Wir schauen Breaking Bad - Staffel 5, Folge 13

11.09.2013 - 08:50 UhrVor 10 Jahren aktualisiert
To'hajiilee
AMC
To'hajiilee
90
20
Selten hinterließ Breaking Bad uns so sprachlos zurück wie nach To’hajiilee. Vince Gilligan haut uns einen der fiesesten Cliffhanger der Serie um die Ohren – zum Glück können wir gemeinsam Dampf ablassen.

Eigentlich hab ich den Vince Gilligan ja ganz gern, immerhin sorgt er alle sieben Tage für meine persönlich schönsten 45 Filmminuten der Woche. Doch gleichzeitig löst sein Name stets ein Gefühl der Entrüstung aus, wenn er über schwarzem Hintergrund offiziell das Ende der Episode markiert. Wenn das auch noch mitten in einer Schießerei passiert, in der die ein oder andere liebgewonnene Figur getötet werden könnte, nunja, dann möchte ihm schon ganz gerne wehtun. To’hajiilee steht ganz im Zeichen unserer Wünsche, die sich im Laufe von Breaking Bad so angestaut haben und deren Erfüllung aber doch nicht so schön ist, wie erhofft.

Was ist passiert?
Wie angekündigt erwischt Jesse (Aaron Paul) Walter (Bryan Cranston) da, wo es ganz besonders weh tut: beim Geld. Gleichzeitig setzt Walter tatsächlich Todds Onkel darauf an, Jesse umzubringen, darauf beharrend, dass er kurz und schmerzlos stirbt. Mit einem fiesen Trick bekommt Hank (Dean Norris) raus, wo Heisenberg sein Geld versteckt und hat somit genug Beweise, um ihn festzunehmen. In einer einsamen Ecke in der Wüste lässt Walt sich schlussendlich wehrlos von Hank Handschellen anlegen, bevor jedoch Todd und seine Partner angerollt kommen, um einen ordentlichen Bleiregen auf die DEA-Agenten losprasseln zu lassen.

Mein Optimismus, dass Walt keinen Killer auf Jesse ansetzt, wurde ziemlich flott abgewürgt. Walter will ihn tatsächlich aus dem Weg räumen lassen, was nach der massiven Drohung am Ende der vergangenen Episode natürlich nicht unverständlich ist. Einen gewissen Grad an Loyalität legt er insofern an den Tag, dass er auf einen kurzen und schmerzlosen Tod beharrt. Dies war allerdings auch darauf zurück zu führen, dass er Jesse nicht für einen Verräter hielt, was sich gegen Ende der Folge sicherlich auch geändert hat. Ansonsten hat Jesse offensichtlich voll ins Schwarze getroffen: Als Walt merkt, dass es jetzt um sein Geld geht, verliert er jegliche Rationalität und gibt sich vollkommen seinen Emotionen. So gar nicht nach Heisenberg aussehend und wie wild ins Telefon brüllend rast er in die Wüste, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, dass es eine Falle sein könnte. So leicht angreifbar wirkte er bislang noch nie, was auch unterstreicht, dass die Gesamtsituation ihn deutlich mehr überfordert, als er es nach außen hin vorgibt.

Die finale Sequenz in der Wüste ist schließlich aus mehrerer Hinsicht eine wahre Offenbarung. Der Moment, in dem sich Walt ängstlich hinter den Fels kauert und realisiert, dass Jesse die Seiten gewechselt hat, lässt seine Selbsteinschätzung in sich zusammenfallen. Nie kam ihm der Gedanke, dass Jesse sich mit der DEA zusammengetan haben könnte. Walt glaubte bis dahin ernsthaft all die Lügen, die er Skyler aufgetischt hatte. Jesse sei nicht gefährlich. Jesse sei kontrollierbar; eine Marionette. In your face, bitch. Die Ausmaße dieses Schocks zeigen sich ganz deutlich: Heisenberg kapituliert. Zum ersten Mal überhaupt fügt er sich wehrlos seinem Schicksal, ganz ohne Ass im Ärmel, das ihn aus der Situation retten wird. Seine stumme Gehorsamkeit Hank gegenüber demonstriert zudem, dass die Familie in Walts Leben immer noch über allem steht. Hank töten zu lassen, kommt nicht in Frage. Selbst als er in Handschellen auf der Rückbank des DEA-Autos sitzt und Uncle Jack und die Nazis (bester Bandname ever?) ihn aus der Misere befreien könnten, wehrt er sich mit aller Stimmeskraft gegen das Feuergefecht.

Walts verqueres Weltbild offenbart sich zusätzlich in dem einzigen Wort, das er Jesse in der Wüste zuwirft: Feigling. Aus seiner Sicht ist Jesse also ein Feigling, weil er sich mit der DEA zusammentut und es nicht mit Walter wie ein echter Meth-Koch klärt. Das würde bedeuten, dass Walt in gewisser Weise stolz darauf ist, wie er seine Probleme stets gehandhabt hat: Leute manipulieren, sie mit Lügen einlullen und letzten Endes andere die Drecksarbeit übernehmen lassen, ohne Rücksicht darauf, dass Kinder und andere Unschuldige mit reingezogen werden. Dieser Mann hat erst wenige Stunden zuvor versucht, Andrea und ihren Sohn als Lockvogel zu benutzen, um Jesse umbringen zu lassen und nun wirft er seinem Ex-Partner Feigheit vor. An Lächerlichkeit ist das kaum noch zu überbieten.

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