Good Girls - Eine Serie, die ihr vorhandenes Potenzial verschenkt

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Good Girls klang von Anfang an vielversprechend. Seit Ende Februar wird in den USA auf NBC jeden Montag eine neue Folge ausgestrahlt. Das Breaking Bad mit Frauen nannten viele die Serie, doch von Breaking Bad ist die Serie weit entfernt, auch wenn ein Vergleich in mancher Hinsicht nachvollziehbar ist. Good Girls hat eine Menge Potenzial, in vielerlei Hinsicht. Ein hochkarätiger Cast und eine erfrischende Story werden so manche Zuschauer vor die Bildschirme locken und nicht jeder dieser Zuschauer wird enttäuscht sein. Good Girls ist nämlich vieles - ein wenig dramatisch und ein bisschen witzig mit einer Prise Action - aber Good Girls ist vor allem eine Serie, die nicht genau weiß, was sie sein möchte und dadurch ihr Potenzial gnadenlos verschenkt.

Good Girls: Drei Frauen und die kriminelle Welt von Michigan

Beth (Christina Hendricks), Ruby (Retta) und Annie (Mae Whitman) sind drei ganz normale Frauen. Jede hat ihre ganz eigenen Probleme. Beth, vierfache Mutter, sitzt auf einem hohen Schuldenberg, dessen Existenz sie nicht nachvollziehen kann, bis sie herausfindet das ihr Mann Dean (Matthew Lillard) sie nicht nur mit seiner Sekretärin betrügt, sondern die Familie auch in den finanziellen Ruin getrieben hat. Ihre Schwester Annie ist eine alleinerziehende Mutter. Ihr Job im Supermarkt reicht längst nicht aus, um für sich und ihre Tochter zu sorgen. Zudem möchte der Vater das alleinige Sorgerecht für Sadie (Izzy Stannard). Auch Ruby steckt in einer finanziellen Zwickmühle. Ihre Tochter ist schwer krank, doch das Geld für die benötigten Medikamente ist nicht da. Kurzerhand beschließen die Frauen, all ihre finanziellen Probleme zu lösen, indem sie ein Supermarkt ausrauben, aber nicht irgendeinen Supermarkt, sondern Annies Arbeitsplatz. Doch nach ihrem erfolgreichen Raubzug häufen sich die Probleme. Die drei Frauen sind nun plötzlich ungewollt Teil der kriminellen Unterwelt von Michigan.

Good Girls und seine vielversprechenden Anfänge

Good Girls klingt wie vieles, was wir in der heutigen TV-Welt gut gebrauchen könnten: eine Serie mit starken Frauen, die ihr Schicksal in die eigenen Hände nehmen, aber keineswegs reine Heldinnen sind. Ähnlich wie Walter White in der ersten Staffel von Breaking Bad sind sie mehr einer Antihelden-Rolle verschrieben und versuchen durch amoralische Taten nicht nur sich selber, sondern auch ihren Familien ein besseres und angenehmeres Leben zu verschaffen. In den besten Momenten wirkt die Serie wie ein gelungener Mix aus Drama, Komödie und Krimiserie und schafft es auch, politisch relevante Themen in ihren Folgen zu verarbeiten. In erster Linie ist es aber vor allem die schauspielerische Leistung der drei Hauptdarstellerinnen, Christina Hendricks, Retta und Mae Whitman, welche die Serie auszeichnet. Alle Frauen arbeiten hervorragend mit dem Material, was ihnen zur Verfügung steht, und schaffen es, die Zuschauer vor den Bildschirmen zum Lachen und zum Weinen zu bringen.

Good Girls - Es hätte so gut sein können

Ein großes Problem von Good Girls ist jedoch, dass die Serie nicht genau weiß, was sie sein möchte. Die Mischung aus mehreren Genres ist nicht verkehrt, aber oft nutzt die Serie seine witzigen oder dramatischen Elemente an den falschen Stellen. Als Ruby Gebrauch einer Schusswaffe macht, wird diese Situation nicht etwa dramatisiert oder ernst genommen, sie wird durch schlechte Witze ins Lächerliche gezogen, und verliert damit an Wirkungskraft. Das geschieht in vielen Momenten, die das Potenzial hätten, den Figuren eine emotionale Tiefe zu verleihen. Doch selbst nach fünf Folgen wirken die drei Frauen charakterlos. Auch die großartigen Hauptdarstellerinnen können diesen leeren Figuren kaum Leben einhauchen. Es fällt dem Zuschauer schwer, Sympathien für die Frauen zu entwickeln. Auch ihre Taten sprechen dafür. Die Entscheidung, aus finanziellen Gründen einen Supermarkt auszurauben, wirkt völlig an den Haaren herbeigezogen und fast ein wenig lächerlich. Einzig und allein Rubys Situation erscheint ausweglos genug und kann, unter Umständen, ein gewisses Mitgefühl in den Zuschauern wecken.

Good Girls wurde bereits um eine Staffel verlängert und es bleibt die Hoffnung, das wir in den kommenden Folgen mehr über die Frauen erfahren und sie zu komplexeren Charakteren heranreifen. Die Serie sollte ihrem Konzept und ihrer Genre-Vielseitigkeit treu bleiben, aber ihre Elemente gewissenhafter einsetzten und auch den Mut haben, dramatischen Situationen in Szene zu setzen. Die letzten Folgen der ersten Staffel werde ich, trotz vieler Schwierigkeiten, zu Ende schauen und hoffen, dass sich die Serie in den kommenden Folgen mehr traut und ihr volles Potenzial, vor allem das von Mae Whitman, Retta und Christina Hendricks, nutzt. Für alle Liebhaber witziger Krimiserien, die sich nicht allzu ernst nehmen, lohnt es sich deshalb dennoch, Good Girls eine Chance zu geben.

Die 1. Staffel von Good Girls umfasst 10 Episoden, die in Deutschland ab dem 03.07.2018 bei Netflix verfügbar sind. Als Grundlage für diesen Serien-Check dienten die ersten fünf Folgen.

Werdet ihr euch Good Girls auf Netflix anschauen?

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