Silence - Kritik

Silence

US/JP/MX/IT · 2016 · Laufzeit 162 Minuten · FSK 12 · Historienfilm, Drama · Kinostart
Du
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    Haut Scorsese mal wieder so locker ein Meisterwerk raus. Driver und noch besser Garfield überzeugenden in diesem tief bewegenden Drama um 2 Jesuitenpriester im Japan des 1600 Jhrd. Einfach Scorsese, weil halt all seine Filme Juwelen sind.

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      Der Trailer verspricht großes doch der Film ist zäh, langatmig langweilend und furchtbar banal. Selbst die Bilder, Scorsese untypisch, wirken überhaupt nicht.

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        SpiceWeasel 20.09.2017, 13:25 Geändert 21.09.2017, 11:15

        Zwei Jesuiten Priester (großartig gespielt von Andrew Garfield und dem beeindruckend abgemagerten Adam Driver) begeben sich ins für Außenseiter feindselige Japan des 16 Jahrhunderts um Ihren anscheinend abtrünnigen Lehrmeister zu finden und um das Christentum weiter zu verbreiten.

        „It's too dangerous!”
        “We asked for this mission.”

        Wieviel würdest für deinen Glauben geben?
        Oder wie weit für den Glauben deiner Schutzbefohlenen gehen?
        Wieviel Opfer sind genug, wie viele Märtyrer kann man mit sich vereinbaren oder seiner Umgebung zumuten ohne alles für das man steht zu verraten?
        Was bedeutet Glaube wirklich für einen selbst?
        Wann sollte man sich geschlagen geben?

        In Silence werden viele große Fragen gestellt, beantwortet werden diese jedoch meistens mit der titelgebenden „Stille“, was es unsere Hauptfigur sehr schwer macht und uns selbst mehr Raum zur Interpretation lässt.

        “I pray but I am lost. Am I just praying to silence?”

        Fernab von dem Scorsese üblichen stakkato Schnittgewitter seiner alten Werke ist der Meister hier mit dem Herzen und ruhiger Hand gewillt seinem Herzensprojekt die gebührende tiefe und ruhe zu verleihen, was ihm überwältigend gut gelingt in Traumhaft schönen Bildern.

        “Surely God heard their prayers as they died. But did he hear their screams?”

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          „Silence“ ist mitreißend, eindringlich und fordernd. Über geschlagene 160 Minuten wird ein überzeugter Christ von seinem Glauben geleitet, anfangs voller Zuversicht und Entschlossenheit, am Ende ein Symbol der Niederlage der globalen Mission des Christentums. Hierbei perfekt verkörpert von Andrew Garfield, der sich zu einem beachtlichen Schauspieler hochgearbeitet hat.
          Nicht jedes Volk nimmt die Lehren der heiligen Schrift an. Konnten dies die Europäer den technologisch rückständigen Völker des amerikanischen Kontinents noch notgedrungen einprügeln, sehen sich die expandierenden Mächte (speziell Portugal) in Asien einer ebenbürtigen Kultur gegenübergestellt. Nicht ohne Grund bestand Portugals Expansionspolitik im 16./17. Jahrhundert überwiegend aus Stützpunktkolonien. Aber die Wahrheit findet vielleicht trotzdem ihren Weg, schafften es die Jesuiten trotz allem in Japan tausende Leute vom Christentum zu überzeugen. Vor allem das niedere Volk ist rasch begeistert, so spendet der Glaube gerade den armen Menschen Trost. Die Japaner reagierten (wie einst die Römer) mit Folter und Verfolgung, um das Aussterben der alten Kulte zu verhindern. Japan hat seine eigene Religion. Die Jesuitenpriester sind verzweifelt am Lehren und sind dabei selbst nicht in der Lage Lehre zu empfangen.
          So ist „Silence“ aber vor allem ein Film über Identität und der Herausforderung über Jahre hinweg Geglaubtes anzuzweifeln. Mut beweist der Film (bzw. die Vorlage), indem nicht nur beide Standpunkte gut ausgearbeitet werden, sondern auch, dass dem Christentum kein Sieg gegönnt wird. Nun ja, die Historie gibt das nun mal auch nicht her. Nachdem das Christentum Jahrhunderte lang belehrte, musste es in Japan feststellen selbst belehrt zu werden.

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            In seinem fantastisch bebilderten Langzeitprojekt „Silence“ nimmt uns Martin Scorsese mit ins alte Japan und zeigt den grausamen Umgang mit den Christen zu dieser Zeit. Das ist jedoch keine eindeutige Verdammung des fernöstlichen Landes, sondern fordert eher dazu auf, sich mit dem eigenen Glauben auseinanderzusetzen. Dafür braucht es viel Geduld, der überlange Film genießt die Meditation und die Stille, wenn gerade nicht gefoltert wird.

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              Marty_NB 13.09.2017, 14:12 Geändert 16.09.2017, 17:04

              Da kaum ein Kino in meiner Nähe es für nötig gehalten hat Silence zu zeigen, musste ich bis zum Blu Ray release warten um den neusten Film meines Lieblingsregisseurs Martin Scorsese zu sehen.
              Aber das Warten hat sich durchaus gelohnt, denn auch wenn dies nicht sein bester Film ist, schlechte Filme macht dieser Mann nicht, auch wenn Silence viele Menschen wahrscheinlich nicht ansprechen wird. Es ist nunmal ein 2,5 Stündiges Glaubensdrama.
              Aber eins vorweg, dieser Film sieht unfassbar gut aus. Die Kameraarbeit ist herausragend und man könnte ich jeder Sekunde des Films auf Pause drücken und sich das Bild an die Wand hängen. Optisch hat mich der Film umgehauen.
              Auch die Schauspieler überzeugen auf ganzer Linie. Andrew Garfield ist verdammt stark und sehr gefreut hab ich mich auch über Liam Neeson. Dieser hat zwar veergleichsweise eher eine kleinere Rolle, aber besonders am Anfang hat er so viele Emotionen in seinem Gesicht ausgestrahlt, dass ich einfach hoffe, ihn wieder öfters in Filmen fernab vom Actiongenre zu sehen.
              Die Geschichte ist wie gesagt schwierig, aber ich empfande sie nie als schleppend. Ja Silence ist ein sehr langsamer, ruhiger Film, der oft Bilder anstatt Worte sprechen lässt, aber diese Bilder sind so monumental, dass ich persönlich davon einfach mitgerissen wurde. Dies hat mich ein bisschen an The Revenant erinnert.
              Mir wurde trotz der Lauflänge nie langweilig, da man sofort in die Geschichte hineingeworfen wird und ich zu jedem Zeitpunkt wissen wollte wie es weiter geht.
              Dass bei vielen dies anders sein wird, ist aber durchaus verständlich. Denn eines muss man auch sagen, Silence ist bei weitem kein perfekter Film. Die Story ist im Endeffekt recht gradlinig und weist keine großen Überraschungen auf. Der Film versucht sich auf die Verfolgung der Christen und die Glaubenskriese unseres Hauptcharakers zu konzentrieren und bleibt heirdurch darüberhinaus ein bisschen oberflächlich. Denn auch über die Charaktere weiß man nach 2,5 Stundne Film eigentlich nicht mehr als am Anfang. Hierdurch fehlt letzendlich die emotionale Bindung zu diesen und das Leiden von Andrew Garfield und die wirklich krassen und brutalen Folterszenen sind zwar beeindruckend anzushen, nehmen einen aber ganz am Ende nicht wirklich mit.
              Im letzten Viertel, trifft der Film dann einige mutigen entscheiden, die Raum zum interpretieren übrig lassen. Auch dies wird nicht jedermanns Sache sein und jeder muss am Ende selbst entscheiden, welche Botschaft er aus dem Film mitnimmt.
              Aber dennoch hat mir der Film letzendlich sehr gut gefallen. Es gibt einfach nicht viele Regisseure wie Scorsese, die in der Lage sind, so einen großen Film zu machen. Denn trotz der fehlenden emotionalen Bindung ist die Geschichte sehr intensiv und wie gesagt, die Bilder eine Wucht.
              Man merkt, dass dies der Herzensfilm von Scorsese war, man bekommt aber auch das Gefühl, dass Silence mehr für ihn persönlich ist, als für den Kinobesucher.

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                Der Titel ist Programm! Silence ist ein schwerfälliges Werk und erfordert in erster Linie viel Zeit und Geduld. Was aber nichts daran ändert, dass der monumentale Film handwerklich fantastisch ist.

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                  Der Siegemund 10.09.2017, 00:08 Geändert 10.09.2017, 17:52

                  Während in Europa der dreißigjährige Krieg um den Führungsanspruch der beiden christlichen Konfessionen tobt, ist der Katholizismus auf dem Höhepunkt seiner expansiven Missionierung angekommen. Die Europäer waren es gewohnt, dass sie bei der Unterwerfung nichtchristlicher Kulturen auf wenig Widerstand trafen, nachdem sie ganz Amerika unter das Joch des Christentums gestellt haben.

                  Bisher wurden nur die glorreichen Momente der Missionierung gezeigt und der einzige Konkurrent schien der Islam zu sein. Doch irgendwann muss man auch mal die Frage stellen, warum der ferne Osten weder vom Islam noch vom Christentum erschlossen werden konnte. Hat man es überhaupt versucht? Die Reste der Versuche kann man auf den Philippinen finden und Indonesien. Letzere sind islamisch, erstere sind Christen. Dass die Philippinen Christen sind habe ich zwar gewusst, aber erst vor kurzem habe ich sehen können, dass sie alle spanische Namen haben. Vom Aussehen kann man die Philippiner, Indonesier, Japaner und Chinesen kaum unterscheiden, höchstens von der Bräune, aber die Religion hat sie voneinander mehr getrennt als alles andere.

                  Warum das Christentum in Japan keinen Fuß fassen konnte erfahren wir in "Silence". Die zwei Missionare Sebastião und Francisco werden auf Mission nach Japan geschickt, mitten in die Blütezeit der Shogune, um einen verschollenen Missionar namens Ferreira zu finden. Die Shogune könnte man mit den europäischen Kurgrafen und Landbesitzern vergleichen. Sie scharten Krieger, Priester und Beamte um sich, während das Volk und die Bauern ohne Rechte waren. Diese beuteten sie nach Lust und Laune aus. Ob Morgenland oder Abendland, überall auf der Welt gab es also das gleiche Bild. In Japan angekommen beginnen die beiden Missionare sofort mit ihrem Werk. Dabei haben sie nicht nur eine völlig fremde Sprache gegen sich sondern auch eine völlig andere Kultur. Das größte Unterfangen jedoch ist, dass sie gewarnt werden, denn die Shogune dulden keine christliche Missionierung. Das erfahren die beiden auch sehr schnell, denn überall des Weges werden Menschen jäh gemartert, damit sie dem christlichen Glauben abschwören. Es gibt also Christen in Japan, doch wer dazu steht, geht den Weg der Märtyrers.

                  Schon bald werden Sebastião und Francisco von einem Christen verraten und vom Shogung gefangen genommen. Voneinander getrennt folgen wir Sebastião, der zu seiner Überraschung nicht der grauenvollen Folter ausgesetzt wird. Der zuständige Shogun erhofft sich ihn für die Remissionierung gewinnen zu können. Sebastião aber bleibt standhaft. So muss er sich mit ansehen wie Menschen weiterhin qualvoll gefoltert werden, um ihnen das Christentum auszutreiben. Er wird unter Druck gesetzt und damit in Versuchung gebracht, dass er das Leiden der anderen beenden können wen er selber abschwört. Eine Zeit der Prüfungen beginnt. So trifft er wieder auf seinen Verräter, der zwischenzeitliche wieder Christ geworden ist. Die Analogie zu Judas ist kaum zu übersehen, doch es hat schon ein faden Beigeschmack, wenn dieser um Vergebung bettelt. Gleich mehrmals sündigt dieser und bittet um Vergebung. Es kommt Sebastiao so vor als hätte sein Judas die christliche Botschaft überhaupt nicht verstanden, denn kann man sündigen wie man will und erhält trotzdem Vergebung? Das ist auch tatsächlich ein Teil der Botschaft der schwer zu verstehen ist. Natürlich kann der Sünder immer wieder Vergebung erhalten, aber er muss ernsthaft versuchen sich bessern zu wollen. Ob es an Ernsthaftigkeit oder Unvermögen liegt, lässt sich oft schwer unterscheiden. Sebastiao wankt deshalb und auch als er das Leid der Märtyrer sieht, vor allem einer schönen Frau, scheint er schwach zu werden. Schließlich besucht ihn Ferreira, der Missionar, der dem Christentum abgeschworen hat. Dieser führt ein wohlhabendes zufriedenes Leben und Sebastiao wird gleiches angeboten, wenn er kooperiert. Materialismus ist die Versuchung der ein Priester am besten widerstehen kann, doch Ferreira macht Sebastiao klar, dass das Christentum in Japan auf sumpfigem Boden gebaut sei. Ich weiß nicht ob die Übersetzung so richtig ist, aber die Analogie zu einem Bibelgleichnis "stelle dein Haus nicht auf sandigen Boden" ist unverkennbar. Gewissensbisse und Zweifel verfolgen Sebastiao. Welche Entscheidung wird er treffen?

                  Ein wenig hatte ich schon Mitleid mit den Missionaren, aber aus heutiger Sicht empfinde ich Missionierung, wenn sie so penetrant ist, als Übel. Ich bin universell gläubig und habe deshalb mit den Kirchenregeln wenig zu tun. So bin ich der Überzeugung das Glauben Privatsache ist und dass man Glauben vorleben muss, so dass man zum Vorbild taugt. Missionierung ist Zwang. Deshalb empfinde ich das Scheitern des Katholizismus als Genugtuung dafür, dass sie andernorts sämtliche Ansätze indigener Religionen zerstört haben. Es wäre Schade gewesen, wenn Buddhismus oder der Shintoismus der Christianisierung zum Opfer gefallen wären.

                  Scorsese erschafft einen Film mit der Bildgewalt und der Ruhe der Inszenierung der alten Klassiker. Von der authentischen Atmosphäre um die japanische Landschaft und Kultur fühlt man sich sofort in den Bann gezogen. Die Besetzung ist stark und spielt authentisch. Sehr sehenswert.

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                    Im Falle von Martin Scorsese bin ich wohl weniger ein Kenner, mehr ein Sympathisant: ich habe nur wenig von ihm gesehen und das Meiste ist aktuell; aber insbesondere Titel wie „The Departed“ und „Bringing out the Dead“ sind hängengeblieben. Daher gebe ich jedem Werk von dem Mann gerne eine Chance, auch wenn abzusehen ist daß es eigentlich nichts für mich ist. So auch hier: die Geschichte zweier Priester die nach Japan reisen um dort nach einem verschwundenen Priester zu suchen und vor Ort eine unfassbare Höllentour durchmachen klingt zwar im ersten Moment wie ein Thriller, ist aber langsam erzähltes und episches Kino. Von den Ausstattungen, Darstellern und Inszenierung ist alles top, es bleibt eben nur die Frage ob man sich diesem bleischweren und zweieinahlb Stunden Brocken aussetzen will. Als nette Unterhaltung taugts nicht, als anspruchsvolle Kinoerfahrung mit schockierenden Momenten dürfte derjenige der genau danach sucht sehr gut fündig werden.

                    Fazit: War eben nicht mein Titel, könnte aber einem geduldigen Zuschauer als sehr ergiebig erscheinen!

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                      Nur ein Haufen religiöses Geschwafel. Für mich als Atheisten extrem langweilig aber selbst für Gläubige der reinste Horror.
                      Und Liam Neeson ist lediglich 5 Minuten in den weit über 2 nervigen Stunden zu sehen. Er hat wohl gewusst warum das so besser ist.
                      Ich musste früh ausschalten.

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                        Vielleicht hats mir auch mein Atheismus versaut, aber nach 45 Minuten war Schluß! Boah echt, diese christlichen bzw. erzkatholischen Wahnvorstellungen, gepaart mit diesem abartigen Missionatentum das mir hier zu harmlos rüberkommt war zuviel! In dieser Kategorie gibts einen Film aus den 80 zigern "Mission" mit De Niro der das Thema auch aufgreift, aber deutlich besser gemacht wurde und auch dessen Message besser rüberkommt!

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                          Mensch, da muss man für die Existenz des gnadenlos doofen THE WOLF OF WALL STREET doch noch dankbar sein, denn ohne dessen Erfolg wäre es Martin Scorsese niemals möglich gewesen, sein langjähriges Herzensprojekt endlich zu verwirklichen. Und zwar in genau dieser Form zu verwirklichen. SILENCE hat nichts mit herkömmlicher Unterhaltungsware gemein, im Gegenzug muss man sich hier durch über 160 kräfteraubende Minuten beißen, in der keine einzige davon der Intention unterliegt, es dem Zuschauer leicht zu machen. Martin Scorsese spannt ein unheimlich suggestives Netz aus Glaubens- und Gewissensfragen, kulturellen Machtproben und hochmütigen Charakterverrenkungen. Besonders beeindruckend: Obwohl SILENCE größtenteils aus der Sicht des von Andrew Garfield grandios gespielten Priesters erzählt wird, sieht sich das Drehbuch niemals dazu genötigt, diesen als Identifikationsfigur zu stilisieren. Nicht einmal sympathisch muss er sein, was spätestens dann deutlich wird, wenn der junge Jesuit seinen christlichen Glauben in Japan mit den Mitteln des Kolonialismus verbreiten möchte. Obgleich sich SILENCE hin und wieder zu einigen Offensichtlichkeiten hinreißen lässt (Symbolbilder, Voice Over) bleibt dieser Film ein besonders ambivalenter, in dem Glauben derartig viele Konnotationen aufweist, dass es schlicht überwältigt: Glaube als Selbsterhaltungstrieb, Glaube als Flucht, Glaube als Gefahr, Glaube als Projektionsfläche individueller Krafthuberei, Glaube als Nahrung für Seele und Geist, Glaube als Refugium, Glaube als Selbstgeißelung, Glaube als Bürde, Glaube als Sackgasse und Ausweg, als Geheimnis und Todesurteil. Und mit welcher inszenatorischen Dichte Scorsese hier mal wieder zur Tat geschritten ist. Unfassbar. Der Film ist gezeichnet von einer sagenhaften Sogwirkung. Bildgewaltige, aber gleichzeitig enthaltsame Fotografien unterstützen eine Meditation über die allgegenwärtigen Irritationen im eigenen Glaubensbekenntnis. Was ist das für ein Gott, der unseren Gebeten Gehör schenkt, aber unsere Schreie ignoriert?

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                              Rocket Man 03.09.2017, 00:02 Geändert 03.09.2017, 00:02

                              -Stille-

                              Um uns herum ist es still. Es ist eine unreine, unvollkommene Offenbarung. Wo sieht man, hört man, fühlt man Gott? Kann ich ihn in der Stille hören, ihn in der Stille sehen? Vermag ich ihn in allem Bösen zu sehen, dass ich wahrnehme? In allem Guten? In dem schlechten, das sich in den Individuen auf der Erde, die doch aus denselben Strukturen und Organen bestehen, entwickelt? In allem Guten, wenn der Wille standhaft, eine einzige Offenbarung selbst ist?

                              Wie stets mit dem Glauben anderer Menschen? Wie mit dem Zweifel?

                              Da ich ein gläubiger Mensch bin und durch die stille gelernt habe zu zweifeln, bin ich ein Individuum, eine Vase voller Sünde. Und wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein. Ich habe in „Silence“ Buddhisten und Menschen anderen Glaubens gesehen, die der Schönheit des Christentums in Teilen glichen. Gütige und weise Menschen, mit einem anderen Gott. Aber auch zweifelnde Menschen, die ihren Glauben über alle anderen gestellt haben, weil sie ihren Beschützen wollen, selbst zweifeln. Warum sonst sollten sie den Menschen ihre eigene Wahl verwehren? Statt ihren Glauben zu bewahren, andere genauso ihrem freien Willen zu überlassen, richten sie über den der anderen Menschen. Grausamkeit ist der Preis, den der Mensch nicht bereit ist Einhalt zu gewähren. Ist es nicht gut, seien da Menschen, die einen Glauben in ihr Herz schließen können? Zweifeln tun alle Menschen. Wer ohne Zweifel ist, werfe den ersten Stein. Aber kein Glaube kann dafür bestimmt sein, Leid zu sähen und zu vermehren. Zumindest ich glaube, dass jeder Glaube in sich selbst beschützt werden soll. Denn richten tun nicht wir. In Silence findet die Grausamkeit wieder Platz, die den Menschen und seinen Glauben verändern kann.

                              Ist es mein Glaube, der vollkommen, der das Einzige, Wahrheit, nicht Stille, sondern real ist? Durchtreibt derselbe Glaube andere Wahrheit in anderen Menschen? Derselbe Glaube, in verschiedener Betrachtung. Als Teil einer Glaubensgemeinschaft, sehe ich den Zweifel. Ich sehe den Zweifel in den Gesichtern der Menschen in der Bahn, in beschlagenen Scheiben, den Menschen auf der Arbeit und den Menschen um mich herum. Jeder versteht den Glauben anders und Priester vermögen die Stille nicht Laut werden zu lassen. Es sind Diener Gottes, die das Wort, die Wahrheit, aufrecht zu erhalten vermögen. Das Wort vermehren, wie sich der Mensch vermehren soll.

                              Bekam ich den Glauben in die Wiege gelegt?

                              Ich glaube. Fest und standhaft. Aber warum? Weil ich an nichts anderes glauben kann? An nichts anderes glauben will? Vielleicht, weil es das Einzige an Glauben ist, das ich kenne? Ziemlich viele Fragen für einen standhaften Christen. Die Prüfungen, die mir und allen anderen auferlegt werden, zwingen mich oft zu läutern, an was ich glaube. Keine gläubigen Freunde, keine gläubigen Menschen, die ich erkenne, außerhalb meiner Glaubensgemeinschaft. Wenige Menschen, die sich außerhalb der Pforten selbst bekennen würden. Frei und ohne Zweifel. Stolz, ob der Erkenntnis, die ihre Seele stärkt.

                              Sie stärkt auch meine. Manchmal ist es die Stille, in der ich mich selbst finde. Die unreine, unvollkommene Offenbarung, die mich hören lässt, was in der Stille verborgen.
                              Die Läuterung des Glaubens muss auch Vater Rodrigues machen, der das symbolische Bild, dass die Japaner auf silbernes Material eingemeißelt haben, nicht mit seinem nackten Fuß betreten, Gott und den Herrn läutern möchte. Der Herr hat alle Schmerzen, alle Zweifel, alle Demut erlitten, damit wir unsere Sorgen und Sünden vergeben bekommen und vergeben können. Während des Films entschied ich mich oft, als die Person selbst, zu Läutern, um das Leid zu beenden. Aber was getan werden muss, sollte und was man abwenden kann, scheidet sich in unterschiedliche Wege, die uns die Stille nicht beantwortet.

                              Was ist Gottes Wille und was versteht der Mensch davon? Möchte Gott Opfer sehen, statt das Leid zu mindern, dass der Welt und den Menschen widerfährt? Der Anfang von Silence allein mag die Frage ohne Antwort zu beantworten. Silence beginnt mit einem sanften Rauschen, bis die Geräusche plötzlich einfach aussetzen. Stille.

                              Außerhalb der Zweifel höre und sehe ich aber die Liebe, die ich mit dem Glauben verbinde. Aufopferung, wie diese, die ich auf der Arbeit anderen Mitarbeitern zukommen lasse, heimlich, manchmal still, damit der Chef es nicht sieht, denn ihm würde es nicht gefallen. Aber der Dank dafür ist wichtiger. Eine Form der Liebe, die man sich selbst erschaffen kann, damit die Stille nicht mehr so leise ist. Eine Offenbarung, die zeigt, dass das eigene Tun nicht unwichtig ist. Eine Aufgabe. Die Sonne geht auf, sie scheint, die Menschen sind glücklich, ich lebe und konnte aus freien Stücken meinen Glauben finden und mich für ihn entscheiden. Eine Form der Güte, denn der freie Wille erschleicht sich nicht feige in deinen Verstand. Ich konnte frei wählen und habe mich für einen Weg entschieden, von dem ich gelegentlich abkomme, aber doch immer wieder zurückfinde. Beständig.

                              Was ist meine Aufgabe? Welche hat Gott selbst mir aufgetragen? Ich denke, dass ich die Zeichen erkannt habe und nach ihnen handle. Ich bin schon immer ein gütiger, ein liebevoller und emotionaler Mensch gewesen. Wenn ich Teilen kann, dann tue ich es. Wenn ich ein Lächeln erschaffen kann, dann tue ich es. Wenn ich Trost spenden kann, dann tue ich es. Also auch, wenn ich zweifle, fühle ich mich dennoch verbunden und erhört. In der unreinen, unvollkommen Stille. Dieser unreinen, unvollkommenen Offenbarung. In meinem unreinen und unvollkommenen selbst.

                              Silence

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                                LowDesert 02.09.2017, 15:24 Geändert 02.09.2017, 15:26

                                Super Film, Gewaltgrad und Coolgrad( der Stil Goodfellas hat mir gefehlt) hätte etwas höher sein können und natürlich die Samurai und Ninja haben auch etwas gefehlt, Schade

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                                  Ein audio-visueller Hochgenuss und einer der fünf besten Filme des Jahres.
                                  Rodrigo Prietos Kameraarbeit ist hypnotisierend.
                                  Andrew Garfields Schauspiel ist absolut überzeugend und deutlich besser als der immer wiederkehrende schlechte Ruf seiner unzähligen Zweifler und Nörgler (die nebenbei bemerkt alle Stuhlgang auf den Augen haben!!11!).
                                  Ein faszinierendes Historiendrama, dessen Thema mich schon vor der Sichtung wochenlang beschäftigte und mein Interesse an der Geschichte Japans und dessen politischer, gesellschaftlicher und religiöser Enwicklung neu entfachte.
                                  Dies ist zu Zeiten dauerhafter Überflutung durch mittelmäßiger bewegter Bilder einer der wenigen Filme, die meinem Anspruch und meiner Definition des Begriffs "Medium Film" auch würdig sind.
                                  P.S. Ich habe einen sehr hohen Anspruch, weil ich so klug bin.
                                  Prädikat: Sehr wertvoll.

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                                    smartbo 01.09.2017, 09:38 Geändert 01.09.2017, 09:39

                                    Unverkennbar die Handschrift von Martin Scorsese: opulentes Kino vom Fensten. Was mir besonders gut gefallen hat ist die authentische Atmosphäre und die großartigen Schauspieler. Der Film hat mich von Anfang bis zum Ende gefesselt.
                                    Absolut empfehlens- und sehenswert.

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                                      Heckenritter 31.08.2017, 14:26 Geändert 31.08.2017, 16:41

                                      Scorsese kann in die grausamsten Winkel der Christenverfolgung
                                      eindringen, es ist trotzdem wunderschön anzusehen in all dem
                                      Schlamm zwischen den Füßen und der leidvollen Qual ausgemergelter,
                                      knochiger Fleischhüllen. 2,39 zu 1 Gemälde existenzieller Kälte und unerschütterlichen Hoffnungen, Überzeugungen. Jeder Pinselstrich
                                      eine Schwingung, sanfte und stimulierende Signalwellen für die
                                      Kinosinne. Es existiert keine Stille in der Natur, auch nicht zwischen
                                      kargen Felsen, das Regengeprassel und die zirpenden Insektenorchester
                                      sind die Klangwände einer von Leben gefüllten Welt. Von ihrem Gott
                                      hören die Missionare in ihren Lumpen jedoch nicht das Geringste.
                                      Scorsese kitzelt aus Adam Driver und Garfield ihre Ausdruckskraft
                                      heraus, Liam Neeson wird diesmal gefordert statt sportlich albanische Schmutzlurche umzunieten. Martin Scorsese ist Katholik und von der
                                      strengen Glaubenslehre eines angsteinflößenden Gottbildes geprägt,
                                      soviel sollte zu Silence im Vorfeld klar sein, damit man ihn richtig
                                      greifen kann.

                                      Zwar ist er kein enthusiastischer Kirchgänger, von der spirituellen
                                      Kraft und den Sakramenten zehrt er jedoch schon sein Leben lang.
                                      Silence ist ein Gefäß seiner persönlichen Vorstellung einer
                                      Vereinbarkeit des Katholizismus mit den prekären Fragen des
                                      Selbstzweifels. Menschen nicht Götter quälen und töten Menschen,
                                      die erhoffte Barmherzigkeit kann nur in uns zu finden sein. Im Grunde
                                      das Fundament für das göttliche Weltbilds Scorseses, das ihm Halt gibt
                                      und das er braucht. Von der Symbolik und dem hineininterpretieren
                                      in Gesten und Riten ist der Leidensweg der Verfolgten im alten Japan
                                      zu jeder Zeit zweigesichtig . Einerseits existiert die Ehrfurcht und die
                                      Bewunderung für die kleinen christlichen Bräuche in erlesener
                                      Bildsprache, die den Glauben im hier und jetzt manifestieren sollen,
                                      gleichzeitig ist dort ein Grenzstein hinter dem man alles erdenkliche
                                      auf rein göttliches Wirken schieben kann. Scorsese sieht in dem
                                      Prozedere des Sinnbildlichen einen Anker, Wegweiser, eine Straße.
                                      Jedoch eine Straße mit Wendehammer die unwiderruflich zu sich
                                      selbst zurückführen sollte, sie sollten als Spiegel dienen nicht
                                      als Blitzableiter, Sünden müssen selbst vergeben werden, Gnade
                                      erfährt man nicht durch gleißende Lichtstrahlen die durch den wolkigen
                                      Himmel stürmen. Über 25 Jahre schleppte Scorsese die Rechte an der Buchverfilmung mit rum, es ist ein spiritueller und sehr persönlicher
                                      Film, der sich klar zur christlichen Glaubenslehre bekennt und über die
                                      tückischen Klippen navigiert, damit weiterhin an einen Gott geglaubt
                                      werden kann. Wozu auch immer ein Überwesen, egal welche
                                      Glaubenslehre oder, herrje, der Katholizismus gebraucht wird, zu
                                      verinnerlich, dass wir für unser Handeln selbst verantwortlich sind.
                                      Scorsese braucht dafür seine katholische Zugehörigkeit und seinen
                                      Glauben, vielleicht hätte das Jack laMotta in "Wie ein wilder Stier"
                                      helfen können. Toni Soprano durfte bei seiner Therapeutin sehr viel
                                      über sich lernen, aber die hätte deNiro sicherlich ausgeknockt.

                                      Wenn es Scorsese hilft, bitte, Silence ist großartig verfilmt in
                                      starken Dialogen und erschütternden Ereignissen, die jedes
                                      individuelle Wertesystem und das entsprechend davon abgeleitete
                                      Handeln herausfordern. Der große Krampf mit den Widrigkeiten und
                                      der Grausamkeit des Lebens umzugehen, überschneidet sich sanft
                                      und kaum bemerkbar mit Scorseses Glaubenskern und sind Teil
                                      unserer Lebenswelt. Gnade, Sünde oder Barmherzigkeit mögen
                                      religiös aufgeschwemmte und zugeordnete Begriffe sein, man kann
                                      sie anders nennen, richtig und falsch z.B. und schon philosophiert
                                      Scorsese vor Samuraikulissen über das Leben selbst, das
                                      persönliche mit seinen bitteren Konflikten als auch das
                                      gesellschaftliche, über das wir uns eigene Meinungen bilden.
                                      Scorseses persönliche Ansicht ohne einen Gott wäre jedes
                                      Erklärungsbild des Menschen abwegig, kann ich getrost
                                      links lassen in dieser vielseitigen Annäherung an das von Grauen
                                      geprägtem Kapitel japanischer Geschichte. Als Atheist in
                                      Verteidigungsstellung muss man bei diesem Scorsese nicht
                                      zwangsläufig auch zur Kotztüte greifen.

                                      Durch diesen lange schlummernden Wunsch diesen Film
                                      umzusetzen, zeigt sich der Cinemascopemaler hochkonzentriert
                                      den perfekten atmosphärischen Rahmen zu schaffen für die
                                      treibenden Kräfte und bitterbösen Erschütterungen in den Figuren
                                      vom Dorfbewohner bis zu den malträtierten amerikanischen
                                      Schauspielern. Ein vielschichtiges Panoptikum diverser
                                      Glaubensinterpretationen, das nie aus der Ruhe gerät und durch
                                      die klasse Schauspieler bodenständig ernst bzw. todernst bleibt.
                                      Ehrlich gesagt hat mich Silence bereits mit der Einblendung des
                                      Titels schon eingesponnen. Martin Scorsese.
                                      Die süffisante Klugscheißerei des japanischen Inquisitors
                                      (Issei Ogata) mit Hammer-trifft-Nagel Wortfallen den Glauben
                                      der Priester durch Selbsterkenntnis zu brechen, ist spannendes
                                      und sehr kluges Darstellerkino. Auch Filmhandwerk kann in
                                      gewisser Weise mit beobachtenden Bildern und anschwellenden
                                      Soundstürmen der Naturkulissen ein spirituelles flirren erzeugen.
                                      Die Augen und Ohren werden verwöhnt, der Verstand mit
                                      spannenden Figuren und einer Geschichte voller nachdenklicher
                                      Zwickmühlen, bei Scorsese ist der Kunde König.

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                                        Popcorn_Pfoetchen 31.08.2017, 02:01 Geändert 31.08.2017, 02:06

                                        Ernsthaft, eine Qual...

                                        Silence dreht sich 3 Std. lang im Kreis... Genauer gesagt geht es um die Verleumdung, Diskreditierung und Verwerfung seines Glaubens. Dabei wird der Zuschauer, mit sich ständig wiederholenden öden Dialogen und stumpfen Situationen konfrontiert. Buddhistischer und christilicher Fundamentalismus treffen aufeinander. Für meine Empfindung wird hier viel zu VIEL Wert auf die Thematik Religion gelegt, schon quasi eine Art "religiöser Wahn". Es bleibt kaum Platz für einen Charakterbogen oder eine Art Beziehung zwischen bspw. zwei Charakteren. Was mich besonders genervt hat, war das nicht einmal versucht wurde auf den Konflikt einzugehen. Damit meine ich vernünftige Dialoge welche sich mit der Thematik auseinandersetzen. Zudem kommt Liam Neeson so gut wie garnicht vor und dient marketingtechnisch nur als Zuschauermagnet, was sehr schade ist.
                                        Einzigst gefallen haben mir die starken Bilder, aber diese gehen in der lethargischen "Stille" leider verloren.

                                        Fazit:
                                        Silence ist wie ein Besuch der Zeugen Jehovas bei den Hells Angels. Die Zeugen versuchen den Bikern ihre Religion aufzuschwätzen und diese wiederum, quetschen den Zeugen währenddessen ihre gefaltenen Hände in einem Schraubstock. Das Ende könnt ihr euch erahnen.

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                                          Nun habe ich Ihn endlich mal gesehen, denn eigentlich hatte ich den schon länger auf meinem Radar und hatte große Erwartungen. Dies lag zum Teil natürlich an Scorsese, an der Tatsache das der Film im alten Japan spielt und zu anderen an den vielen positiven Kommentaren.

                                          Vorweg muss man sagen, wenn man eine "Sichtung" vornehmen will, muss man genausten wissen worauf man sich einlässt. Wer hier einen Historien Epos erwartet, kann auf Ernüchterung hoffen.

                                          Soweit so gut, an sich ist das für mich kein Problem, denn ich habe nichts gegen Filme die sich eher mit den "geistlichen / geistigen" Dingen beschäftigen.

                                          Um unter diesen Umständen bei mir zu Punkten macht der Film jedoch zu viel falsch.

                                          -Erstens ist er der fragwürdige Cast, kein einziger Charakter konnte mich erreichen und genau das wäre doch relativ wichtig gewesen. Der "Charakterbogen".

                                          - Desweiteren habe ich die ganze Zeit die Dialoge vermisst, diese von der fesselnden Art! Hier treffen 2 Kulturen aufeinander, 2 Religionen und 2 Philosophien. In meinen Augen ein perfektes Fundament für bombastische Dialoge und Konflikte. Leider belässt man es hier, bei simplen kurzen wenig sagenden Dialogen.

                                          -Auch wenn "Silence" das alte Japan ganz gut darstellt, vor allem die schönen Land aufnahmen, könnte man ruhig ein wenig mehr auf die Kulturellen Unterschiede eingehen. Man schneidet es zwar hier und dort, in kurzen Dialogen, ein wenig an, austausch findet jedoch nicht statt.

                                          Folgende kurze Szene hat mich aufhoffen lassen:

                                          Japaner: "Ihr Christen kommt zu uns um zu lehren, wollte jedoch selber nicht lernen, Ihr verabscheut unsere Sprache"
                                          Father Rodrigues: "So bin ich nicht"

                                          Nach dieser Szene hatte ich ein wenig gehofft das sich hier so etwas wie eine "Beziehung" aufbaut, die dem Film einen Sinn gegeben hätte. Leider Fehlanzeige.

                                          (- Diesen Kritikpunkt verfasse ich einmal in Klammern da er dann doch schon sehr persönlich ist und vielleicht im Konflikt mit dem Film an sich steht.

                                          Meiner Meinung nach hätte man sich ein wenig zügeln können was, was die Religion im Film betrifft und ein wenig mehr andere Dinge anschneiden können.

                                          Natürlich kann der Film nach wie vor von einem "Padre" und seiner Arbeit handeln. Ich finde nur, wenn man die Religon in einem Film ein so wichtigen Part inne halten lässt, kann es nur schwer werden ein befriedigenden Abschluss zu machen. Zu dem schafft man so nur noch mehr Konflikte, die jedoch weder "Dialogisiert" noch wirklich gut "Thematisiert" werden. Am ende wirkte alles, darauf bezogen, einfach noch zu viel kalt und unbehandelt. Das Thema Christentum und Japan, ist eben zu schwer um es in einen Film zu verpacken und sich ganz und gar darauf fixieren zu wollen bzw. zum Ende bringen zu wollen.

                                          Am Ende war Japan dann der "Bad Boy" und es wurde nur hin und wieder kurz versucht zu erklären wie, weshalb und warum )

                                          -Alle bisher negativen Punkte, formen meinen letzten Punkt zum "Totschlag Argument". Im Anbetracht der besagten Schwächen und "Fehler" ist der Film zu dem auch noch viel zu lang und hat einfach zu viele längen, die es einem schwer machen durchzuhalten.

                                          Alles in einem würde ich sagen: Hätte man sich hier nicht nur auf die Religion beschränkt, packende / emotionale Dialoge geschrieben, universelle Themen bzw. Konflikte geschaffen, Kulturellen austausch geboten, den Cast verändert, wäre der definitiv super gewesen :)

                                          Mein Fazit: Geht so!

                                          lg

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                                            Der amerikanische Regisseur Martin Scorsese (*1942) gehört zu den Bekanntesten und Beliebtesten seines Fachs in unserer Zeit. Seit Jahren realisiert er erfolgreich Filme wie “Taxi Driver” (1973), “Departed – Unter Feinden” (2006) und “The Wolf of Wall Street” (2013), die immer ein großes Publikum erreichen und begeistern können. Mit seinem neuesten Film “Silence” (OT: “Silence”, USA/Taiwan/Mexiko, 2016), der 2017 auch für den Oscar für die Beste Kamera nominiert wurde, verwirklichte er ein Herzensprojekt mit einer klaren religiösen Botschaft.

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                                              Schnoeps 14.05.2017, 03:48 Geändert 14.05.2017, 03:49

                                              Ein großartiger Film, vor allem stilistisch. Die Verweise zahlreicher Kommentatoren, die hier einen globalen oder komplexen Konflikt zu verorten meinen, geben wieder Aufschluss darüber, dass sie den Film schlicht nicht verstanden haben.

                                              Es geht hier nur zum Teilen um Japan, den Buddhismus und die katholische Kirche. Es geht um Glauben, tiefste Überzeugung, inneren Frieden und darum, dass selbst Symboliken (mit denen Religionen ja soviel spielen) eine Idee oder einen intrinsischen Wert nicht zerstören können.

                                              Eure Meinung über den bösen Katholizismus und den guten Buddhismus spielt keine Rolle für den Konflikt, den Andrew Garfield erlebt. Dieser ist auf einer viel tieferen psychologischen und spirituellen Ebene. Die fehlende Empathie, die sich des weiteren offenbart, zeigt aber wes Geistes Kind der ein oder andere Schreiberling hier ist. Ebenso gibt sie Aufschluss, warum der Film so wenig Resonanz erfährt. Wir leben in einer kalten Welt, schön dass Scorsese mich trotz teils sehr unschöner Szenen dort ab und zu rausholt.

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                                                Silence ist zweifellos ein Film auf den man Lust haben muss, auf den man sich einlassen muss. Zum Glück war das bei der Sichtung bei mir der Fall.

                                                Als jemand, der theokratische Religionen grundlegend ablehnt, fiel es mir zwar schwer die gezeigten Konflikte komplett nachzuvollziehen, aber das Geschehen in Silence lässt einen dennoch nicht vollständig kalt. Gerade die Gewalt zeigt, wozu Religionen auch abseits der Kreuzzüge die Menschheit getrieben haben. Einfach grausig. Ein Glück, dass ich nach der Epoche der Aufklärung leben darf. Kritikpunkt hier ist aber, dass das buddhistische Japan ohne den historischen Kontext doch ganz schön schlecht in Silence weg kommt. Ist also nicht verkehrt, wenn man sich darüber noch anderweitig informiert, was die genauen Gründe für die Folter und Exekutionen war. Da hätte man beide Seiten sicher besser beleuchten können.

                                                Scorsese überzeugt mit sauberer Regiearbeit und bringt die Schauspieler zur Höchstform. Ich persönlich fand Andrew Garfield hier auch bei weitem stärker als in Hacksaw Ridge und hätte ihm eher für Silence eine Oscar-Nominierung zugesprochen. Auch optisch hat mir Silence sehr imponiert. Tolle Settings kombiniert mit fantastischer Kameraarbeit.
                                                Einzige Wermutstropfen waren für mich die lange Laufzeit und das dann doch schnell und unspektakulär abgehandelte Ende. Für alle Fans von Historiendramen und Religionsgedöns ist Silence aber auf jeden Fall eine Empfehlung.

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                                                  Scorsese überzeugt durch erwartet kompetente Regie, aber enttäuscht mit dem Ende und fraglicher Casting-Entscheidungen.
                                                  Die Bilder sind wunderschön anzusehen. Japan ist neues Gebiet für Scorsese, aber er zeigt, dass er auch ein fremdes Land in anderer Zeit atmosphärisch darstellen kann. Scorseses Handwerk ist, von imposanten Landschaften bis hin zu engen Gefängnissen, einwandfrei.
                                                  Der Film zieht sich leider. Das Ende kommt und kommt nicht. Es hätte dem Gesamteindruck gut getan, wenn die letzten 15-20 Minuten fehlen würden.
                                                  Weiterhin ist Andrew Garfield komplett fehl am Platz. Er überzeugt nicht eine Minute im Film und hätte er Rollen mit Adam Driver getauscht, wäre der Film deutlich überzeugender gewesen. Leider wirft der unkonsistente Akzent von Andrew Garfield den Zuschauer komplett aus dem Film.

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                                                  • 9

                                                    Der Anwärter auf den Film des Jahres für mich.

                                                    Bin echt sprachlos (...silent...) das ich wohl nochmal ins Kino muss um was darüber zu sagen.
                                                    Scorsese hat es einfach immer noch drauf/ in sich!

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