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Filmfestival Cannes

Antjes Cannes-Liebling - Der Pianist

17.05.2012 - 07:00 UhrVor 8 Jahren aktualisiert
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Der Pianist ist einer unserer Cannes-Lieblinge
© Focus Films
Der Pianist ist einer unserer Cannes-Lieblinge
In dem herausragenden Film Der Pianist kämpft Adrien Brody als Władysław Szpilman um das nackte Überleben. Roman Polanskis überwältigendes Drama gewann 2002 die Goldene Palme in Cannes und wurde ein Jahr später zudem mit drei Oscars geehrt.

Anlässlich des Festival Cannes, das gestern eröffnet wurde, haben wir aus der Moviepilot-Redaktion uns gedacht, wir stellen euch unsere Lieblings-Cannes-Gewinner vor. Gestern machte Racoon mit ihrem Cannes-Liebling Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte den Anfang. Heute möchte ich ein paar Worte über Roman Polanskis Der Pianist verlieren, der 2002 die Palme d’Or gewinnen konnte.

In dem Holocaust-Drama von Roman Polanski wird die wahre Geschichte des polnisch-jüdischen Pianisten und Komponisten Władysław Szpilman erzählt. Adrien Brody spielt die Rolle des in Warschau hochangesehenen Pianisten. Als der Zweite Weltkrieg beginnt und die deutschen Truppen einmarschieren, droht ihm der Abtransport nach Treblinka, doch er kann fliehen. Szpilman findet Zuflucht bei Freunden, doch in dieser gefährlichen Zeit ist er im Warschauer Ghetto nirgends sicher. So schleppt er sich durch die Ruinen der Stadt, von Versteck zu Versteck, immer auf der Suche nach Essbarem und mit angsterfülltem Blick. Doch eines Tages trifft der einsame Mann auf Wilm Hosenfeld (Thomas Kretschmann), einen deutschen Offizier, der das Schicksal des Pianisten entscheidend beeinflussen wird.

Mit diesem Film haben Frankreich, Polen, Großbritannien und Deutschland bewiesen, dass sie nicht nur Kriege gegeneinander führen können. Sie können auch in einer länderübergreifenden Co-Produktion gemeinsam einen Film auf die Beine stellen – und dazu auch noch ein ganz wunderbares Werk abliefern. Selten sah der Zuschauer einen Schauspieler auf so eindrucksvolle Weise Brot essen – nein, eher verschlingen. Adrien Brody glänzt in seiner Rolle als jüdischer Pianist Władysław Szpilman und erhielt dafür 2003 den Oscar als bester Hauptdarsteller. Damit ist er der jüngste Schauspieler (zu dem Zeitpunkt war Adrien Brody 29 Jahre alt), der in dieser Kategorie ausgezeichnet wurde. Außerdem wurde Der Pianist mit dem Academy Award für die beste Regie und das beste adaptierte Drehbuch geehrt.

Adrien Brody zeigt sich hier einerseits als talentierter Pianist im Anzug, dessen größte Leidenschaft die Musik ist und die er zum Leben braucht wie die Luft zum Atmen. Doch dann sehen wir diesen überragenden Darsteller humpelnd mit verfilztem Bart, dem fast die Sachen vom Leib fallen, physisch und psychisch dem Hungertod nahe – nicht nur weil ihm die Musik fehlt, sondern eben auch die reale Nahrung. Was ist da nun das größere Übel? Darauf eine Antwort zu finden, ist alles andere als einfach. Bezeichnend für die innerliche Zerrissenheit sind die Szenen, in denen der von Brody gemimte Pianist mit seinen grazilen Fingern über den Tasten eines Klaviers schwebt. Er verlangt kaum noch etwas vom Leben, er will einfach nur Klavierspielen. Das Instrument ist so nahe, aber es bleibt ihm versagt. Das, was ihm am meisten am Herzen liegt, könnte ihn verraten. Aber wenn wir nichts mehr haben, dann gibt es da glücklicherweise immer noch die Fantasie.

Was haltet ihr von Der Pianist? Hat der Film zurecht die Goldene Palme gewonnen?

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