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Achtung Sparwitz - Die RTL Serien-Offensive

22.08.2013 - 08:50 UhrVor 7 Jahren aktualisiert
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Die neuen RTL Serien
© RTL/Gordon Mühle/Reiner Bajo/Guido Engels
Die neuen RTL Serien
Der neue Donnerstagabend auf RTL hält viele neue Serien für euch parat. Ich habe es auf mich genommen, alle drei Konzepte für euch zu testen. Mein Fazit: Gelacht wird später.

Deutsche Serien haben ja nicht gerade den Ruf, einen nennenswerten Unterhaltungs- oder gar Kultfaktor zu entwickeln. Vielleicht hat sich unser Fernsehen deshalb auf Reality TV Formte verlegt, die zwar nicht unbedingt niveauvoller, dafür aber deutlich billiger in der Produktion sind. RTL jedenfalls versucht nun mit gleich drei Serienkonzepten neue Wege zu beschreiten. Der Donnerstagabend wird zur Bühne für Doc meets Dorf, Sekretärinnen – Überleben von 9 bis 5 und Christine: Perfekt war gestern. Dabei ähneln sich die drei Formate auf derart frappierende Weise, dass sie kaum voneinander zu unterscheiden sind:

Alle Serien drehen sich um eine berufstätige Frau.
Alle drei Heldinnen sind tollpatschig.
Alle drei Heldinnen sind Single und auf der Suche nach einem Mann.
Alle drei Formate geben sich die größte Mühe, witzig zu sein, ohne dieses Ziel jemals zu erreichen.
Alle drei Formate opfern eine realistische Darstellungsweise bereitwillig dem Einsatz von billigem Slapstickhumor.

Schon jetzt lässt sich an fünf Fingern abzählen, für jede Gemeinsamkeit einer, dass diese Serien nicht in die TV-Geschichte eingehen werden. Aber schauen wir uns das Elend doch einmal genauer an.

Doc Meets Dorf
Wir beginnen mit dem einzigen der drei Formate, das seinen Zuschauern eine volle (im Gegensatz zu einer halben) Stunde Zeit raubt. Inez Bjørg David spielt eine talentierte Chirurgin, die ein unglücklicher Wink des Schicksals ins ländliche Brandenburg verschlägt, wo sie nun an der Seite ihres Ex-Freundes, Tierarzt Falk (Bert Tischendorf), die hausärztliche Betreuung der Dorfbewohner übernimmt. Kanada, so der Name des Ortes, widerlegt alle Vorurteile, die Reinald Grebe uns über Brandenburg eingesungen hat. Hier sind nicht nur die Häuser renoviert und die Straßen asphaltiert, nein, es gibt auch jede Menge gutaussehender Männer. Ein Glück! Sonst hätte es in dieser Serie ja wirklich um Medizin gehen müssen! Man stelle sich das mal vor…

Allein der Name der Protagonistin spricht Bände und drückt eigentlich alles aus, was über Doc Meets Dorf gesagt werden muss: Dr. Fritzi Frühling. Wie diese Namensgebung schon verheißt, ist die Serie mehr als nur bemüht, beschwingt und witzig zu sein. Die Handlung ist ebenso konstruiert wie die Charaktere, charmante Ideen und andeutungsweise spannende Plotelemente werden umgehend durch Übertreibungen und unlustige Slapstickeinlagen ausgeglichen. Dazu gesellt sich ein Voice Over, das eher an Doctor’s Diary als an Grey’s Anatomy – Die jungen Ärzte erinnert, völlig deplatziert wirkt und zum Gesamtkonzept nichts weiter beiträgt als unfreiwillige Komik. Besonders tragisch dabei ist, dass die gelungenen Ansätze der Serie – ein interessantes Setting und funktonale Diagnose-Krimis – stets sichtbar bleiben. Umso schwerer wiegt die Frage, warum Doc meets Dorf unbedingt eine schlechte Komödie statt eine solide Arztserie sein möchte.

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