Bitte nicht zu Disney+: Ein Star Wars-Film ohne Kino klingt furchtbar

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Star Wars 9
25.02.2020 - 07:36 UhrVor 1 Monat aktualisiert
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Ein neuer Star Wars-Film soll in Planung sein, angeblich der erste, der nur bei Disney-Streamingdienst läuft. Das wäre ein besorgniserregendes Signal fürs Kino - und für Star Wars.

Die Star Wars-Zukunft ist unübersichtlich wie nie zuvor. Seit Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers die dritte und womöglich letzte Trilogie beendete, entstanden Gerüchte um zwei weitere Filme, einer davon vom Thor- und Mandalorian-Regisseur Taika Waititi. Über das Projekt ist so gut wie nichts bekannt. Dasselbe gilt jetzt für den Film, von dem der Hollywood Reporter  erfahren hat.

An dem neuen Star Wars-Projekt wären gleich 2 Dinge besonders

1. Die Macher stammen aus dem Independent-Milieu und dem Fernsehen.

Regie bei dem namenlosen Film soll J.D. Dillard führen, der mit dem Sci-Fi-Film Sleight - Tricks & Drugs & Zauberei einen Festival-Erfolg landete. Als Autor fungiert Matt Owens, der vor allem mit seiner Arbeit für die Marvel-Serien Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. und Luke Cage auf sich aufmerksam machte.

Diese Strategie, auf eher unerfahrene kreative Köpfe zu setzen, erinnert an das von Kevin Feige geführte MCU. Die Endgame-Macher verbrachten die meiste Zeit ihrer Karriere im Fernsehen, bei den Blockbustern Captain Marvel und Black Widow führten Indie-Darlings Regie. Bei Star Wars-Filmen waren bisher ausschließlich Regisseure federführend, die bereits Blockbuster-Erfahrung aufweisen können.

Das passt zu dem nächsten Punkt, den der Bericht aufmacht.

2. Der Star Wars-Film könnte der erste sein, der nicht ins Kino kommt

Die Quellen des Hollywood Reporter erklären, dass Disney sich noch nicht entschieden habe, ob der Film von Dillard und Owens eine Leinwandauswertung erhalten wird, wie jeder Star Wars-Film bisher. Oder ob das Abenteuer direkt beim Streaming-Dienst Disney+ landet. Letzeres käme einer Zäsur nicht nur für Star Wars-Filme gleich. Die Entscheidung würde das Selbstverständnis des Blockbuster-Kinos an sich verändern.

Ein Star Wars-Film, der nicht ins Kino kommt: Schon die vage Aussicht tut weh. Surrende Lichtschwerkämpfe und heulende Weltraumschlachten auf dem Smart-Fernseher, das ist wie ein Sturm im Wasserglas. Es wäre schon ironisch, würde ausgerechnet das Franchise, das die Schauwerte moderner Actionfilme formte wie kaum eine andere Reihe, die Verlagerung des Blockbusters in die Streaming-Etage anführen.

Star Wars 8

Sie prägen Kinobiografien, Das Erwachen der Macht war wahrscheinlich für viele heute 17-Jährige das erste Erlebnis im Kino ohne Eltern und Zeichentrick. Wenn ein Star Wars-Film ins Kino kommt, lässt sich selbst der größte Kinomuffel mitschleppen. Noch sind es lediglich Gerüchte, aber ein Direct-to-Disney+-Star Wars-Film würde das Kino als Austragungsort für Film-Events infrage stellen und ein kaum einzuschätzendes Signal an die Branche und das Publikum senden.

Mit Star Wars-Kinopower gegen Netflix

Die Entscheidung wäre schwerwiegend, was sie nicht weniger plausibel macht. Mit Disney+ attackiert Disney den neuen Konkurrenten Netflix, indem es dessen Erfolgsstrategien adaptiert und weiterentwickelt. Netflix zeigt die Blockbuster des Transformers-Machers auf Smartphones, Smart-TVs, Laptops und vielleicht noch Beamer-Leinwänden. Vorführungen sind in Wohnzimmern mit High-End-Soundanlagen und im Fernbus möglich.

Nun hat Disney keinen Michael Bay. Sie haben Star Wars, Marvel und Avatar. Im Marvel-Universum, wo die Einnahmen mit fast jedem Film steigen, entwirft Disney eine Art Paralleluniversum mit MCU-Serien. Kino und Streaming gehen hier Hand in Hand.

Die Marke Star Wars schwächelt im Kino

Bei Star Wars hingegen gehen die Erträge seit Das Erwachen der Macht im Jahr 2015 zurück. Solo war 2018 der erste echte Sternenkriege-Flop und Aufstieg Skywalkers spielte weniger ein als seine beiden Trilogievorgänger. In der Disney-Logik stellen Star Wars-Filme inzwischen ein Geschäftsrisiko dar, kostspielige Querelen mit den Kreativen wie bei Rogue One und Solo sind inzwischen die Regel, nicht die Ausnahme.

Gute alte Star Wars-Zeiten

Im MCU gab es sowas bisher ein einziges Mal, damals mit Edgar Wright bei Ant-Man, der auch als Star Wars-Regisseur infrage gekommen wäre. Zumindest vor ein paar Jahren noch. Ob der MCU-Verwalter Kevin Feige geholt wurde, um Ordnung in den Laden zu bringen oder um nur einen einzigen Film zu produzieren, wie es offiziell heißt, ist unklar.

Wie groß ist die Macht von Kevin Feige?

Womöglich soll er auch helfen, die Star Wars-Zukunft so aufzubauen, wie Bob Iger, der Disney-Chef, sich das vorstellt. Die Wahl der Macher des neuen Films trägt jedenfalls eher Feiges Handschrift als die der Lucasfilm-Chefin Kathleen Kennedy, die lieber mit Regie-Superstars wie J.J. Abrams, Steven Spielberg und Rian Johnson zusammenarbeitet.

Sie steht für die alte Lucasfilm-Tradition. Kevin Feige und Bob Iger vertreten die geordnete Gegenbewegung, die schnurstracks ins Fernsehen, zu Disney+, führt. Den Disney-Investoren sagte Iger vor wenigen Wochen  über die Pläne mit Jedi-Rittern und Rebellen: “Die Priorität in den nächsten Jahren ist Fernsehen". Womit er vor allem die geplanten Serien nach dem The Mandalorian-Erfolg meinte, offenbar aber auch Filme-Projekte.

Im Kino mag die Marke Star Wars schwächeln. Im Streaming-Krieg wäre sie eine wertvolle Waffe. Nur erinnert die im Wohnzimmer eingepferchte Kino-Power irgendwie an einen Sportwagen, der in der Garage verrostet.

Was haltet ihr von den Star Wars-Plänen?

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