Grey's Anatomy ist plötzlich verstörend: Staffel 17 zeigt Corona-Horror

Grey's Anatomy - S17 Teaser Trailer Crossover (English) HD
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Grey's Anatomy Staffel 17
15.11.2020 - 08:30 UhrVor 2 Monaten aktualisiert
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Grey’s Anatomy denkt in Staffel 17 gar nicht daran, uns eine heile Welt zu verkaufen. Stattdessen macht die Serie einen Kopfsprung mitten hinein in die Corona-Krise.

Gestern, am 12. November 2020, ist Grey's Anatomy in den USA in die 17. Staffel gestartet. Und zwar mit einem Mega-Event. Soll heißen: einem gewaltigen mehr als 2-stündigen Crossover bestehend aus einer Folge Seattle Firefighters und zwei Episoden Grey's Anatomy.

Schon nach wenigen Minuten wird dort klar: Grey's Anatomy ist nicht mehr dieselbe Serie, die sie vorher war. Statt dem Publikum die gewohnte Krankenhauswelt zu zeigen, gibt Staffel 17 uns die volle Corona-Breitseite. Das ist zunächst ein Schlag in die Magengrube, aber auch ein mutiger Schritt, der mein Interesse neu entfacht.

Grey's Anatomy Staffel 17: Willkommen in der Corona-Season

Ich habe bisher noch keinen Film und keine Serie über die Corona-Pandemie gesehen. Sicher, eine ganze Anzahl Virus- und Zombie-Filme lassen sich mittlerweile als Metapher auf die aktuelle Situation lesen, aber eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Corona-Lebenswelt liefert mir zum allerersten Mal nun ausgerechnet Grey's Anatomy Staffel 17.

Taucht im Staffel 17-Trailer in Grey's Anatomys Corona-Welt ein

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Schon vor Season 17 hatte Grey's Anatomy die Entscheidung angekündigt, die Corona-Krise nicht verschweigen zu wollen. Wie sehr nun die Pandemie im Mittelpunkt steht, ist aber doch unerwartet.

Als Ärzte- bzw. Krankenhaus-Serie sieht sich Grey's Anatomy in der Pflicht, die Situation in den USA darzustellen. Echtes medizinisches Personal wurde in Vorbereitung auf Staffel 17 interviewt und das ist spürbar. Top-aktuell (und erstmals mit Datums-Einblendung "April 2020") traut sich die Serie, noch in der Krise die Krise zu zeigen.

Grey's Anatomy Staffel 17: Cormac Hayes und Meredith Grey

Das ist realistischer als es so manchen Zuschauenden lieb sein dürfte, die an Grey's Anatomy als plätschernd vertraute Unterhaltung gewohnt sind. Weltflucht Ade. Aber es lädt die Serie auch mit einer aktuellen Dringlichkeit auf, die in den letzten Staffeln mitunter verloren gegangen war. Ja, Grey's Anatomy ist jetzt anders - und so verstörend und gut wie lange nicht mehr.

Grey's Anatomy provoziert mit Staffel 17 einen Knoten im Bauch

Um das besser zu verdeutlichen, ist ein genaueres Eintauchen in die ersten zwei Folgen von Grey's Anatomys 17. Staffel sowie in Folge 1 der Spin-off-Serie Seattle Firefighters nötig.

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You're my Person

Das Grey-Sloan-Krankenhaus ist jetzt ein sogenanntes Covid-Center. Das heißt: Die Ärzte haben keine Fachgebiete mehr. Alle kümmern sich um Corona-Patienten, Operationen finden nur noch im äußersten Notfall statt. Meredith Grey (Ellen Pompeo) hat seit zwei Wochen kein Skalpell mehr angefasst und Assistenz-Arzt Levi Schmitt (Jake Borelli) musste mittlerweile 100 Angehörigen über den Tod ihrer Liebsten informieren - mehr als in seiner gesamten Ausbildungszeit zusammen.

Grey's Anatomy: Staffel 17, Meredith mit Maske

Die Mediziner sind allesamt am Limit. Es ist eine Zerreißprobe, wenn überall Personal und Material fehlt. Frustration und Spannungen machen sich breit. Jugendliche feiern illegale Partys, Väter prügeln sich im Wartezimmer. Dass Grey's Anatomy dabei auf vorher/nachher-Zeitsprünge zurückgreift, um an das unfreiwillige Staffel 16-Finale anzuknüpfen, unterstreicht zusätzlich, wie sehr sich alles verändert hat.

Eine digitale Feuerwehr-Bestattung, Corona-Ganzkörper-Anzüge (PPE), Schlafmangel, Frust über ständige Video-Konferenzen - kein Wunder, dass Meredith ein Material-Lager verwüstet und Maggie ihre Wut herausschreit. "Das ist nicht länger das Krankenhaus, das du verlassen hast", muss Richard sich bei seiner Rückkehr von Bailey anhören, die ihn zum Lesen unzähliger neuer Corona-Bestimmungen und Protokolle verdonnert. Sie sagt das auch zu uns.

Grey's Anatomy: Staffel 17, Bailey mit Maske

Dieses in Grey's Anatomy dargestellte hilflose Gefühl der Bedrückung macht als Knoten im Bauch auch vor mir als Zuschauerin nicht halt. Weltweit hat wohl jeder mittlerweile in irgendeiner Form Erfahrungen mit Kontakt-Beschränkungen und sozialer Distanzierung gemacht. Ein Krankenhaus als Hot Spot des Corona-Geschehens zeigt das jedoch in Reinform.

Was bleibt nach Covid 19 in Staffel 17 von Grey's Anatomy übrig?

Auch in der Corona-Krise schimmert natürlich trotz allem noch Grey's Anatomys verzweigtes Beziehungsgeflecht durch, das die Serie so prägt (Achtung, Spoiler zum Staffel 17-Auftakt).

Jo bittet Jackson um einen "sexuellen Gefallen", um über Alex Abschied hinwegzukommen. Amelia Shepherd und Atticus 'Link' Lincoln nennen ihren neugeborenen Sohn Scout (wohl weil Atticus und Scout seit Wer die Nachtigall stört einfach zusammengehöhren). Owen und Teddy haben nach dem Seitensprung am geplanten Hochzeitstag eine bittere Aussprache. Andrew DeLuca muss seine bipolare Störung akzeptieren lernen. Catherine und Richard versöhnen sich zum Glück wieder.

Staffel 17: Corona-Küsse

Trotzdem sind auch Grey's Anatomys Beziehungen von der Corona-Krise geprägt. Maggie kann ihre frische Liebe nur als Fernbeziehung am Telefon ausleben. Bailey und Warren sehen sich nur noch aus der Ferne, wenn der Feuerwehrmann Patienten ins Krankenhaus bringt.

Außerdem machen sich die allgegenwärtigen Covid-19-Beschränkungen nicht nur auf der Handlungsebene breit. Mit den strengen neuen Drehbestimmungen am Set von Grey's Anatomy im Hinterkopf wirkt plötzlich jeder Kuss bedeutsamer.

Grey's Anatomy Staffel 17 fordert mich heraus und das ist gut so

Das völlig überraschende McDreamy-Wiedersehen am Ende der 2. Folge ist von Grey's Anatomy als Lichtblick in dieser depressiven Lage gedacht. Doch wenn Meredith nach einem bedeutungsschwangeren "Viel Glück da draußen" auf dem Nachhauseweg leblos zusammenbricht, hat selbst dieses Strand-Treffen in ihrem Kopf fernab allen Trubels einen erschreckenden Beigeschmack.

Grey's Anatomy Staffel 17: Derek & Meredith am Strand

Grey's Anatomy wird nicht die einzige filmische Corona-Verarbeitung bleiben. Doch wenn wir auf die Serie The Good Doctor schielen, die Anfang November bereits einen ganz ähnlichen Ansatz wählte, werden die Ärzteserien hier wohl die Vorreiter sein. Das mag manchmal unbequem sein, bringt Grey's Anatomy aber auf ein unerwartet emotionales Level zurück, das die Serie mir lange nicht mehr gegeben hat.

Meredith verschwindet zuweilen hinter der vollen Montur ihrer Corona-Schutzkleidung. (Dass sie zum Ausgleich ein Bild ihres eigenen Gesichts am Kittel trägt, macht mich übrigens erst richtig fertig). Dennoch: Zum Season-Auftakt ist Grey's Anatomys 17. Staffel trotz Masken alles andere als gesichtslos.

Die Serie bezieht unerwartet nachdrücklich Stellung zur aktuellen Situation und ermuntert trotz Einschränkungen zum Durchhalten. "Dies ist eine neue Welt", sagt Krankenhausleiterin Catherine Fox und hat damit Recht. Es ist auch ein neues Grey's Anatomy.

Wollt ihr die Corona-Krise in euren Lieblingsserien so wie in Grey's Anatomys 17. Staffel aufgearbeitet sehen?

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