Get Scrooged!

The night the reindeer died!United International Pictures/moviepilot
10.12.2016 - 09:05 UhrVor 6 Jahren aktualisiert
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Schlagt euch mit Toastern bewusstlos, verschenkt Duschvorhänge, tackert Geweihe an unschuldige Mäuse, passt auf, dass alle Nippel bedeckt sind - aber um Himmels Willen: Lest diesen Kommentar! Euer Leben könnte vielleicht davon abhängen ...

Wie ein Zombie ohne Beine und mit nur einem Arm kriecht Weihnachten langsam, hungrig und unaufhaltsam näher. Und näher. Und näher ... Ihr könnt also eigentlich nicht entkommen - weder da draußen, noch im Kommentar der Woche. Früher oder später werdet ihr eh gebissen und zum Weihnachtszombie mutieren. Glaubt ihr nicht? Na, wir geben noch nicht auf, denn zwei Geister der vergangenen Weihnachtsfilmkommentare waren schon da, und der dritte steht bereits für nächste Woche in den Startlöchern!

Der Kommentar der Woche
Im Grunde ist es ja jedes Jahr der gleiche Mumpitz, und Weihnachten hat schon längst seinen Zauber verloren. Oder gibt es da draußen vielleicht doch noch den einen Moment, der euch bekehren kann? Vielleicht nicht. Und muss es auch nicht. Aber hört auf doctorgonzo, denn diese Tage geben euch den perfekten Grund, nochmal einen verdammt geilen Abend mit Bill Murray und Die Geister, die ich rief... zu verbringen. Ob ihr das als Frank Cross oder als Beulchen tut, ist da eigentlich schon fast egal.

Cross: A thing they nail people to

Ja, es ist Weihnachten. Schon wieder!

Im Fernsehen treten ständig Prediger (Katholiken, Protestanten, Media Markt, RTL....) auf und fordern ein Plus an Besinnlichkeit, während alle nur ihre jeweilige Ware an den Mann bringen wollen.
Es wird allenthalben auf den bösen Konsum geschimpft, per iPhone twittert man, wie sehr doch Weihnachten unter dem bösen Kommerz und der gegenseitigen Entfremdung leidet.
Menschliche Fettgebirge stehen auf öden Weihnachtsmärkten nach Langos, Räuberpfanne, Crêpes, Bratwurst, Zuckerwatte und allerlei kandiertem Altobst an, statt sich zu bewegen und mir zu Weihnachten ihre Abwesenheit zu schenken. Das Wort zum Sonntag dauert noch länger als sonst (und stiehlt mir Zeit - schließlich warte ich auf den ARD Spätfilm) und erzählt was von der Geburt unseres Heiland, während ich immer noch darauf warte, dass der Geburtstag von Batman (18.04.1939 - erster Detective Comic mit Batman veröffentlicht) zum offiziellen Feiertag wird.
Man kann nicht mehr aus den eigenen vier Wänden gehen, ohne zu hören, dass letzte Weihnachten irgendjemand irgendeinen Scheiß mit dem Herz von George Michael angestellt hat, während man sich fragt, warum man es ihm nicht einfach in den Mund gestopft hat, um eben dieses Lied zu verhindern, zu dem sich ausnehmend hässliche Pärchen plötzlich noch lieber haben als Hitler und Stalin im August 1939.
Überdrehte und überreizte Kleinkinder sowie deren Produzenten belasten noch intensiver als sonst die Einkaufmöglichkeiten der realen Welt, und auch das heißgeliebte Internet bleibt von öden Grüßen ("Wenn Du diese Nachricht an alle weiterleitest, denen Du ein frohes Fest wünscht, bist Du schnell fertig" oder so) nicht verschont. Programmierte Fröhlichkeit, wohin man klickt.
Bleibt also nur der Rausch?! Denkste!
Überall Glühweinstände, an denen sich Leute mit gestrecktem, gepanschtem, gewürztem und erwärmtem Billig-Rotwein die Kante geben, denen man bei lebendigem Leib die Leber entfernen möchte, um das Organ von diesen Leiden zu erlösen.

Aber wir sind ja alle so besinnlich, ein wenig melancholisch zwar aufgrund der fiesen Kommerzialisierung, aber trotzdem irgendwie glücklich. Schließlich ist ja Weihnachten und da gehört ein bratapfelsüßes Lächeln ja dazu, wenn man dem Gegenüber pauschal ein "frohes Fest" wünscht.

Kurzum, Weihnachten stinkt. Mit seinem verlogenen "wir haben uns jetzt alle lieb" Gedöns von allen Seiten, dem Gestank von Glühwein, der erbärmlichen musikalischen Untermalung und dem fadenscheinigen "ja das mit´m Kommerz ist schon schlimm" Getue einer dicken Frau mit einem Kilo Drogerie-Handelsmarken-Make-Up im Gesicht, die gerade Krempel gekauft hat, mit dessen monetärem Gegenwert sich anderswo Revolutionen finanzieren ließen.
Dann gibt es noch eine 5-Euro-Spende an Brot für die Welt und dieses Friedensnobelpreisgefühl erfüllt uns. Aber bitte doch. Schließlich ist ja Weihnachten...

Wie oft war ich schon vom Gedanken erfüllt, auf den Kirchturm zu klettern und den heimischen Weihnachtsmarkt mittels eines Hochleistungsgewehres um mehrere Tonnen menschlicher Ausdünstungen zu erleichtern. Aber erstens ist die Munition für ein Hochleistungsgewehr nicht billig, zweitens trifft mich unter Kirchenportalen immer ein Blitz und drittens bekomme ich auf unterhaltsame Weise ein Ventil für meine Weihnachtswut, wenn ich Bill Murray als Frank Cross beobachten darf.

Ein kaltherziger Zyniker, der Lee Majors mit Sturmgewehr die Weihnachtsmannwerkstatt retten lässt, zum Fest nur Handtücher und Duschvorhänge verschenkt, einer Maus ein Rentiergeweih an den Kopf tackern lassen möchte und auch sonst sehr sympathisch rüberkommt.

Die Läuterung im Dickens Stil wird grandios und voller Ironie in die Moderne transportiert. Gelungene Bilder und Verweise auf US-Populärkultur sowie traumhaft besetzte Nebenrollen, allen voran Bobcat Goldthwait und die wunderbare Karen Allen, mit deren damaligem Ich ich hier und dort auch gern unterm Mistelzweig gestanden hätte, runden das Ganze ab. Dazu kommt ein einmal mehr vollauf gelungener Score von Danny Elfman.

Der Plot gibt nichts, aber auch gar nichts Neues her und wäre wohl ähnlich überraschend wie die leicht matschigen Apfelsinen, die Oma jedes Jahr zum Geschenk dazu packt, hätten Regisseur Richard Donner und seine Drehbuchschreiber nicht diesen herrlichen Brückenschlag geschafft.

Gönnt Euch eine Pause vom widerlichen Glühwein da draußen und öden Jahresrückblicken im TV.
Gönnt Euch einen Bill Murray in Hochform und Euren Lachmuskeln mal wieder ehrliche Arbeit.

Get Scrooged!

Das Taxi, mit dem dieser Geist der vergangenen Weihnachtskommentare erschien, steht hier.

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