Tatort-Kritik

Depression und Vergewaltigung am Bodensee

Tatort - Im Netz der Lügen
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Tatort - Im Netz der Lügen

Es war mittlerweile der 17. Fall, den Klara Blum (Eva Mattes) gestern im Konstanzer Tatort Tatort: Im Netz der Lügen zu lösen hatte. Geschrieben von Adolf-Grimme-Preis-Trägerin Dorothee Schön und inszeniert von Patrick Winczewski ging es um das Spiel mit Identitäten in den anonymen Weiten des Internets, Sado-Maso-Spiele und einer gnadenlosen Richterin. Eine spannende Grundkonstellation in trister Umgebung mit faden Kommsissaren gegen überzeugende Gegenspieler.

Die strikte und unabhängige Richterin Heike Göttler (Karin Giegerich) wird beim Joggen angefallen. Sie erschlägt den Täter, einen potenziellen Vergewaltiger. Ein ganz klarer Fall von Notwehr – zumindest scheint es somit ein einfacher Fall für Klara Blum und ihren Kollegen Perlmann zu werden. Als sich herausstellt, dass der Tote, ein ansonsten unbescholtener Lehrer und Familienvater, sich mit seinem Opfer im Internet verabredet hat, werden Zweifel an der Notwehr-Version der Richterin wach. Eine durchaus spannende Grundkonstellation, die durch eine starke, gut und überzeugend gespielte Karin Giegerich noch verstärkt wurde.

Durchschaubare Handlung, hölzerne Eva Mattes

Leider überzeugte der Tatort aber dann doch nicht, war das Spiel mit den falschen Identitäten einfach doch zu durchschaubar und die stets triste Atmosphäre am Bodensee zwar eine gute Umgebung für das Verbrechen, konnte den Zuschauer aber doch nicht fesseln. So grausam das Verbrechen und die damit verbundenen Konsequenzen für die Richterin und alle Beteiligten auch ausfielen, bestach Eva Mattes wieder einmal durch eine sehr hölzerne Darstellung ihrer Figur. Im Gegensatz zu Karin Giegerich bot sie dem Zuschauer einfach keinerlei Einblick in ihre Figur und ermöglichte somit fast keine Empathie und Zugehörigkeit.

Auch der von Richterin Heike Göttler vor Jahren für schuldig gesprochene Vergewaltiger Ernst Heck (Matthias Freihof) stand mit einer überzeugend Darstellung seiner Figur im Raum und wusste, mit welchen Mitteln man die Kommissare auf falsche Fährten locken konnte. So wusste die Riege der Gegenspieler zwar zu überzeugen, das Ermittlerteam blieb facettenlos. In weiten Teilen merkte man dem Tatort seine Inszenierung unglaublich stark an und half sich teilweise auch mit einigen Absurditäten über dramaturgische Hürden.

Rudimentäre Inszenierung mit maximal zwei Gesichtsausdrücken

Durchzogen war der gesamte Fall von Mikro-Expressionen, wie man sie bereits aus der TV-Serie Lie to Me kennt. So interessant und funktional diese Methode auch ist, wirkte sie hier jedoch ziemlich rudimentär inszeniert und, auf zwei offensichtliche Gesichtsausdrücke beschränkt, doch schon etwas albern.

Alles in Allem zählt Tatort: Im Netz der Lügen zu den unspannenderen und vorhersehbareren Fällen der Tatort-Reihe.

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