8 Tage: Deutsche Serien-Apokalypse geht unter zwischen Bibi & Tina und Armageddon

8 Tage
© Berlinale/Stephan Rabold/NEUESUPER/Sky
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Beeblebrox Matthias Hopf
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Redakteur bei Moviepilot. Schaut zu viel ins Internet, mag den Weltraum und fühlt sich auf Tatooine genauso zu Hause wie in Hogwarts und Mittelerde.

Mit drastischen Bildern beginnt 8 Tage, die neuste Eigenproduktion aus dem Hause Sky. Menschen rennen durch die Gegend. Sie sind auf der Flucht, wollen ihre Heimat so schnell wie möglich hinter sich lassen. Doch die Grenzen werden geschlossen, die Polizei von der Bundeswehr übernommen und die Regierung übt sich im Hinblick auf die essentiellen Fragen der dramatischen Situation in Schweigen.

Angst, Panik, Hektik - jetzt schon herrscht auf den Straßen das Chaos, wo wir noch nicht einmal wissen, was genau passiert ist oder passieren wird. Der Einstieg in 8 Tage könnte kaum spektakulärer, kaum nervenaufreibender sein. Dann dringt die Wahrheit ans Licht: Ein Meteor befindet sich im Anflug auf die Erde. In acht Tagen soll er im französischen La Rochelle einschlagen.

8 Tage vor dem Ende Europas regiert das Chaos

60 Kilometer ist er breit, der Meteor, der ganz Europa vernichten soll. Im Fernsehen wird er liebevoll Horus genannt, ein Name, der in der Mythologie des Alten Ägypten den Platz jenes Gottes einnahm, der auch als Beschützer der Kinder waltete. Beschützen wird der Horus in 8 Tage allerdings niemanden.

Stattdessen breitet sich seine zerstörerische Kraft bereits über eine Woche vor seinem Einschlag auf der Erde aus, während die Menschen versuchen, ihre eigene Haut zu retten. Da wäre etwa der Physiklehrer Uli (Mark Waschke) und die Ärztin Susanne (Christiane Paul), die sich entgegen der Warnungen von offizieller Seite mit ihren Kindern auf eigene Faust zur Grenze durchschlagen, um in Sibirien Schutz vor der drohenden Katastrophe zu finden.

Susannes Bruder, Herrmann (Fabian Hinrichs), plant derweil zusammen mit seiner hochschwangeren Frau Marion (Nora von Waldstätten) die Flucht in die USA. Zurück bleibt der Vater, Egon (Henry Hübchen), der sich von der Hysterie nicht beeindrucken lassen will und seinen Frust im Alkohol ertränkt. Unabhängig voneinander eingeführt offenbaren die Figuren nach und nach ihre Beziehungen zueinander, wobei sich die einzelnen Erzählstränge tonal sehr unterscheiden.

Die Flucht durchs Unterholz gestaltet sich etwa als düstere Odyssee durch menschliche Abgründe und schreckt nicht davor zurück, Familien auseinanderzureißen. Sobald Devid Striesow als gestörter Vater die Bühne betritt, verliert sich 8 Tage jedoch in schrägen Karikaturen und wird unfreiwillig komisch.

8 Tage verliert schnell den Faden und sich in Klischees

Dazu gehört auch ein unerwarteter Cameo einer Bibi und Tina-DVD, der zwar bei Detlev Buck für ein breites Grinsen sorgen dürfte. Im Auftakt von 8 Tage markiert er aber den Punkt, an dem sich die Serie endgültig von einer einenden Vision für ihre vielen verschiedenen Schauplätze verabschiedet und sich in einer bizarren Aneinanderreihung von Ereignissen verirrt.

Jedes Klischee des Endzeit- und Katastrophenfilms findet sich in diesem vermeintlichen Epos wieder und nur den wenigsten gelingt es, ein greifbares Eigenleben zu entwickeln. Plakativ werden die Motivationen der Figuren enthüllt, während die üblichen Stationen eines Weltuntergangsszenarios abgespult werden. Theatralisch ist die Inszenierung von Stefan Ruzowitzky und Michael Krummenacher, allerdings nicht im positiven Sinn, von der aufgesetzten Musik ganz zu schweigen.

8 Tage zwischen Children of Men und Armageddon

Epische Engelschöre untermalen das Ende der Welt. In den Opening Credits sorgt diese Kombination noch für Gänsehaut, wenn sich der Meteor im Weltraum von seiner erhabenen Seite präsentiert. Später fördert die Musik jedoch nur noch den Pathos, der in keinem Verhältnis zu den Bildern steht, sondern eher Erinnerungen an diverse Eventzweiteler deutscher Privatsender wach werden lässt.

Die ambitionierten Vorbilder in der Film- und Seriengeschichte blitzen zwar regelmäßig durch - 8 Tage wäre gerne Children of Men, The Leftovers und Armageddon zusammen - erreicht aber an keinem Punkt die inszenatorische, atmosphärische oder dramaturgische Dichte der genannten Werke. Auch die politische Ebene, die im Angesicht der Prämisse mehr als offensichtlich ist, wird in den ersten zwei Folgen kaum angerührt.

"Das ist, wie es ist", heißt es später im Bezug auf einen Konflikt, der - wie eigentlich alle anderen großen Fragen der Serie - mit dieser einfachen Antwort für beendet erklärt wird. 8 Tage will nicht in die Probleme investieren, die sich beim Kollaps der Gesellschaft ergeben.

Die meisten unangenehme Komplikationen werden großräumig umfahren, bevor der pflichtbewusste Polizist Deniz (Murathan Muslu) mit seiner Einstellung zumindest einen Ausblick auf einen der Diskurse liefert, die sich im Kern der Geschichte verstecken, aber viel zu selten ausgesprochen werden. Warum versucht er, in einer untergehenden Welt, die Ordnung aufrechtzuerhalten? Wenn die Menschen sowieso nur noch acht Tage zum Leben haben, kann doch gleich in den Partymodus gewechselt werden.

Wenn wir uns alle wie Tiere benehmen, können acht Tage verdammt lange werden

Das entgegnet Deniz seinem Gegenüber und stellt damit die bisher spannendsten Facette dieser Serie in Aussicht. So unaufhaltsam sich der Meteor auf die Erde zubewegt, so unerträglich könnte die Zeit vor dem Einschlag für die Menschheit werden. Dieses beunruhigende Element verdrängt 8 Tage bislang aber mit Rastlosigkeit.

Stattdessen wartet die Serie mit einem reißerischen Ereignis nach dem anderen auf. Dahinter verbirgt sich natürlich großes Binge-Potential, zumal die auf der Berlinale gezeigten Folgen in puncto Cliffhanger vorbildliche Arbeit leisten. Gleichzeitig stellt sich die Frage, was von all den rasanten Geschehnissen in Erinnerung bleibt, wenn der finale Abspann rollt.

Die ersten zwei Folgen von 8 Tage laufen auf der Berlinale 2019 im Rahmen der Sektion Berlinale Special Series. Ab dem 01.03.2019 wird die komplette 1. Staffel auf Sky ausgestrahlt. Alle moviepilot-Texte zum Festival findet ihr auf unserer Berlinale-Themenseite.

Hat euch die Prämisse von 8 Tage neugierig gemacht?

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