Deadpool nervt: Der Marvel-Film scheitert auf ganzer Linie

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© 20th Century Fox/ Disney
Deadpool macht sich über Marvel-Filme lustig
07.12.2020 - 17:45 UhrVor 1 Monat aktualisiert
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Lieber Green Lantern als Deadpool. Der Marvel-Hit ist schlechter als die Filme, über die er sich lustig macht. Warum, lest ihr hier. Seit kurzem ist Deadpool bei Amazon Prime.

Update: Deadpool ist jetzt neu bei Amazon Prime in der Flatrate verfügbar. Zuvor lief er bei ProSieben in der Primetime. Es folgt der ursprüngliche Artikel.

Ein Film, der schmerzhaft auf die Albernheiten im MCU einprügelt. Ein Film, der die blinden Flecke des wirtschaftlich erfolgreichsten Filmzweigs ausleuchtet. Ein Film, der überstrapazierte Elemente in Marvel-Filmen unterläuft. All das ist Deadpool leider nicht.

Deadpool-Bademantel (Ja, wirklich)
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Ich fand Deadpool unterhaltsam. Was mich nervt, ist seine Selbstgerechtigkeit. Er schmückt sich mit den Federn eines Rebells und ist doch nur ein zahmer Mitläufer, der im eigenen Klischee-Saft brät. Bald fünf Jahre ist sein Kinostart alt.

Was ist von ihm geblieben?

Blut und Schimpfwörter: Der Mythos vom Überraschungserfolg Deadpool

Im Jahr 2016 wurde Deadpool als Überraschungserfolg gefeiert, was seine Wahrnehmung als Stein im Schuh des Kino-Establishements festigte. Ich konnte die Begeisterung nie vollständig nachvollziehen. Es stimmt, die ungewöhnlich brutale Comic-Verfilmung stieß die Tür für Blockbuster mit R-Rating (FSK 16) etwas weiter auf.

Allerdings zusammen mit Mad Max: Fury Road, der ein Jahr früher in den Kinos erschien und mit R-Rating in den USA rund 150 Millionen US-Dollar einspielte.

Witzige Versprecher in den Deadpool-Outtakes

Deadpool - Featurette Gag Reel (English) HD
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Deadpool hatte Erfolg, so hieß es, nicht weil, sondern obwohl er ab 16 freigegeben war. Als würde Brutalität den Erfolg eines Films bremsen. Von den 780 Millionen US-Dollar Einspiel konnte niemand überrascht sein. Eigentlich nur jene, die auch zusammenzucken, wenn ich ihnen sage, dass die meisten erfolgreichen Filme der letzten 50 Jahre 2 Merkmale gemeinsam haben:

  • Gewalt (1)
  • männliche Außenseiterhelden (2)

Heute kommen dazu:

  • Humor (3)
  • Superkräfte (4)
  • Wahlweise Marvel oder DC (5)

Deadpool vereint die 5 wichtigsten Merkmale eines Blockbuster-Hits und muss nicht mal einen unbequemen Joaquin Phoenix als Ballast mitschleppen wie der Milliarden-Hit Joker. Mit Ryan Reynolds spielt der stromlinienförmigste Blockbuster-Schauspieler-Prototyp die Hauptrolle. Ein Studioboss könnte ihn sich nicht besser backen.

Neu bei Amazon Prime: Deadpool ist eine harmlose Marvel-Parodie

Und was hat Deadpool überhaupt riskiert, um derart überschwänglich für seinen Mut abgefeiert zu werden, was ihn auf Platz eins der besten Filme bei Moviepilot im Jahr 2016 hievte? Vor The Hateful 8, Star Wars: Rogue One, The First Avenger: Civil War und The Revenant?

Er ist ein normaler, unterhaltsamer, öder, witziger Marvel-Film, mit Blut, Schimpfwörtern und nicht wirklich ausgefeilten Referenzen an das eigene Comic-Handwerk. Um sich vom Marvel-Einheitsbrei abzuheben, reichen offenbar ein paar böse Wörter, eine Hugh Jackman-Maske und alle paar Minuten ein abgehacktes Körperteil.

Deadpool - Viral Clip Manchester United Dream (English) HD
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Wenn Ryan Reynolds nochmal daran erinnert, wie vergessenswert sein Auftritt als Green Lantern war und wie furchtbar das CGI, rennt er bei Fans offene Türen ein. So ein Witz schockt niemanden. Deadpool ist nicht beleidigend, er geht nicht da hin, wo es wirklich weh tut.

The Boys wischt mit Deadpool den Boden auf

Wie zahnlos Deadpool als Superheldenfilm-Parodie zubeißt, zeigt nicht zuletzt The Boys. Wo Deadpool sich mit harmlosem Marvel-Humor über harmlosen Marvel-Humor lustig macht, sucht die Amazon-Serie die schmerzhaften Versäumnisse, die kalten Nischen des Superhelden-Genres.

The Boys legt sich mit Disney und Scientology an. Die Serie mahnt die Vernachlässigung von abweichenden sexuellen Orientierungen an. Sie führt uns mit großer Wucht die Ausnutzung von Schauspieler/innen aus Minderheitengruppen für eine gerade mal symbolische Repräsentation vor Augen.

Deadpool hingegen ist auch in sexueller Hinsicht typisch Marvel: Eine pansexuelle Orientierung wird angedeutet - angeblich steht Wade auf alles und jeden. Er lebt aber natürlich in einer strikt heterosexuellen Beziehung. Oder versucht sie wieder herzustellen.

Deadpool scheitert nicht nur als Parodie, sondern auch als Film

Ich hatte manchmal den Eindruck, Deadpool ruht sich auf seiner Edgyness aus und vergisst dabei, dass er selber erstmal ein Gerüst erschaffen müsste, das die durchaus vorhandenen Ideen und Ansätze stützt. Die Parodie schwabbelt auch deshalb so ziellos herum, weil ihr die stabilisierende Form fehlt, die normalerweise eine Filmhandlung liefert.

Das alternative Ende von Deadpool

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Deadpool erzählt die denkbar simpelste Origin-Story und selbst das kriegt er nicht richtig hin. Oder was genau soll die Erzählung in Rückblenden bringen außer Gelegenheiten für Reynolds, sich an das Publikum zu wenden und die vierte Wand zu brechen.

Durch seine groben Handlungsstationen torkelt Deadpool mit der großkotzigen Sprunghaftigkeit eines Honest Trailers: Punchline, Referenz, Cameo, aber keine Rahmung. Diese offensichtlichen Unzulänglichkeiten kaschiert er mit Brutalität und Vulgarität - und Ryan Reynolds, der in seinem Herzensprojekt wirklich alles gibt.

Nochmal: Was wird von Deadpool bleiben?

Deadpool hält der Industrie, der er entstammt, den Spiegel vor, lese ich immer wieder. Das stimmt. Es sieht nämlich alles genauso aus wie in den Filmen, über die er sich lustig macht. Aber die Nachahmung von etwas Schlechtem ohne Ziel, Brechung oder Pointe ist einfach nur doppelt schlecht.

Deshalb werden wir uns selbst an die schlechtesten Superhelden-Filme länger erinnern als an Deadpool. Green Lantern inbegriffen.

Warum The Boys so beliebt ist, prüfen wir im Moviepilot-Podcast

Im Streamgestöber diskutieren Jenny und Andrea, warum The Boys die bestbewertete Superhelden-Serie bei Moviepilot ist:

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