Disney+ hat das Zeug zum Netflix-Killer

Netflix wird von Disney unter Druck gesetzt
© Walt Disney/Netflix
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Redakteur bei Moviepilot. Glaubt, dass Netflix sich irgendwann noch durchsetzen wird und schreibt deshalb hauptsächlich über VOD und Streaming. Schöner als Sport sind nur Filme darüber.

Streaming kann so spannend sein. Disney+ ist (so gut wie) da und legt ein beeindruckendes Paket vor, das den Kampf der Streaming-Dienste um Film- und Serien-Fans deutlich verschärft. Seit dieser Woche ist alles anders, denn nach der erkenntnisreichen Disney+-Vorstellung arbeiten wir endlich mit harten Fakten und Daten. Wir wissen jetzt, wie sich ein Traditionsstudio einen Streaming-Dienst vorstellt.

In einem halben Jahr startet Disney+, mit angeblich über 7.500 Episoden und 500 Filmen an Bord. Der Start in den USA am 12. November dieses Jahres steht seit der Nacht von Donnerstag auf Freitag fest. Auch den Preis gab Disney bekannt.

Disney sieht sich schon jetzt in der Pole-Position im Streaming-Krieg

Disney besitzt die wertvollsten Kinomarken und bietet seine Flatrate zu einem besseren Spottpreis an. Können die Konkurrenz-Dienste da überhaupt mithalten? Disney+ erinnert ein wenig an diese riesigen Kreuzfahrtschiffe, die Häfen blockieren und alles um sich herum wie Spielzeugmodelle wirken lassen. Selbst Netflix, lange Marktführer, wird von Disney im Streaming-Kampf an die Wand gedrückt. Disney+ verändert die Maßstäbe in der Streaming-Welt.

Was Disney(+) Netflix voraus hat

Auch der Disney-CEO beschreibt im Hollywood Reporter seine Sicht auf die neuen Verhältnisse im Streaming-Krieg mit "optimistisch". Er macht die neue "Oberhand" von Disney an drei zentralen Punkten fest: Content, Plattform und Preis. Da ist durchaus was dran.

Die Disney-Markenmacht stellt alles in den Schatten

Disney schwoll durch Symbiosen mit Marvel, Lucasfilm und zuletzt 20th Century Fox auf monströse Größe an. Der Disney-Streaming-Dienst profitiert von dieser Breite und Vielfältigkeit. Wenn sich Disney mit Disney+ nun in den Streaming-Hafen drängt, wirkt auch ein Branchen-Riese wie Netflix plötzlich klein. Netflix produziert zwar massenhaft internationale, günstige Serien und Filme. Die verschwinden aber so schnell wie sie auftauchen. Netflix ist eine Marke, besitzt selber aber keine. Hier seht ihr alle Serien, die neu zu Disney+ kommen.

Netflix versucht noch, diesen jahrzehntelangen Vorsprung durch Milliardenkredite aufzuholen. Womöglich vergeblich. Nicht alles lässt sich mit Geld kaufen. Erinnerungen zum Beispiel nicht, und Marken sind letztlich angehäufte Erinnerungen und Gefühle. Eines der wenigen bekannten Franchises von Netflix, die Marvel-Serien, haben die ABC Studios von Disney produziert. Es wird nach diesem Jahr keine weiteren Staffeln von Jessica Jones und Daredevil geben, zumindest nicht auf Netflix.

Die Oberfläche von Disney+ ist ausgeklügelt und auf dem neuesten Stand

Disney zeigte bei der Präsentation am Donnerstagabend lediglich kurze Eindrücke von der Disney+-Oberfläche, auf der sich bald Disney-Prinzessinnen und Jedi-Ritterinnen über den Weg laufen werden. Der Look flutscht und erinnert in Farbgebung und Struktur eher an Netflix als an Amazon Prime. Disney ließ sich sein Disney+ von BAMTech bauen, das auch die Streaming-Techniken für den Sportsender ESPN entwarf. Disney+ verfügt nun über die Infrastruktur für Live-Übertragungen. Netflix fehlt sowas.

Disney geht mit einem Kampfpreis an den Start

6,99 US-Dollar kostet Disney+ monatlich, wer gleich fürs Jahr bezahlt, kriegt zwei Gratismonate. Als der Preis auf der Präsentation genannt wurde, soll ein Raunen durch den Saal gegangen sein. Andere berichten vom knochigen Klappern herunterfallender Kinnladen. Dass Disney+ günstiger sein soll als Netflix, hatte Disney bereits angedroht. Nun untertrifft Disney+ seine direkten und größten Konkurrenten gleich um mehrere Euro.

Mit diesem Abstand war nicht unbedingt zu rechnen. Der niedrige Preis wird selbst einige Skeptiker unter den Filmfans ködern, sich diese Disney-Streaming-Sache mal anzuschauen. Disney kopiert damit die Netflix-Strategie aus einer Zeit, als noch niemand wusste, was Streaming ist und warum man fürs Serienschauen im Internet überhaupt etwas bezahlen sollte.

Wie Netflix ist Disney bereit, lange Wege zu gehen und Verluste zu machen mit seinem niedrigen Preis. Mit Profit aus dem Streaming-Sektor rechnet Disney erst 2024. Bis dahin könnte Disney allerdings auch schon auf demselben Preisniveau wie Netflix angekommen sein. Der aktuelle, sehr günstige Preis ist nicht für die Ewigkeit geschaffen.

Disney zeigt Netflix, was Streaming auch sein kann

Disney macht die Mängel und Versäumnisse der Content-Schleuder Netflix sichtbar. Es ist das erste der großen Hollywood-Studios, das seinen eigenen Streaming-Dienst fertig konstruiert. Wir müssen uns mal ganz kurz vergegenwärtigen, was das eigentlich bedeutet. Streaming 2.0 bringt auch Kino 2.0 mit sich. Wie der Disney-Streaming-Dienst genau auf die Gewohnheiten der Kino-Industrie einwirken wird, lässt sich noch nicht absehen.

Aber es ist ein großer Fehler, Disney und Disney+ getrennt zu denken. Genauso wie es überhaupt ein Fehler in der Netflix-Gleichung war, Kino und Streaming getrennt zu denken. Disney und Disney+ arbeiten zusammen in synergetischer Harmonie. Disney verwendet die Streaming-Technologie als Ergänzung zu seinem florierenden Kino-Imperium.

Die vielen neuen Marvel- und Star Wars-Serien gehen Hand in Hand mit diesen Filmuniversen. Disney entdeckt so ganz neue Möglichkeiten in der Franchise-Bildung, was natürlich nicht jedem gefallen muss. Aber dadurch unterscheidet es sich elementar von der manchmal militanten Kino-Politik von Netflix.

Disney erfindet den ganzheitlichen Streaming-Dienst, der Kino und Streaming wieder verbindet. Das Disney-Budget für Streaming-Produktionen beträgt "nur" 1 Milliarde Dollar, deutlich weniger, als für die Kinosparte draufgeht. Aber alle Disney-Kinofilme landen früher oder später auch beim Streaming-Dienst. Disney profitiert doppelt von ihnen.

Zum Vergleich: Netflix gab zuletzt 8 Milliarden Dollar aus, aber eben ausschließlich für die Streaming-Auswertung. Netflix hat die letzten Jahre damit verbracht, Heimkino und Kino zu trennen, wollte eine reine Home-Experience sein - und beschränkte sich damit selbst, wie Disney uns nun vor Augen führt.

Netflix kommt ein großer Verdienst zu, es hat die Streaming-Technik in den letzten Jahren modernisiert und verbreitet. Doch es scheint, als würde erst Disney die Möglichkeiten des Streamings voll ausschöpfen können - als Erweiterung des Kinos, nicht als dessen Ersatz.

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