Drachen-Intelligenz in Game of Thrones: Wie schlau ist Drogon wirklich?

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Drogons größte Szene in Game of Thrones
07.11.2020 - 09:00 UhrVor 4 Monaten aktualisiert
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Ich wollte wissen, wie schlau die Drachen in Game of Thrones sind und habe spannende Antworten gefunden. Sie sind entweder schlau wie Tyrion oder "dumm" wie Pferde.

In einer epischen und zugleich rätselhaften Szene im Game of Thrones-Finale zerstört Drogon mit einem Feuerstoß den Eisernen Thron. Zart wie ein Kind einen Schmetterling untergreift der impulsive Drachensohn anschließend den Leichnam seiner Mutter und fliegt davon.

Ich habe mich immer gefragt: Was dachte Drogon in diesem Moment? Dachte er etwas? Und überhaupt, wie intelligent sind die Drachen in Game of Thrones?

Oder anders: Auf welcher Skala zwischen 1 (treudoof wie ein Dackel) und 10 (listig wie Tyrion) siedelt sich die kognitive Leistungsfähgikeit eines normalen Drachens an?

Theorie 1: Drogon ist eine Mischung aus Che und Goethe

Viele Fans und GoT-Expertinnen unterstellten Drogon in der Thron-Szene ein beeindruckendes Abstraktionsvermögen . Er zerbrach, so die Deutung, symbolisch das Rad der Macht, setzte mit seiner Flammenwelle ein politisches Zeichen und beseitigte den Auslöser für Danys Machtdurst, der sie erst den Verstand und dann das Leben kostete. Drogon verfügt in dieser Denkart über den Revoluzzer-Geist eines Che Guevarra und die poetische Inbrunst von Goethe. Na ja.

Theorie 2: Game of Thrones-Drachen sind schlau wie Hunde und Pferde

Das andere Extrem: Die Gedanken und die Gefühlswelt der Airbus großen Monster sind vergleichbar mit dem treudoofen Wesen und der Folgsamkeit eines gut dressierten Hundes. Sie können Liebe und Loyalität ausbilden, aber sonst keine größeren Geistesanstrengungen unternehmen. Zum Beispiel Dany vor offensichtlich übereilten strategischen Fehlentscheidungen warnen.

Fragen wir die Experten. In dem GoT-Buch Feuer kann einen Drachen nicht töten * erklärt Emilia Clarke unverblümt ihre Haltung zum Fortgang der Dany-Todesszene. Dieser Teil bleibt uns verborgen.

Ich denke, er fliegt mit ihrem Körper herum, bis er verwest. [...] Bis er nicht mehr fliegen kann. Er trauert einfach weiter.

Warum Drogon den Thron zerstörte, erfahren wir nicht. Aber Clarkes Auslegung spricht Bände über die Intelligenz von Drachen. Ihre Vermutung erinnert an verlassene Hunde, die ihre Familien über zig Kilometer aufspüren. Oder neben ihren in dunklen Wohnungen verstorbenen Herrchen und Frauchen bis zum bitteren Ende wachen.

Theorie 3: Drachen sind mindestens so schlau Jason Momoas Khal Drogo

Eine etwas schmeichelhaftere Erklärung lieferte Paula Fairfield Vanity Fair . Fairfield produzierte in Game of Thrones die Geräusche, die die Weißen Wanderer, Untoten und Drachen von sich geben.

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Sie formte die Persönlichkeiten von Drogon, Viserion und Rhaegal entscheidender als die Drehbuchautor/innen. Die Drachen kommunizieren nonverbal, also vor allem über Effekte: eine gekräuselte Hornstirn hier, ein wütendes Schnauben dort.

Fairfields Vorstellung, was in den Drachen vorgeht, fließt indirekt in die Serie ein. Ihre Hintergrundgeschichte für Drogon ist zwar weit entfernt von einer Kanonbeschreibung, ich finde sie aber wahnsinnig charmant und plausibel.

Meine Geschichte von Drogon: Er ist die Reinkarnation von Khal Drogo, Danys Ehemann aus Staffel 1. Ich habe diese Beziehung immer im Kopf, wenn ich Drogons [Geräusch]Palette auswähle.

Sie und das CGI-Team fügten Drogon starke Gefühle wie Eifersucht, Stolz und Wut bei. Das kam vor allem bei der Episode Ostwacht aus Staffel 7 zum Tragen, als Jon Drogon so nah kommt wie nie zuvor: "Ich erzähle mir selbst, dass [Drogon] dominant war. 'Ich kann weiter pissen als du.' [...] Der Kommentar in meinem Kopf, bevor er davon flog war: 'Denk dran, Kumpel. Sie reitet nur mich.'"

In dieser Game of Thrones-Szene spüren wir Drogons Charakter am stärksten

Hier ist die Szene. Schaut sie mit Fairfields Audiokommentar von oben. Es ergibt alles Sinn:

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Drogon verfügt demnach über emotionale Intelligenz. Die Drachen können Trauer empfinden und lieben, wie die Schmerzensschreie in der Todessequenz von Viserion zeigen.

Theorie 4: Die offizielle, aber langweilige Erklärung des Game of Thrones-Drehbuchs

Zurück zu den Momenten im Thronsaal und der vermeintlich schlausten Handlung, die eine dieser Feuerschleudern je ausgeübt hat. Fies ausgedrückt, schafft es Drogon nicht, 1 und 1 zusammenzuzählen und die offensichtliche Verbindung zwischen Jon und der toten Drachenmutter nur ein paar Meter weiter links herzustellen, was ich sogar einem Hund zutrauen würde. Jon fügt sich in sein flammendes Schicksal.

Drogon nimmt stattdessen den Thron ins Visier, scheinbar. Denn die (diesmal offizielle) Beschreibung der Szene aus dem Drehbuch der Episode  könnte kaum ernüchternder sein.

Wir schauen über Jons Schulter, als das Feuer Richtung Thron fegt - nicht das Ziel von Drogons Zorn, nur ein dummer Zuschauer, verwickelt in der Feuersbrunst.

Der Thron war lediglich im Weg, Drogon handelte durchaus poetisch, aber versehentlich. In einem nicht vollständig schlüssigen Logikgespinst schwingt sich Drogon damit gar zum einzigen legitimen Herrscher über Westeros auf.

Der Reddit-Gruppe DrogonWinsTheThrone  gehören immerhin 512 Fans an. Das zentrale Argument der Vereinigung ist so klar wie schwachsinnig: Drogon hat den Thron geschlagen und ihn damit "gewonnen". Außerdem ist er der Sohn von Dany , der toten Herrscherin.

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Game of Thrones: Wir überschätzen die Drachen maßlos

Das ist wahrscheinlich nicht ganz ernst gemeint. Trotzdem bestärkt mich die Gruppe in meinem Glauben, dass wir grundsätzlich dazu neigen, diese Drachen zu überschätzen. Unsere Popkultur-Generation ist einfach darauf konditioniert, in den edlen, kraftvollen Wesen auch einen ebensolchen Verstand zu sehen.

Sean Connery spricht mit seiner sonoren Stimme in der Originalversion von Dragonheart den weisen Drachen Draco. Benedict Cumberbatch intoniert den gierigen, hinterlistigen Smaug in der Hobbit-Trilogie mit der intellektuellen Schneidigkeit eines Psychoanalytikers.

Das fällt es natürlich schwer, die Drachen in Game of Thrones als das zu akzeptieren, was sie sind: Nutztiere. Transportmittel auf langen Reisen, Napalm-Flammenwerfer im Krieg und sanfte Gefährten in friedlichen Momenten.

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In der neuen Folge von Streamgestöber diskutieren Jenny Jecke und ich über die Herausforderungen. Dabei finden wir viel Potenzial in der Grundidee der Serie und formulieren Wünsche für die Zukunft.

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Wie steht ihr zu den Drachen in Game of Thrones?

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