barbra Streisand fliehen auf einem Fahrrad mit ausladender Gepäckbox am Vorderreifen vor zahlreichen Verfolgern und geraten dabei in einen wahren Filmzitate-Sturm auf die Slapstick-Momente der klassischen Stummfilme. Natürlich muss in dem Moment, in dem mindestens drei ausladende Autos dem Fahrrad hinterherjagen, ein Mann auf einer hohen Leiter mitten auf der Straße ein Banner aufhängen. Hinzu kommen zwei Personen, die eine Glasscheibe von der einen auf die andere Seite tragen wollen. Der Ausgang ist bekannt, aber wie rasant die Gags aufeinanderfolgen und dass jeder funktioniert, ist einfach sensationell. Die Frage, ob sich Steven Spielberg bei seinem ikonischen E.T.-Filmstill von Is' was, Doc? hat inspirieren lassen, kann ich leider nicht beantworten. Amüsant wäre es allemal.

Die Ähnlichkeit ist verblüffend!

Auf dem Weg zur genialen Verfolgungsjagd entrollt sich eine so überdrehte Handlung, dass sie schon nicht mehr ernst zu nehmen ist. Gerade das, in Kombination mit dem grandiosen Zusammenspiel des gegensätzlichen Protagonistenpaars macht den absurden Verlauf der Komödie so überragend lustig. Grob zusammengefasst geht es um verschiedene Menschen, die in einem Hotel aufeinandertreffen. Das komische Moment ergibt sich daraus, dass vier dieser Personen gleich aussehende Gepäckstücke mit mal mehr, mal weniger wertvollem Inhalt besitzen. Weil alle natürlich nur das haben wollen, was den anderen gehört, darunter Juwelen und geheime Regierungsdokumente, kommt es zu einem munteren Verwechslungsspiel. Zum Schluss gelangen Howard Bannister (O'Neal) und Judy Maxwell (Streisand) in den Besitz aller vier Koffer und damit in die bereits erwähnte Hatz in den steilen Straßen von San Francisco.

Schnell ein Kostümwechsel zwischendurch!

Auf die Idee, als Hobby von Howard Bannister das Sammeln prähistorischer Steine einzuführen, muss ein Drehbuchautor erst mal kommen. Ihren Ideenreichtum zeigten Buck Henry, Robert Benton und David Newman auch in anderen Filmen der Zeit des Neuen Hollywood, beispielsweise Bonnie und Clyde. Dass sich solch ein, sagen wir mal, eigenwilliger Steinsammler aber auch in der Realität wiederfindet, hätten die drei bestimmt nicht gerechnet:

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Sämtliche Filme von Peter Bogdanovich sind nach dem Genuss von Is' was, Doc? sofort in meiner Watchlist gelandet, ebenso das große Screwball-Vorbild Leoparden küsst man nicht. Auch wenn die Sichtung noch aussteht: Sollte der Klassiker von Howard Hawks nur halb so gut sein (wovon ich allerdings nicht ausgehe), steht mir ein weiteres Meisterwerk bevor. Ich kann es kaum erwarten.

Habt ihr Is' was, Doc? schon gesehen?

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