Großer Sci-Fi-Verlust: Der Tod dieser außergewöhnlichen Serie schadet dem ganzen Genre

© HBO Max
Abgesetztes Sci-Fi-Wunder: Raised by Wolves
12.06.2022 - 12:00 UhrVor 2 Monaten aktualisiert
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Science-Fiction-Fans haben diese Woche Anlass zur Trauer, denn unter der Absetzung einer einzigartigen Serie, die neue Wege beschritt, leidet das ganze Genre.

Es ist wie eine traurige Sci-Fi-Story: Raised by Wolves wagte den großen Schritt, sich auf einem fremden Planeten aussetzen zu lassen und neues Territorium zu erkunden. Nun wurde die Verbindung zur Basis gekappt und es scheint kein Zurück mehr zu geben. Die für Fans erschütternde Absetzung von Raised by Wolves lässt mehr als nur eine unfertige Geschichte zurück. Sie macht die Welt der Science-Fiction-Erzählungen ein Stück ärmer.

Die Absetzung von Raised by Wolves ist ein Sci-Fi-Armutszeugnis

Hierzulande haben wir von Raised by Wolves zuletzt einen Staffel 2-Trailer gesehen (während die neue Season in den USA schon durch ist), da erreichte uns die Schreckensmeldung: Der US-Sender HBO Max hat sich, im Zuge einer Umstrukturierung bei Warner, gegen die Verlängerung der prestigeträchigen Sci-Fi-Serie entschieden. Und das ist mehr als nur bedauerlich.

Lernt Raised by Wolves im Sci-Fi-Trailer zur 1. Staffel kennen

Raised by Wolves - S01 Trailer (Deutsch) HD
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Vor zwei Jahren begann die Sci-Fi-Serie Raised by Wolves mit zwei Androiden, die auf einem fremden Planeten menschliche Kinder großziehen sollten. Mutter (Amanda Collin) und Vater (Abubakar Salim) müssen ihre neue Heimat Kepler-22b mit all ihren Gefahren erst kennenlernen. Dass eine Menschen-Kolonie mit strengen religiösen Ansichten etwas später ebenfalls auf dem Planeten siedelt, verkompliziert die Lage. Wir werden erst nach und nach in die Vorgeschichte eines großen vorangegangenen Krieges auf der Erde eingeweiht.

Raised by Wolves wurde mit großen Namen wie Vikings-Star Travis Fimmel und Produzent und (2 Folgen-)Regisseur Ridley Scott vermarktet. In Schubladen ließ sich die Sci-Fi-Erzählung von Aaron Guzikowski trotzdem nicht stecken. Sie ging selbstbewusst ihren eigenen Weg. Das war nicht immer bequem, aber zu jeder Zeit faszinierend.

Raised by Wolves: Travis Fimmel als religiöser Siedler

Science-Fiction ist schließlich kein Feelgood-Genre, sondern sollte unsere eigene Weltsicht durch die scharfen Ecken und Kanten einer zukünftigen Vision herausfordern. Was Raised by Wolves von immer Neuem gelang. Denn mit Genre-Einheitsware hatten wir es bei dieser Serie ganz gewiss nicht zu tun.

Raised by Wolves ist nicht wie andere Sci-Fi-Serien - und das ist gut so

Ein hervorstechendes Merkmal der Science-Fiction von Raised by Wolves ist, dass wir von Anfang an stark an die Perspektive der Androidin Mutter gebunden werden, also eine nicht-menschliche Perspektive. Sie hat zwar die Aufgabe, das Überleben der Menschenkinder zu sichern, war in der Vergangenheit allerdings eine radikale Tötungsmaschine. Zu einer sofortigen Identifikation lädt ihre steife Art nicht ein. Doch indem die Serie auch ihre Gegenparts aus Fleisch und Blut mit religiösem, moralischem und charakterlichem Unbehagen auflädt, können wir uns als Publikum schwer auf eine Seite stellen.

Raised by Wolves: die Androiden Vater & Mutter

Raised by Wolves deckt den historischen Unterbau der Sci-Fi-Story geduldig auf. Durch die langsame Enthüllung erhalten alle Beteiligten zunehmend spannende Facetten, die früher oder später jede Figur in ein neues Licht rücken. Wenn die Charaktere und die Art, wie die Serie erzählt wird, immer wieder unerwartete Wege beschreiten, mag sich das zuweilen eigensinnig und sperrig anfühlen. Aber am Ende wachsen wir an dieser Betrachtungsweise, die nicht unsere eigene, gewohnte ist.

Außerdem ist die Science-Fiction-Serie dabei visuell äußerst reizvoll. Das spiegelt sich in Kostümen, Frisuren und Raumschiffen, die Einfachheit und Futurismus als Paradoxe vereinen. Es zeigt sich vor allem aber in den aufregenden Facetten des neuen Planeten: Zwischen gewaltigen Löchern und Skeletten, die in Staffel 1 von einer bedrohlichen Spezies erzählen, und lebendigen Bäumen und einem Säure-Ozean in Staffel 2, unternehmen wir selbst intergalaktische Entdeckungen einer Welt, die lebensfeindlich und zugleich wunderschön ist.

Mit dem abrupten Ende von Raised by Wolves wird uns die Sci-Fi-Herausforderung genommen

Natürlich mag es leichter sein, sich als Science-Fiction-Zuschauer:in auf altbekannte Weltraum-Ausflüge oder häufig gesehene Mensch-vs-Maschine-Storys einzulassen. Im Leben wie auch in der Film- und Serienwelt gilt indessen: Es ist der Mut zur Innovation, der uns wirklich voranbringt. Das Ausprobieren von neuen Wegen. Diesen Mut besaß Raised by Wolves.

Raised by Wolves: Mutter & Schlange in Staffel 2

Dass die Science-Fiction sich hier weder als dystopisch noch utopisch klassifizieren ließ, machte die Serie zu einem komplexen Biest. Wie die Riesenschlange, die sich in Staffel 2 am Himmel des fremden Planeten zeigt und schwer als reine Bedrohung oder Verbündete einzuordnen ist. Wie die Roboter, die manchmal Menschen töten, um die Menschheit zu retten. Wie religiöse Fanatiker, die auf verschlungenen Wegen zu sich selbst finden.

Das Ausloten von Grauzonen und ungemütlichen Fragen sollte allen Zukunfts-Erzählungen eingeschrieben sein. Die Absetzung einer so eindrucksvollen Serie wie Raised by Wolves setzt ein falsches Zeichen – und macht das Sci-Fi-Genre zugleich ein Stück weit ärmer, langweiliger.

Freilich: Noch ist nicht alles verloren. Nach der plötzlichen Beendigung durch HBO Max versuchen aktuell Beteiligte und Fans einen anderen Sender für die Fortführung der Sci-Fi-Serie zu gewinnen. Vergessen sollten wir aber nicht: Nur wenige Serien wird eine märchenhafte Rettung à la Lucifer oder The Expanse zuteil. Manchmal stranden wir auf einem fremden Planeten und müssen mit der unbequemen Wahrheit leben, dass nicht jede Geschichte einen guten Ausgang nimmt.

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Habt ihr die Sci-Fi-Serie Raised by Wolves schon gesehen und trauert um ihre Absetzung?

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