Mein Herz für Klassiker

Ich, Wege zum Ruhm & der Wahnsinn des Krieges

Colonal Dax im Schützengraben
© United Artists
Colonal Dax im Schützengraben

Der Erste Weltkrieg brach vor genau 100 Jahren aus. Die Zahl der Filme, die sich mit der “Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts” auseinandersetzen, ist enorm. Mit Wege zum Ruhm setzt Stanley Kubrick ein Mahnmal gegen die Abgründe menschlichen Handelns , welches sich durch seine Intensität und seinen Realismus deutlich von der Masse der Anti-Kriegsfilme abhebt.

Die Geschichte der unschuldig zum Tode verurteilten Soldaten, die der Willkür und den Karriere-Plänen des Generals Mireau (George Macready) zum Opfer fallen, beruht auf einem Roman von Humphrey Cobb, dem ein historisches Ereignis zu Grunde liegt. Diese Hinrichtung von vier französischen Soldaten, die später unter dem Namen “Caporaux de Souain” bekannt wurden, ereignete sich im März 1915.

Warum ich Wege zum Ruhm mein Herz schenke Wege zum Ruhm ist meiner Meinung nach einer der eindringlichsten Anti-Kriegsfilme. Der eigentliche Gegner, die deutsche Armee, bleibt konsequent unsichtbar, während Tod und Schrecken in den eigenen Reihen lauern. Der Wahnsinn des Krieges wird allein durch menschlichen Egoismus und Machtmissbrauch verursacht. Kubricks frühes Meisterwerk ist ein nachdrückliches Bekenntnis gegen die Todesstrafe und die Herrschaftsstrukturen des Militärs. Bewusst verzichtet Kubrick auf übertriebenes Pathos, frei von Kitsch erzählt er die Geschichte der unschuldig zum Tode verurteilten Männer als nüchterner, kühler Beobachter.

Während ein Los per Zufall drei Unglückliche aus einem gesichtslosen Heer auswählt, bleiben die drei Soldaten für den Zuschauer jedoch nicht anonym. Die Angst und Verzweiflung der Männer wird bis zu ihrer Hinrichtung in allen Facetten gezeigt und evoziert ein hohes Maß an Mitleid. Als besonders packend empfinde ich die Hinrichtungs-Szene. Symbolträchtig wird sie vor der Fassade des Schlosses inszeniert. Der schier unendlich andauernde Marsch der Verurteilen zum Schafott wird von Trommel-Klängen begleitet. Bis zum Todesschuss hinterfragt und beklagt einer der Soldaten - völlig zu Recht - das unsinnige Prozedere. Nicht zuletzt aufgrund solcher wirkungsmächtigen Szenen begleitete Wege zum Ruhm mich noch eine ganze Weile nach Ende des Abspanns.

Warum auch andere Wege zum Ruhm lieben werden Neben der eindringlichen Thematik sorgen die dramaturgischen Effekte und die geniale Kamera-Arbeit für ein visuelles Vergnügen, denn der junge Stanley Kubrick präsentiert sich hier bereits als Meister seines Handwerks. Viele seiner stilistischen Merkmale, die sich prägnant durch sein Werk ziehen, treten in Wege zum Ruhm bereits zum Vorschein. Kubrick nutzt die filmischen Räume gekonnt, um die Unterschiede der Zweiklassen-Gesellschaft des Militärs zu charakterisieren: Während weite Schwenkbewegungen zeigen, wie der Führungsstab in der weißen Marmor-Pracht des Barock-Schlosses residiert, versinkt der einfache Soldat im Schlamm der Schützengräben, deren beklemmende Enge Kubrick durch lange Kamerafahrten demonstriert, die wir spätestens bei Dannys Dreiradtour durch die Flure des Overlook-Hotels in The Shining wieder finden. Abgerundet wird das ganze durch einen gewohnt ausgeklügelten Soundtrack, der effektvoll Variationen der Marseillaise einsetzt.

Neben Stanley Kubrick verhalf der Film auch Hollywood-Legende Kirk Douglas (Vincent van Gogh - Ein Leben in Leidenschaft), ohne dessen Hilfe eine Finanzierung der Dreharbeiten nicht möglich gewesen wäre, zu einem Karriere-Sprung. Seine Darstellung des beherzten Colonal Dax, der als Anwalt für einen gerechten Prozess und das Leben seiner Männer eintritt, ist ebenfalls ein überzeugender Grund, sich Wege zum Ruhm zu Gemüte zu führen.

Warum Wege zum Ruhm die Jahrzehnte überdauern wird
Die Handlung von Wege zum Ruhm ist zwar im Ersten Weltkrieg angesiedelt, die Geschichte von Machtmissbrauch, Absurdität des Krieges und menschlicher Grausamkeit ist aber zeitlos. Kubrick prangert nicht einen Krieg im Speziellen an, sondern vertritt eine allgemein antimilitärische Haltung. Ein Blick auf das derzeitige Weltgeschehen reicht wohl aus, um die Aktualität des Themas zu bestätigen.

Die Brisanz des Themas zeigt auch die Zensur-Geschichte von Wege zum Ruhm: Bis zum Jahr 1975 war der Anti-Kriegsfilm aufgrund seiner harschen Kritik hierarchischer Strukturen der Armee in Frankreich verboten. Die französische Regierung befürchtete, dass der Stoff des Films die Welle von Protest-Bewegungen und Studenten-Demos gegen den Algerien-Krieg, den Frankreich seit 1954 austrug, zusätzlich anheizen würde. Als offenen Affront gegen das Militär empfanden auch die Schweiz und Israel Kubricks Klassiker. Bis in die 1970er Jahre wurde Wege zum Ruhm in diesen Ländern mit einem Aufführungsverbot belegt.

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"I want what happened in the movie last week to happen this week; otherwise, what's life all about anyway?" (The Purple Rose of Cairo)
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