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Filmfestival Cannes

Antjes Cannes-Liebling - Das Piano

22.05.2012 - 08:50 UhrVor 9 Jahren aktualisiert
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Holly Hunter und Anna Paquin in Das Piano
© Arthaus/Kinowelt
Holly Hunter und Anna Paquin in Das Piano
Anlässlich des Filmfestivals in Cannes stellen wir euch unsere liebsten Cannes-Gewinner vor. Heute widmen wir uns Jane Campions Meisterwerk Das Piano.

Im Rahmen des Festivals in Cannes stellen wir unsere Cannes-Lieblinge vor. Heute möchte ich euch Das Piano von Jane Campion nahebringen. Wie bei Klavierfilmen so üblich, steht hier natürlich wieder einmal die Musik im Mittelpunkt. Michael Nyman lieferte den atemberaubenden Score zum Film. Bei jedem Ton hopst das Herz des Zuschauers auf und ab. Eine Gänsehaut ist da vorprogrammiert. Dass Holly Hunter die meisten Piano-Szenen im Film selbst spielte, ist mehr als beeindruckend.

Holly Hunter spielt Ada McGrath – mit vollem Körpereinsatz. Nun ja, fast: Ihre Stimme darf die oscarprämierte Darstellerin nicht nutzen, denn Ada ist stumm. Weshalb Ada so schweigsam ist, erfährt der Zuschauer nicht. Ada McGrath ist eine leidenschaftliche Pianistin. Mitte des 19. Jahrhunderts verlässt sie mit ihrer neunjährigen Tochter Flora (Anna Paquin) ihre schottische Heimat, da sie auf Wunsch ihres Vaters mit dem in Neuseeland lebenden Briten Alisdair Stewart (Sam Neill) verheiratet wird. In der Ehe mit dem fremden Mann fühlt Ada sich unverstanden, kann er doch keinen praktischen Nutzen in dem von ihr vergötterten Instrument erkennen. Alisdair verkauft das Piano schließlich an George Baines (Harvey Keitel). Im Austausch gegen körperliche Zuwendung könnte Ada ihr Instrument zurück erhalten. Dass das nicht lange gut gehen kann, scheint offensichtlich.

Das Piano ist ein Film über die Suche nach einem neuen Leben, über das Verlangen und über die Leidenschaft. Sinnliche Bilder, bei denen die Hauptdarsteller Intimstes preisgeben, wechseln sich ab mit grandiosen, bildgewaltigen Aufnahmen der neuseeländischen Küste, die uns mit ihrer Weite umso intensiver die Einsamkeit spüren lässt. Und über allem legt sich Michael Nymans Klaviermusik, die uns mitnimmt auf die Reise ins Innerste der stummen Ada. Wo sie sprachlos bleiben muss, ist es die Musik, die uns tiefe Einblicke in ihr Gefühlsleben gewährt.

Letzte Woche widmeten wir uns bereits der brisanten Geschlechterfrage, die sich dem aufmerksamen Filmpublikum ja spätestens seit dem Brandbrief von Fanny Cottençon, Coline Serreau und Virginie Despentes quasi aufdrängte. So ist Jane Campion bisher tatsächlich die einzige Frau, die den Hauptpreis in Cannes gewinnen konnte. 1993 durfte sie für ihren beeindruckenden Film Das Piano die Goldene Palme mit nach Hause nehmen. Und damit nicht genug: Oben drauf gab’s zum krönenden Abschluss noch drei Oscars. Holly Hunter und Anna Paquin wurden für ihre schauspielerische Leistung mit einem Academy Award geehrt. Jane Campion bekam für ihr Drehbuch ebenfalls einen der begehrten Goldjungen.

Am 27. Mai ist Das Piano übrigens um 22:45 Uhr auf dem Bayrischen Rundfunk zu sehen. Alle, die Jane Campions Film bisher nicht gesehen haben, sollten sich dieses filmische Highlight nicht entgehen lassen.

Hat Jane Campions Das Piano euch auch so beeindruckt wie mich?

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