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Mein Herz für Klassiker

Ich, Rosemary's Baby und die lieben Nachbarn

27.07.2012 - 08:50 UhrVor 8 Jahren aktualisiert
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Mein Herz für Klassiker: Rosemary's Baby
© Paramount
Mein Herz für Klassiker: Rosemary's Baby
Wer sich gerne stilvoll gruselt, ist bei Rosemary’s Baby richtig. Hier kommt das Unwohlsein durch die Hintertür geschlichen, anstatt mit Pauken und Trompeten durch den Vordereingang zu marschieren.

Rosemaries Baby basiert auf dem gleichnamigen Roman von Ira Levin, der 1968, ein Jahr nach seinem Erscheinen, von Roman Polanski verfilmt wurde. Die Geschichte handelt vom jungen Ehepaar Rosemary (Mia Farrow) und Guy Woodhouse (John Cassavetes), die in eine geräumige Altbauwohnung im Bramford House ziehen, einem riesigen Apartmenthaus in New York. Schon bald machen sie die Bekanntschaft ihrer Nachbarn, der Castevets (Ruth Gordon und Sidney Blackmer), ein leicht verschrobenes älteres Ehepaar. Zunächst läuft alles bestens: Schauspieler Guy bekommt endlich die Rolle, auf die er lange gewartet hat, und Rosemary wird schwanger. Da diese Schwangerschaft sie aber trotz Minnie Castavets aufdringlich-herzlicher Unterstützung körperlich und seelisch sehr mitnimmt, beginnt Rosemary, sich einige unangenehme Fragen zu stellen: War ihr Traum, vom Satan vergewaltigt zu werden, wirklich nur ein Traum? Und was hat es mit den Geschichten auf sich, die sich um eine finstere, kultbeherbergende Vergangenheit des Bramford drehen? Oder wird Rosemary ganz einfach verrückt?

Warum ich Rosemary’s Baby mein Herz schenkte
Schon mit dem Vorspann von Rosemarys Baby war es um mich geschehen: Während das Paramount-Logo noch von einigen schrägen Klaviertönen unterlegt wird, beginnt der Film mit eigentlich harmonischen Gitarrenklängen, über die sich nach wenigen Sekunden Mia Farrows Stimme legt. Sie stimmt ein Wiegenlied an, das, warum auch immer, nicht so recht beruhigend wirken will. Zu sehen ist dabei die Hochhauswüste des New Yorks der 60er-Jahre, über die die Kamera langsam schwenkt. Dazu gesellen sich in starkrosa verschnörkelter Schrift die Credits des Films, und alles zusammen ruft bei mir sofort den Gedanken hervor: Da stimmt doch was nicht! Diese Mischung aus scheinbarer Großstadtnormalität, Dingen, die zwar nur ein wenig seltsam wirken, aber doch ein Gefühl weitab des Gewohnten erzeugen, und schließlich einer gewissen Gemütlichkeit zieht sich durch den ganzen Film und verschafft ihm seine einzigartige Atmosphäre.

Warum auch andere Rosemary’s Baby lieben werden
Rosemary’s Baby ist äußerst vielschichtig, ständig wechseln sich die Emotionen ab oder überlagern sich. Einerseits ist da die normale Alltagsatmosphäre im New York der späten 60er Jahre, andererseits die gruseligen Andeutungen aus der Vergangenheit, deren Bedeutung für die Gegenwart ungeklärt ist, und schließlich die skurrilen Gestalten wie die Castavets, die zwar auf gewisse Weise lustig wirken, aber auch schwer durchschaubar sind. Wie Rosemary erlebt auch der Zuschauer ein Wechselbad der Gefühle, wobei die scheinbar oder tatsächlich bedrohlichen Dinge durch ihre fast schon Spießigkeit nur noch umso bedrohlicher wirken, sind sie doch keine fantastischen Fremdkörper, sondern Teil der normalen Welt.

Warum Rosemary’s Baby einzigartig ist
Polanski versteht es wie nur wenige, Wohnungen zu filmen. Dies hat er zuvor bereits mit Ekel bewiesen, und zeigte es später noch mit Der Mieter. Auch ein Großteil von Rosemary’s Baby spielt sich im Apartment der Woodhouses ab und Polanski inszeniert es so, dass es einerseits nie langweilig wird, und andererseits stets die schon erwähnte Mischung aus Kuscheligkeit und Unbehagen entsteht; dies auch und gerade in Verbindung mit den anderen Wohnungen des Hauses: in diese können Rosemary und der Zuschauer ja nicht reinschauen, womit uns und ihr nur übrig bleibt, sich vorzustellen, was wohl auf der anderen Seite der Wand vor sich geht. Die Vorstellung ist dann auch der zweite Aspekt, der Rosemary’s Baby herausragen lässt: Hier gibt es keine Monster, die aus dunklen Ecken springen, die gruselige Deutung des Geschehens spielt sich fast ganz in der Fantasie des Zuschauers ab.

Warum Rosemary’s Baby die Jahrzehnte überdauerte
Noch gar nicht erwähnt habe ich die Darsteller. Sämtliche Schauspieler in Rosemary’s Baby liefern äußerst effektive Vorstellungen ab: Mia Farrow als verletzliche Rosemary, die aber doch kein passives Opfer ist, und mehr und mehr die Dinge in die Hand nimmt. John Cassavates als scheinbar durch nichts aus der Ruhe zu bringender Guy. Sidney Blackmer als onkelhafter Roman, dessen Altmännercharme vielleicht nur Fassade ist. Ruth Gordon als seine Frau Minnie, die für ihre wie selbstverständliche Einmischung in Rosemarys Leben eventuell doch nicht nur uneigennützige Motive hat. Alle bleiben auch in ihrer Überzeichnung noch glaubhafte Charaktere, die einem ohne weiteres auch im wahren Leben begegnen könnten. Das ist wohl die Essenz der Wirkung von Rosemarys Baby: Fast alles könnte sich tatsächlich so zutragen, und niemand würde Verdacht schöpfen, dass hinter der Fassade Dinge geschehen, die eigentlich unvorstellbar sind.

Wie hat euch Rosemary’s Baby gefallen?

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