Once Upon a Time ... in Hollywood

Hallo, Brad Pitt! - Wie ich als nervöses Wrack mein erstes Interview überlebte

Brad Pitt in Once Upon a Time ... in Hollywood
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Brad Pitt in Once Upon a Time ... in Hollywood
24.08.2019 - 10:20 UhrVor 1 Jahr aktualisiert
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Ich lasse euch an meiner sehr persönlichen Erfahrung teilhaben, wie es war, Brad Pitt und Margot Robbie für Once Upon a Time ... in Hollywood zu befragen - und damit meine ersten Interview-Gehversuche zu unternehmen.

Ist Brad Pitt überhaupt noch berühmt? Als ich letztens meinen 16-jährigen Großcousin fragte, welches der bekannteste Schauspieler sei, den er mir nennen könne, erhielt ich lediglich ein "äh, die Harry Potter-Darsteller? ... Emma Watson?" zur Antwort. Brad Pitt war ihm kein Begriff.

Die Zeiten ändern sich wohl. Aber in meiner Jugend war Brad Pitt der Inbegriff des Superstars schlechthin. Sicher, in den letzten Jahren ist es etwas stiller um ihn als Schauspieler geworden. Aber ich erinnere mich noch, wie ich 2004 als Ocean's Eleven-Fan in der dritten Reihe auf Zehenspitzen am roten Teppich von Troja stand, um einen Blick auf ihn zu erhaschen.

Insofern ist es wohl nachvollziehbar, dass ich kurz erschreckt innehielt, als ich gefragt wurde, ob ich zum Start von Quentin Tarantinos neustem Film Once Upon a Time ... in Hollywood mein allererstes Schauspieler-Interview überhaupt ausgerechnet mit Brad Pitt führen wolle. Aber lasst mich lieber von vorn erzählen, wie ich in das unbekannte Reich des Direktkontakts mit Stars stolperte.

Esther, willst du nicht Brad Pitt interviewen?

Der Beruf eines Film-Redakteurs hat viele Facetten. Eine davon, die ich persönlich noch nicht ausprobiert hatte, war es, einen Schauspieler auf Promotion-Tour zu seinem neusten Film zu interviewen.

Once Upon a Time ... in Hollywood

Doch dann kam meine Kollegin Jenny zu mir und fragte, ob ich nicht Lust hätte, Brad Pitt und Margot Robbie 10 Minuten für ein schriftliches Interview zu treffen - nur so als Back-up-Lösung, falls es mit dem Interview des Moviepilot-Video-Teams nichts werden würde.

Mein innerer (und sofort verängstigter) Schweinehund rief augenblicklich lautlos "Was? Ich? Nein! Hilfe!", während mein geschmeicheltes Selbstvertrauen mich mit einem "Na los, spring mal wieder über deinen eigenen Schatten!" anspornte. Was als Mittelweg aus meinem Mund kam, war dann erstmal ein langes "Ähhhhmm".

Ja zu Brad Pitt in Once Upon a Time ... in Hollywood

Meine Wunschvorstellung, als Interview-Neuling vielleicht erstmal mit einem nicht ganz so bekannten Schauspieler anzufangen, war so kurzfristig natürlich nicht mehr machbar. Aber Jennys Argument, dass der erfahrene Brad Pitt in seinem Leben vermutlich schon tausende Kurz-Interviews geführt hatte und somit im Ernstfall vermutlich souverän mich durch das Gespräch führen würde, half mir tatsächlich, schließlich zu dieser Chance "Ja" zu sagen.

Was konnte mir im schlimmste Fall schon passieren? Ach ja: Mich vor Brad Pitt und Margot Robbie bis auf die Knochen zu blamieren und vom Verleih nie mehr zum Interview geladen zu werden. Nun gut.

Once Upon a Time ... in Hollywood: Seid bereit

100 Prozent sicher war im Vorfeld irgendwie nichts, als klar wurde, dass das Interview wirklich auf mich zukommen würde. Ich musste ein Anmeldungs-Formular abschicken, bekam aber bis zum Interview-Tag selbst keine konkrete Zusage, sondern eher noch die Anmerkung, dass mir ganz kurzfristig vorher noch telefonisch abgesagt werden könnte.

Der durchklingende Tenor war: Die Presse-Leute schienen im Umgang mit den Mega-Stars auch nach jahrelanger Erfahrung noch aufgeregt zu sein. Wenn ich mich vor einem 10-Minuten-Interview fürchtete, wie musste es dann erst ihnen gehen, die dafür verantwortlich waren, dass alles glatt über die Bühne ging?

Meine Zusage war natürlich mit Auflagen verbunden: Ich musste vorher die Pressevorführung von Once Upon a Time ... in Hollywood besucht haben. (Wer lässt sich schon den neusten Tarantino-Film entgehen?) Ich musste zur Pressekonferenz am selben Tag erscheinen. (Klar, schaue ich mir gerne zusätzlich auch noch Leonardo DiCaprio und Quentin Tarantino aus der Nähe an.) Dadurch sollten wohl uninformierte und doppelte Fragen vermieden werden.

Once Upon a Time ... in Hollywood

Außerdem wurde ich belehrt, keine persönlichen (Gossip-)Fragen ohne Filmbezug zu stellen, das Selfie-Verbot zu akzeptieren und "Gimmicks" zu Hause zu lassen. Bei dem Verbotskatalog fragte ich mich natürlich unweigerlich, was so alles bei Star-Interviews schon passiert war ...

Mir blieb letztlich eine Woche Zeit, um mir eine Reihe von Fragen für Brad Pitt und Margot Robbie zu überlegen, und die vorzugsweise nicht den Fremdschäm- oder Stöhn-Schema eines leider viel zu oft anderswo gelesenen "Und wie war es mit Quentin Tarantino zu drehen?" entsprachen. ("Awesome!" Was sollen sie auf einer Promo-Tour auch sonst sagen. Duh.)

Warten auf Brad Pitt: Geduld in Zeiten nervöser Anspannung

Da bis zum Donnerstag, den 1. August 2019, keine Absage gekommen war, machte ich mich am Vormittag auf den Weg zu einem Berliner Hotel, das mir kurz vorher als Interview-Adresse genannt worden war.

Zur Pressekonferenz im Hotel-Keller wurde ich mit einem grell-orangen Bändchen am Handgelenk ausgestattet und nahm in der ersten Reihe ganz rechts Platz, um Moderator Steven Gätjen, Produzentin Shannon McIntosh, Produzent David Heyman, Regisseur Quentin Tarantino und die Schauspieler Margot Robbie, Brad Pitt und Leonardo DiCaprio gut im Blick zu haben.

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Die Fragen ließ ich andere Journalisten stellen und nutzte die Situation eher, um in meinem Kopf richtig anzukommen und Quentin Tarantino zu lauschen, der mit aufgeregtem Gequassel den Großteil der halbstündigen Konferenz bestritt.

Vorbei an den Selfie-Jägern, die vor Ort doch noch ein Foto mit ihrem Lieblings-Star ergattern wollten, kehrte ich mit einer Stunde Leerlauf an die (nur verhältnismäßig frische Berliner) Luft vor dem Hotel zurück. Dort zwang ich mich, etwas zu essen, bevor ich mich pünktlich zur bestellten Zeit wieder im Hotel einfand - diesmal im zweiten Stock.

Zur Begrüßung wurde gleich erstmal mit Maler-Tape meine Handy-Kamera abgeklebt. (Fotoverbot, schon klar ... ihr wisst aber, dass die Selfie-Kamera an der Vorderseite auch funktioniert, oder?) Ich unterschrieb weitere rechtliche Erklärungen und wurde dann nach dem Sardinendosen-Prinzip in ein winziges Wartezimmer von der Größe eines Harry-Potter-unter-der-Treppe-Schrankes gepfercht. (Das hätte mein Großcousin verstanden!)

Beengtes Warten mit Harry Potter-Gefühl

Und dann hieß es warten, warten, warten. Der Duft der labberigen Lachs-Sandwiches lag in der Luft, aber nach Essen war mir zu diesem Zeitpunkt ganz gewiss nicht zumute. Neben mir unterhielten sich zwei der etwa zehn anwesenden Journalisten mit viel Name-Dropping über frühere Interview-Erfahrungen - Erfahrungen, die ich nicht hatte. Bibber!

Ich war für das Interview um 14:50 Uhr eingetaktet und wie verlangt schon um 14:30 Uhr da gewesen. Aber alles verzögerte sich. Mit leisen entschuldigenden Stimmen ("Pinkelpausen lassen sich nicht planen") ließen die Organisatorinnen durchblicken, dass wir mittlerweile eine Dreiviertelstunde in Verzug seien. Und glaubt mir: Eine Dreiviertelstunde kann sehr, seeeehr lang sein, wenn man auf etwas hinfiebert. Da war nicht viel mit mir anzufangen. Die Lust, im Internet zu surfen oder noch ein Kapitel in meinem Buch zu lesen, tendierte jedenfalls gen Null.

Eine solche Wartezeit eignet sich jedoch exzellent dazu, noch einmal seine vorbereiteten Interview-Fragen zu überdenken, alles in Frage zu stellen und kurz davor zu stehen, sie komplett über den Haufen zu werfen. Hatte ich überhaupt genug vorbereitet, um 10 Minuten zu füllen? Was, wenn Brad Pitt und Margot Robbie einsilbig antworten und ich nach der Hälfte der Zeit plötzlich ohne weitere Fragen, aber mit komplett leerem Kopf dastehen würde?

Die etwas andere Vorstellungsrunde in Once Upon a Time ... in Hollywood

15:30 Uhr war schließlich der Moment der Wahrheit gekommen: Durch das chaotische Gewusel des Hotelflurs wurde ich vorbei an Kameramännern, aufgescheuchten Menschen vom Verleih, unerklärlichen Pflanzenkübel-Schleppern und anderen Wartenden in ein einsames Zimmer geführt. Auch wenn ich das äußerlich ganz gut verbergen kann: Meine Nervosität erreicht nun ihren Siedepunkt.

Wie ich aufhörte mir Sorgen zu machen und lernte das Interview zu lieben

Und jetzt ist es plötzlich so weit: Brad Pitt und Margot Robbie betreten - bereits ins Gespräch vertieft - den Raum und nehmen anderthalb Meter von mir entfernt auf der anderen Seite des Ungetüms von einem Holztisch zwischen uns Platz. Er trägt einen Hut, sie ein kanariengelbes Kleid.

Sie sehen wirklich so aus wie im Film. Krass. Aber hey: Konzentration bitte! Jetzt gilt es, professionell zu sein. Reiß dich am Riemen, Esther! Das sind auch nur Menschen. - Übereilt schüttele ich den "Starstruck"-Moment ab und starte mein Handy sowie das zweite Aufnahmegerät. Doppelt hält besser. Schließlich soll mein erstes Star-Interview nicht an einem leeren Akku oder einem technischen Fehler scheitern.

Brad Pitt und Margot Robbie sind kleiner als erwartet, aber das geht einem wohl bei den meisten Schauspielern so, wenn man sie nur von der übergroßen Leinwand kennt und selbst 1,80 m groß ist. Dafür aber ist der Blickkontakt mit beiden unerwartet intensiv. Sie schauen mich wirklich und eindringlich an, wenn wir reden, was vermutlich mit ihrem Schauspiel-Beruf zu tun hat, mir aber mit einer Scheinwerfer-ähnlichen Eindringlichkeit das Gefühl gibt, wahrgenommen zu werden und nicht fehl am Platz zu sein.

Margot Robbie in Once Upon a Time ... in Hollywood

Margot Robbie kommentiert beim Hereinkommen den gewaltigen "Dinnerparty-Esstisch" und so kommen wir darauf zu sprechen, ob sie zwischen all den Interviews schon etwas zu Essen hatten. Die Schauspielerin vergleicht sich mit dem immerhungrigen Once Upon a Time ... in Hollywood-Hund Brandy. Ich kommentiere augenzwinkernd, dass Brad Pitt seine Rollen ja gerne übers Essen definiert ("Yes - damn you, Ocean's Eleven!", lacht er) und plötzlich hat das Interview schon angefangen, ohne dass es einer von uns nervös oder gestelzt hätte einleiten müssen.

Klar, stellen wir uns auch noch vor: "I'm Margot" - "Hi, I'm Esther" - "Nice to meet you, Esther" (kurzer Herzschlag-Aussetzer, als ich meinen Namen aus Brad Pitts Mund höre). Ich kann es nicht unterlassen, beiden zum Gruß die Hand hinzustrecken. Das ist vermutlich sehr Deutsch, aber wenn Fotos schon verboten sind, will ich Margot Robbie und Brad Pitt wenigstens einmal berührt haben. Das macht es irgendwie realer.

Und dann läuft alles wie am Schnürchen. Es wird viel gelacht und (von Brad Pitt) hin und wieder im Scherz geflucht. Meine Fragen fügen sich ganz natürlich aneinander: Ich ziehe manche vor, lasse andere spontan weg und irgendwie stimmen tatsächlich immer die Übergänge, sodass keine peinlichen Pausen entstehen. Dass wir zu dritt sind, macht die Sache deutlich einfacher. Es fühlt sich eher wie ein sehr sympatisches Gespräch an als wie ein Interview. Okay, wie ein dezent von mir gelenktes Gespräch.

Once Upon a Time ... in Hollywood: Jetzt ganz lässig bleiben, Mr. Pitt

Als von den zwei Pressefrauen, die als Aufsicht hinten im Raum sitzen, die zeitliche Anweisung "noch eine letzte Frage" ertönt, stimmt das Timing. Ich entlocke den zwei Stars noch ihren Lieblings-Tarantino-Film und dann sind die 10 Minuten auch schon wieder vorüber. Der Abschied fällt kurz aber freundlich aus.

Eine der Pressedamen raunt mir auf dem Weg nach draußen noch ein überraschend begeistertes "Das war fantastisch!" zu. Da sie ganz bestimmt nicht weiß, dass ich hier gerade mein allererstes Interview überhaupt absolvieren durfte, habe ich die Vermutung, dass sie das entweder a) zu allen Journalisten sagt, um den positiven Eindruck für die Berichterstattung zu verstärken oder dass b) vor mir jemand im Interview saß, der unliebsame Fragen gestellt hat, während ich die Stars im entspannten Gespräch nun wieder aufgelockert habe. Ich bilde mir einfach mal ein, es wäre b).

Dann stehe ich wieder im Hotelflur, wo der dicke Teppich alle Umgebungs-Geräusche dämpft. Es ist nicht weniger chaotisch als vorher, aber die Erleichterung, dass alles gut über die Bühne gegangen ist, lässt mich über diesen wimmelnden Ameisenhaufen lächeln, wo in benachbarten Zimmern irgendwo auch gerade Quentin Tarantino und Leonardo DiCaprio aufgeregten Journalisten Rede und Antwort stehen.

Das euphorische Gefühl, wenn die Interview-Hürde genommen ist

Danach fühlt es sich seltsam an, wieder so alltäglichen Aufgaben nachzukommen wie aufs Fahrrad zu steigen und durch den Berliner Straßenverkehr nach Hause zu radeln. Doch je größer die Anspannung, desto erlösender ist es danach, auch wieder runterzukommen. Den Rest des Tages fühle ich mich zu allem bereit. (Außer vielleicht zur richtigen Rechtschreibung beim Tweeten.)

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Würde ich trotz Drumherum-Stress und fast schlafloser Nacht vorher wieder ein solches Star-Interview übernehmen? Aber klar doch. Brad Pitt und Margot Robbie haben mich bestimmt eine halbe Stunde später schon wieder vergessen. Aber ich werde mich noch lange an diesen Tag erinnern und das kann mir keiner nehmen. Denn ja: Brad Pitt ist immer noch verdammt berühmt.

Würdet ihr es euch zutrauen, große Stars wie Brad Pitt und Margot Robbie zu interviewen?

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