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Als würde Iron Man Godzilla vermöbeln: Das Team des besten Monsterfilms der letzten 10 Jahre meldet sich mit Kracher zurück

Shin Ultraman
Toho
Shin Ultraman
06.10.2022 - 16:00 UhrVor 2 Monaten aktualisiert
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2016 belebten sie Godzilla mit dem besten Monsterfilm seit langem neu, jetzt ist dasselbe Team mit dem Nachfolger zurück: In Shin Ultraman vermöbelt ein eisernes Alien so einige Monster.

Was fehlte in den Monsterfilmen der letzten Jahre am meisten? Ein eisernes Alien mit knackigem Hintern, das den Viechern mal so richtig einheizt! Genau davon erzählt Shin Ultraman, der neue Film des Teams, das 2016 mit Shin Godzilla den wohl besten Monsterfilm der letzten Jahre vorgelegt hat.

Shin Ultraman erreicht nicht ganz die Höhen des Vorgängers, aber als Superheldenfilm mit liebevoll gestalteter Kaiju-Action und einem Look, der interessanterweise an Lenßen & Partner erinnert, zaubert er ein Lächeln aufs Gesicht.

Wie Iron Man vs. Godzilla: In Shin Ultraman werden Monster von einem Superhelden vermöbelt

Shin Ultraman wird fast genau acht Jahre nach Shin Godzilla beim Festival des phantastischen Films in Sitges (lies: Sietsches) präsentiert. In dem Küstenstädtchen südlich von Barcelona tummeln sich seit Jahrzehnten die Genre-Narren, die einen Strahlen schießenden japanischen Eisenmann in ihrer Mitte begrüßen wie einen verlorenen Sohn.

Dieser Iron Man heißt Ultraman, erlebt seit den 1960er Jahren Abenteuer im japanischen Fernsehen und sieht aus, als hätte jemand eine Kaulquappe auf den Torso des T-1000 aus Terminator 2 geklebt. Als Hiroki Asami (Masami Nagasawa) im neuen Film den Hochhaus großen Ultraman zum ersten Mal erblickt, stößt die Kaiju-Analystin nur ein verzaubertes "beautiful" aus. Sie ist Teil der handlich betitelten SSSP (S-Class Species Suppression Protocol), einer von vielen Behörden, die sich mit den Monstern herumschlagen müssen, welche auf den japanischen Inseln halt machen.

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Die meiste Zeit muss die SSSP zuschauen und auf das Beste hoffen, wenn sich mal wieder eine Riesenschildkröte mit Bohrer-Schnauze durch Berge und Täler gräbt. Doch Ultraman verändert alles. Der blitzblanke Koloss mit dem sehnig-silbrigen Körper stellt sich den Kaiju in den Weg. Uneigennützig hilft er den kleinen wehrlosen Menschen. Es wäre ein Happy End, gäbe es nicht andere Aliens, die mit weit weniger reinen Motiven auf die Erde kommen.

Ultraman-Vorwissen benötigt man nicht, um diese Story zu durchsteigen. Es hilft aber, wenn man Freude an Monster-Fights hat, in denen der Prozentsatz des Realismus gegen null tendiert.

Die Liebeserklärung an altmodische Monster-Unterhaltung ist das Mittelstück einer Trilogie

Der Film von Shinji Higuchi (Attack on Titan) und Neon Genesis Evangelion-Erfinder Hideaki Anno ist ästhetisch weit entfernt von Gareth Edwards züchtigem Godzilla (2014). In Sachen Spaß an Monster-Gekloppe ähnelt er eher – wenn man denn ein amerikanisches Pendant suchen muss – Godzilla vs. Kong. In erster Linie haben die beiden eine Liebeserklärung an die sogenannten Tokusatsu-Reihen gedreht, also Live-Action-Filme und -Serien mit starkem Spezialeffekte-Einschlag.

Darin unterscheidet sich der neue Ultraman-Film wesentlich vom Vorgänger Shin Godzilla. Dieser nutzte den zerstörerischen Auftritt des Kaiju-Königs, um einen vernichtenden Kommentar über die Reaktion der Regierung auf die Nuklearkatastrophe von Fukushima 2011 abzugeben. Shin Ultraman belächelt ebenfalls die Mühlen der Bürokratie (wenn ein Monster mit amerikanischen Raketen beschossen wird, wird erstmal diskutiert, wer die Rechnung bezahlt). In seinem Kern ist es jedoch ein optimistischer Film, der zwischen schwarzen Anzügen und Formularen den Sense of Wonder für die Effekte wiederentdeckt.

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Wenn Hiroki Asami im Angesicht des Ultraman ihr "beautiful" von der Lippe flutscht, kann das als Mission Statement des Films verstanden werden.

Ultraman ist eine wundervolle Kreation, ebenso wie andere Monster und Aliens des Films: Da gibt es eine sprechende Kellerassel aus Stahl und Licht, die sich am liebsten mit Trenchcoat und Hut kleidet. Und es gibt Mefilas, der aussieht wie einer der Zyklonen aus Battlestar Galactica, dem Schamlippen im Gesicht gewachsen sind. Und von der Heuschrecke mit bernsteinfarbenen Brüsten fange ich gar nicht an...

Shin Ultraman fehlt der Biss des Vorgängers und dessen satirische Härte. Von der quasi-dokumentarischen Inszenierung sind noch ein paar Überbleibsel geblieben. Etwa auf Schreibtischen und an Autotüren platzierte Kameras, die dem Ganzen den Hauch einer Doku-Fiction-Serie aus den frühen 2000ern geben. Aber eine Wiederholung des Zaubertricks von 2016 wäre wohl zu viel verlangt gewesen.

Wer Monster mag, wird sich über Shin Ultraman freuen. Und der dritte Teil der Reboot-Trilogie, Shin Kamen Rider, kann gar nicht schnell genug kommen.

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